Gymnasium

Tafeln erinnern an Fritz Helling und sein Werk

Direktorin Katharina Vogt (6. von rechts), ihr Vorvorvorgänger Dr. Hans Graf (3. von links), ihr Vorvorgänger Jürgen Sprave (6. von links), Bürgermeisterin Gabriele Grollmann (4. von rechts), Gedenktafelsponsor Wilhelm Erfurt (5. von rechts) mit seinen Beiräten Michael Treimer (3.von rechts), Anne Peter (2. von rechts), Heike Rudolph (rechts) und Lothar Feldmann (5. von links), und drei Abiturienten von 1947, nämlich Gerd Mädje, Hubert Schmidt und Dr. Reinhard Küper (von links)

Foto: Privat

Direktorin Katharina Vogt (6. von rechts), ihr Vorvorvorgänger Dr. Hans Graf (3. von links), ihr Vorvorgänger Jürgen Sprave (6. von links), Bürgermeisterin Gabriele Grollmann (4. von rechts), Gedenktafelsponsor Wilhelm Erfurt (5. von rechts) mit seinen Beiräten Michael Treimer (3.von rechts), Anne Peter (2. von rechts), Heike Rudolph (rechts) und Lothar Feldmann (5. von links), und drei Abiturienten von 1947, nämlich Gerd Mädje, Hubert Schmidt und Dr. Reinhard Küper (von links) Foto: Privat

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Schwelm.  „Endlich“ war wohl das meist gehörte Wort bei der Einweihungsfeier für die Erinnerungstafeln an Fritz Helling am Donnerstag in der Aula des Märkischen Gymnasiums Schwelm: „Nach jahrzehntelanger Vorbereitung“, wie Schulleiterin Katharina Vogt verdeutlichte, sei nun endlich der Tag des öffentlichen Gedenkens an Fritz Helling gekommen. Geprägt habe er das Märkische Gymnasium (MGS) schon seit Jahrzehnten, „nun wird er endlich dafür gewürdigt“, war sich auch Bürgermeisterin Gabrielle Grollmann in ihrem Grußwort während der Veranstaltung Hellings Taten bewusst. Für diejenigen, denen Fritz Hellings Lebenswerk bis jetzt nichts sagte, gibt es jetzt ‘endlich’ die Aufklärung:

Fritz Helling (1888-1973), war nicht nur zeitweise Lehrer und nach 1945 Direktor am Märkischen Gymnasium, er war auch Reformpädagoge und „ein herausragender Ziehvater der Schule“.

„Die Schule als Haus des Lebens und Lernens“ – eine Aussage, die heutzutage als Aufgabe einer guten Schule selbstverständlich klingt. Damals aber, als Fritz Helling sie tätigte, galten seine Worte als revolutionär. In Zeiten, in denen Schule noch Erziehung zum absoluten Gehorsam bedeutete, strebte der Schwelmer danach, der Schule den Charakter einer Kaserne zu nehmen. Diese Bemühungen waren den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge.

„Man sagt, Schulen wandeln sich langsamer als Kirchen. Umso wichtiger sind Menschen wie Helling“, betonte Katharina Vogt. „Bei uns hat selbst der kleinste Knirps das gleiche Recht auf Menschlichkeit wie der Direktor“, lautete seine Devise, und aus Recherchen wird deutlich, in welch’ engem Verhältnis seine ehemaligen Schüler zu ihm standen. „Ein Glücksfall. Aufrichtig, tolerant, gerecht und liberal“, so wurde er beschrieben. Vor allem hat er seinen Schülern „den Weg zur geistigen Freiheit und somit zum Licht aufgezeigt“. Hellings Schüler mussten nicht mit ihm übereinstimmen, sie sollten sich ihre eigene Meinung bilden dürfen.

Umstrittene, polarisierende Person

Schule als Charakterbildung. Gerade in der heutigen Welt, angesichts Rassismus, wachsender Diskriminierung, Hass, Gewalt und Feindbildern, ist diese Rolle wichtiger denn je. So wurde Helling mit seiner Weltanschauung zum Vorbild für Jürgen Sprave, ebenfalls ehemaliger Schulleiter am MGS von 1998 bis 2008. Warum es seit Hellings Tod so lange dauern musste, bis er 2016 nun die Anerkennung erhält, die ihm zusteht, kann sich Sprave nur durch Hellings politische Aktivität erklären. Sein sozialistisches Gedankengut sowie sein Einsatz für eine Wiedervereinigung Deutschlands während des kalten Kriegs machten ihn in Schwelm zu einem umstrittenen, polarisierenden Politiker, der die Leute spaltete.

Jürgen Sprave will dieses Bild verändern. Er hat bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand (wir berichteten) sogar dafür plädiert, die Schule in „Fritz Helling Gymnasium“ umzunennen, was sich jedoch nicht – oder noch nicht – durchgesetzt hat. Spraves geduldigem Engagement für ein Erinnerungszeichen sowie seiner finanziellen Unterstützung ist es zu verdanken, dass endlich Gedenktafeln aufgestellt wurden.

Im Foyer führt der Weg der Schüler nun tagtäglich daran vorbei und auch sie wissen, Fritz Helling zu schätzen. Das Schulorchester hatte bei der Veranstaltung in der Aula das musikalische, festliche Fundament gelegt, und einige Schüler der Q1 beispielsweise, die hinterher gegen eine kleine Spende für die Verpflegung sorgten, nahmen ebenfalls an der Einweihungsfeier teil. „Es ist schön, dass wir heute durch Menschen wie ihn so viel Freiheit genießen dürfen“, urteilte Aschkan Darvishy (Q1) und sprach dabei sicherlich für die Mehrheit.

Jürgen Sprave fand dazu die passende Metapher: „Fritz Helling hat dem Märkischen Gymnasium Schwelm seinen Stempel aufgedrückt – der bis heute nicht verblasst ist“.

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