Nach Betriebsschließung

Stadtbetriebe Ennepetal sollen auf Hesterberg-Gelände ziehen

Das Betriebsgelände der Firma F. Hesterberg & Söhne GmbH & Co. KG von oben gesehen. Der Verwaltungsbereich (Gebäude unten rechts) soll sicher weiter genutzt werden, die Hallen je nach Bedarf.

Das Betriebsgelände der Firma F. Hesterberg & Söhne GmbH & Co. KG von oben gesehen. Der Verwaltungsbereich (Gebäude unten rechts) soll sicher weiter genutzt werden, die Hallen je nach Bedarf.

Foto: Hans Blossey

Ennepetal.  Die Stadtbetriebe Ennepetal sollen auf das Gelände der Firma F. Hesterberg & Söhne ziehen. Das Traditionsunternehmen steht vor der Schließung.

Die Stadtbetriebe Ennepetal (SBE) sollen ihre neue Heimat auf dem Betriebsgelände der Firma F. Hesterberg & Söhne GmbH & Co. KG an der Heilenbecker Straße 50-60 finden. Nachdem die BPW-Gruppe als Eigentümer des heimischen Traditionsunternehmens entschieden hatte, den Standort aufzugeben (siehe Bericht 1. Südkreisseite) und sich kein anderes Unternehmen dort ansiedeln wollte, griff die Stadt zu. Die Planungen für den Standort an der Lanfert, an dem nur der städtische Betriebshof angesiedelt werden sollte, werden zu den Akten gelegt. Zum einen sei die Lage des Geländes im Heilenbecker Tal zentraler und das Grundstück besser geeignet, so die Verantwortlichen. Zum anderen könne man etwa zwei Millionen Euro sparen. Der SBE-Verwaltungsrat hat die neuen Planungen bereits einstimmig abgesegnet. Läuft alles wunschgemäß, könnten die SBE 2024 umziehen.

Nachdem vor einigen Jahren Pläne für die Brachfläche an der Wehrstraße verworfen werden mussten (weil Bharat Forge CDP die Fläche für eine geplante Betriebserweiterung kaufte), beschloss die Politik vor knapp einem Jahr, an der Lanfert – auf einem Grundstück zwischen VER und Bahnlinie am Hagelsiepen – einen neuen Betriebshof zu bauen. Die Verwaltung der SBE sollte weiter an der Hembecker Talstraße bleiben, der Mietvertrag wurde bereits verlängert. „Wir wussten um die Schwierigkeiten des Grundstücks an der Lanfert“, erklärt Bürgermeisterin Imke Heymann. „Zum Zeitpunkt des Beschlusses war das aber die einzige Option.“ Auf dem abschüssigen Gelände wären umfangreiche Erdarbeiten notwendig geworden, auch hätte der feuchte Boden vorbereitet werden müssen.

Zwei Millionen Euro günstiger

„Im vergangenen Jahr wurde uns das Grundstück der Firma Hesterberg angeboten“, berichtet Heymann. Es sei schon länger auf dem Markt gewesen. Darauf hin habe man sich die Immobilie angesehen, erste Planungsideen erstellen lassen und festgestellt, dass es ein guter Standort für die Stadtbetriebe – und zwar Betriebshof plus Verwaltung – wäre. „Das ist einer der großen Vorteile, dass wir dort alles zusammen unterbringen können“, erklärt SBE-Vorstand Tim Strathman. Vor allem stelle man sich finanziell besser. „Wir können zwei Millionen Euro sparen“, so Strathmann. Für den Neubau an der Lanfert waren 8 bis 9 Millionen Euro veranschlagt, zuzüglich der jährlichen Miete von 100.000 Euro für die Bürogebäude an der Hembecker Talstraße. Für Immobilienerwerb und Umbauten rechne man nun mit Gesamtkosten von etwa 6 Millionen Euro, so Strathmann. Kämmerer Dieter Kaltenbach betont zudem, dass man so keine Industriebrache mitten in der Stadt fürchten müsse. Man hätte natürlich einem Unternehmen den Vortritt gelassen, es habe sich aber trotz Gesprächen mit vielen Firmen eben kein Käufer gefunden.

Vollzogen wird der Grundstückskauf bereits zum 1. Oktober. Hesterberg wird den Standort allerdings voraussichtlich erst im dritten Quartal 2021 verlassen und bis dahin als Mieter dort bleiben. Es bestehe nach Auskunft der Stadt für das Unternehmen die Möglichkeit, den Mietvertrag noch zu verlängern. Nach dem Hesterberg-Auszug können die Umbauarbeiten beginnen, die nach Aussage von Tim Strathmann etwa zwei Jahre dauern dürften. „Unter dem Strich wäre es an der Lanfert kaum schneller gegangen“, meint er. So hätte man die Bodenarbeiten nur im Sommer durchführen können, außerdem europaweit ausschreiben müssen.

Wichtig für Betriebshof-Mitarbeiter

Auf dem Hesterberg-Gelände befinden sich ein Verwaltungsgebäude, das nach Umbauten für die SBE-Büros genutzt werden soll, und vier Hallen. „Die sind unterschiedlich alt“, so Tim Strathmann. Eine werde man weiter als Fahrzeughalle nutzen, bei den anderen werde man sehen, was die SBE bräuchten. Zum Grundstück gehören neben den Parkplätzen auch eine angrenzende Waldfläche, der Hang gegenüber dem Betrieb sowie eine Kleingartenanlage. „Die bleibt natürlich erhalten“, stellt Imke Heymann klar.

„Wir fangen mit der Planung nun zum dritten Mal von vorne an, meint Tim Strathmann. „Insofern ist uns die Entscheidung nicht leicht gefallen.“ Letztlich habe der neue Standort aber entscheidende Vorteile. „Wenn sich etwas Besseres bietet, muss man das neu bewerten“, meint Imke Heymann. Wichtig sei, dass man den Betriebshof-Mitarbeitern eine Perspektive gebe, denn die hätten in Gesprächen immer wieder auf die Verhältnisse auf dem Bauhof an der Hembecker Talstraße hingewiesen und betont, dass etwas getan werden müsse. Insgesamt etwa 110 Mitarbeiter (inklusive Reinigungskräfte und Hausmeister) haben die SBE, davon sind etwa 40 für den Betriebshof tätig und weitere 40 bis 45 als Ingenieure und Verwaltungsmitarbeiter. Diese werden allesamt am neuen Standort ihren Arbeitsplatz haben.

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