Neue Mitte Schwelm

Sparkasse will 2020 in Patrizierhaus Schwelm einziehen

Zurzeit ruht die Baustelle am Bürgerplatz: Architekt Klaus Lange (Bild Mitte) und die Sparkassenvorstände Johannes Schulz (links) und Michael Lindermann machen sich ein Bild vom Baufortschritt

Zurzeit ruht die Baustelle am Bürgerplatz: Architekt Klaus Lange (Bild Mitte) und die Sparkassenvorstände Johannes Schulz (links) und Michael Lindermann machen sich ein Bild vom Baufortschritt

Foto: Bernd Richte

Schwelm.   Schöner Schein des Fachwerkhauses trügt: Balkenkonstruktion ist in erbärmlichem Zustand. Wahrscheinlich Rettung in letzter Sekunde

Hübsch ist das Patrizierhaus am Bürgerplatz anzusehen. Doch hinter der bergischen Schieferfassade ist die Welt alles andere als in Ordnung. Der schöne Schein trügt: Wo Handwerker Decken und Wände freigelegt haben, zeigt sich dem Fachmann ein ganz anderes Bild. In den zurückliegen Jahrhunderten ist mit der Bausubstanz des historischen Gebäudes, das 1701 erstmals urkundlich erwähnt wird, alles andere als sorgsam umgegangen worden. Es wurde wild umgebaut und saniert – aber nicht von Fachleuten. Die Folge: Tragende Elemente der Balkenkonstruktion sind in so erbärmlichem Zustand, dass sie jetzt erst einmal vorsorglich abgestützt worden ist.

Erwerb durch die Sparkasse

Für das Patrizierhaus ist der Erwerb durch die Sparkasse ein Glücksfall – und wahrscheinlich Rettung in letzter Sekunde. „Die Bausubstanz des Gebäudes ist sehr schlecht. 10 bis 15 Jahre wäre es mit dem Haus wohl noch gut gegangen“, beschreibt Klaus Lange das Objekt. Der Architekt aus Schwelm ist erfahren mit Sanierungsfällen, hat auch Schloss Martfeld vor dem Verfall gerettet und zu dem heutigen Schmuckstück entwickelt. „Der Nordflügel und der Torturm von Haus Martfeld waren schon in einem schlimmen Zustand. Doch beim Patrizierhaus der ehemaligen Brauerei ist es noch viel schlimmer“, so der Fachmann, der von der Sparkasse mit der Rettung des bergischen Fachwerkhauses betraut worden ist.

Zurzeit ruht die Baustelle am Bürgerplatz. Ende Januar werden die Handwerker dort wieder ihre Arbeit fortsetzen. Ein Gerüst wird gestellt, das Dach saniert, der Innenausbau voran getrieben. Bis zum Jahresende soll die Sanierung abgeschlossen sein. Dann haben die Einrichter dort das Sagen. Im Jahr 2020 will die Sparkasse in dem historischen, denkmalgeschützten Fachwerkhaus mit ihrer Provinzial-Agentur und der hauseigenen LBS-Vertretung einziehen. Auf gut 1,2 Millionen Euro schätzten Experten allein den Sanierungsbedarf.

Für Architekt Klaus Lange ist das Patrizierhaus auch beruflich eine Herausforderung. In verschiedenen Etagen sind Eichenbalken gebrochen. Die Fassade in stellenweise nach außen gedrückt, die Böden weisen Höhenunterschiede in nicht unerheblicher Größenordnung auf. Aus diesen Gründen sind zur Sicherheit die Stahlstützen eingezogen worden. Erst wenn der Statiker sein o. k. gibt und über das weitere Vorgehen entschieden hat, werden diese Stützen wieder entfernt. Die Innentreppen müssen auch aus Brandschutzgründen durch Neukonstruktionen ersetzt werden.

Auch Rähm bereitet Sorgen

Sorgen bereitet Klaus Lange auch die ganz und gar nicht fachmännische Ausführung des Rähms. Der Rähm ist eine horizontal umlaufende Balkenlage beim Fachwerkhaus. Er nimmt die Lasten für das jeweils nächste Stockwerk auf. Bei einem Dachtragwerk bezeichnet Rähm die Längshölzer, auf denen die Sparren ruhen. Der Rähm hat die Aufgabe, den Längsverband in der Konstruktion herzustellen, die horizontalen Schubkräfte über die Streben und die vertikalen Kräfte über die Stiele/Ständer in die Schwellen bzw. in das Fundament abzuleiten. Der Rähm in den Obergeschossen des Patrizierhauses ist sanierungsbedürftig. Um den Rähm beim Fundament beurteilen zu können, muss der Architekt erst ein Blick hinter die Verkleidung im Außenbereich werfen – ein spannender Moment für Klaus Lange: „Die umlaufende Balkenlage ist das empfindlichste Bauwerk bei einem Fachwerkhaus.“

Die nächsten Arbeiten am Patrizierhaus, die den Besuchern der Innenstadt von Schwelm ins Auge fallen werden, haben mit der eigentlichen Sanierung des Baukörpers nichts zu tun.

Neben dem Patrizierhaus steht zurzeit noch ein Transformator der AVU, der auch die umliegenden Häuser der Innenstadt mit Strom versorgt. Dieser wird umgesetzt und zwar an die Römerstraße auf das Gelände der Sparkasse – zwischen Behindertenparkplatz und Schulungszentrum (ehemalige Hausmeisterwohnung) des Kreditinstituts.

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