Umweltverschmutzung

Teilnehmer bei Müllsammelaktion in Schwelm entsetzt

Die Initiatorin der Müllsammelaktion in Schwelm Anja Walter (links), Unterstützer Detlef Wapenhans (rechts vorne) mit einigen Mitstreitern. Der Ärger über das Stadtbild treibt sie an.  

Die Initiatorin der Müllsammelaktion in Schwelm Anja Walter (links), Unterstützer Detlef Wapenhans (rechts vorne) mit einigen Mitstreitern. Der Ärger über das Stadtbild treibt sie an.  

Foto: Katrin Böcker

Schwelm.   Freiwillige nehmen die Sauberkeit Schwelms bei einer Müllsammelaktion in die eigene Hand. Das Ergebnis: 30 volle Säcke und einige kuriose Funde.

Mehr als 30 prall gefüllte Säcke, kuriose Funde und die Bilanz „Wir haben längst nicht alles geschafft“: Auf Initiative von Anja Walter und Detlef Wapenhans kamen am Samstag rund 30 Freiwillige zusammen, um die Stadt ein bisschen sauberer zu machen.

Samstagmorgen, 10 Uhr. Es ist kalt draußen, vereinzelt fällt sogar Schnee – zugegeben, nicht die idealen Bedingungen, um sich stundenlang an der frischen Luft aufzuhalten. Die engagierten Helfer der Müllsammelaktion sind trotzdem entschlossen.

Ärger über das Stadtbild

In Teams schwärmen sie aus, um verschiedene Plätze vom Unrat zu befreien. „Man muss sich nur mal in Schwelm umgucken, überall liegt Müll“, sagt Manfred Bohr nüchtern auf die Frage, was ihn zur Teilnahme motiviert hat. „Ich finde die Aktion einfach gut, denn irgendjemand muss ja anfangen.“

Der Ärger über das Stadtbild treibt viele der Freiwilligen an, die an diesem Morgen gekommen sind. „Ich bin viel mit meinem Hund in der Natur unterwegs. Wohin man auch geht, überall liegt Abfall. Mich ärgert das unheimlich“, so Iris Oltman.

Mit Handschuhen und Müllzange

Sie hat sich die Sophienhöhe vorgenommen, sammelt mit Handschuhen und Müllzange ausgestattet leere Schnapsflaschen und Glasscherben in dem kleinen Wäldchen ein. Sogar einen alten Staubsauger hat jemand dort achtlos ins Gebüsch geworfen.

„Es ist eine tolle Idee, sich als Schwelmer mal verantwortlich für die Stadt zu fühlen“, findet Oltman. Ähnlich sieht das Eva Meyer, die in der Zeitung von der Aktion gelesen hat: „Das ist wirklich eine Gelegenheit, seine Zeit sinnvoll zu füllen“, sagt sie. Sie nimmt sich einen Grünstreifen an der B7 vor, sammelt Zigarettenkippen, Papierverpackungen und einen gelben Sack samt Inhalt ein.

Aber auch das Thema Nachhaltigkeit spielt eine Rolle. Michael Wendel ist mit Tochter Jamie gekommen, damit sie schon in jungen Jahren ein Verantwortungsgefühl für die Umwelt bekommt.

Initiative für eine größere Aktion

„Sie soll mitkriegen, wie man es richtig macht. Ich finde so etwas gerade für die Kinder wichtig.“ Auch Regina Weinberger ist über die „Umweltschiene“ zum Müllsammeln gekommen.

Sie verfolgte auf Facebook, wie sich Menschen in großen Städten zu gemeinsamen „Clean-ups“ treffen. „So habe ich angefangen, bei Spaziergängen Müll aufzusammeln. Teilweise blieben die Stellen dann tatsächlich eine Weile sauber, das gibt Hoffnung.“ Dass Anja Walter nun die Initiative für eine größere Aktion ergriffen hat, begeistert Weinberger.

Sie findet allerdings, dass mehr Leute hätten kommen können. „Vor allem, dass sich keine Vereine gemeldet haben, finde ich traurig.“

Entsetzen über Verschmutzung

Die Initiatorin zieht am Ende trotzdem eine rundum positive Bilanz: „Ich freue mich riesig, dass so viele gekommen sind“, so Anja Walter. Sie habe im Vorhinein überhaupt keine Erwartungen gehabt und sei deshalb vollkommen zufrieden.

Die Teilnehmer indes schwanken zwischen Stolz über das Geleistete und Entsetzen über den Grad der Verschmutzung der Stadt. Man hätte noch viel länger sammeln können, da sind sich alle einig.

Aber nicht nur das. Denn dass niemand seinen Müll achtlos auf die Grünflächen werfen sollte, ist klar. Doch auch darüber hinaus würde ein wenig mehr Umweltbewusstsein bei Groß und Klein nicht schaden, so der allgemeine Tenor angesichts herumliegender Alufolie und leerer Trinkpäckchen in Schulnähe.

Feuchttücher, Taschentücher, Schnapsflaschen

Spitzenreiter bei den gesammelten Gegenständen sind an diesem Tag Feuchttücher, Taschentücher – und Schnapsflaschen. „Das Lieblingsgetränk der Schwelmer scheint Wodka zu sein“, scherzt Detlef Wapenhans nicht ohne bitteren Unterton.

Es scheint, als würden an etlichen Plätzen der Stadt regelrechte Alkoholexzesse veranstaltet. So entdeckte ein Sammelteam am Brunnen allein 20 Wodkaflaschen und Doris Walter las auf dem Wilhelmsplatz 30 kleine Flachmänner auf.

Aber auch ein Rucksack, eine Musikbox, haufenweise Bauschutt, ein Autokennzeichen und ein Kanister mit undefinierbarer Flüssigkeit lagen einfach im Gebüsch herum. Das vielleicht kurioseste Fundstück: Manfred Bohr stieß auf drei Goldzähne.

Die waren allerdings schneller wieder weg, als alles andere: Einmal kurz aus den Augen gelassen, hatte sich sofort jemand das Edelmetall geschnappt und war damit verschwunden.

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