Terror-Prediger

Terror-Prediger aus Ennepetal bereitete in Kleingarten auf Kampf vor

Muhammed H. (links) im Jahr 2017 mit seinem damaligen Verteidiger Mutlu Günal in einem Gerichtssaal des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Er soll durch seinen Vater Atila G. radikalisiert worden sein

Muhammed H. (links) im Jahr 2017 mit seinem damaligen Verteidiger Mutlu Günal in einem Gerichtssaal des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Er soll durch seinen Vater Atila G. radikalisiert worden sein

Foto: WP

Ennepetal/Celle.  In einer Schrebergarten-Laube in Ennepetal soll Terror-Prediger Atila G. IS-Anhänger auf den Kampf vorbereitet haben. Enger Kontakt zu Abu Walaa.

Atila G. hatte einen beschaulichen Ort für seine Treffen gewählt: In der Laube seines Schrebergartens in Ennepetal sollen regelmäßig Männer mit langen Bärten und Gewändern zu einem Austausch zusammengekommen sein.

Mal wurde der Grill angefeuert, mal der Koran aufgeschlagen. Doch nach Hinweisen von Terrorfahndern ging es nicht darum, weitere Mitglieder für die Kleingärtnerei zu werben, sondern um die Vorbereitung auf den bewaffneten Kampf. Um den vermeintlichen Siegeszug der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Krieg gegen die Ungläubigen. Und um die Träume junger Männer, die darauf vorbereitet werden sollten, für den Glauben zu töten – und notfalls selbst zu sterben.

Polizei NRW hat salafistische Sippe im Visier

Seit Jahren hat die Polizei in NRW eine salafistische Sippe im Visier, die als äußerst radikal und gefährlich gilt. Der Vater, Atila G., ein in Vielehe lebender Prediger, gilt als Scharfmacher. Er soll junge Männer ideologisch auf den Dschihad vorbereitet haben.

Mehr noch: Die Ermittler sind überzeugt, dass Atila G. sogar zur zweiten Führungsebene in einem mutmaßlichen Rekrutierungs-Netzwerk um den Hildesheimer Prediger Ahmad A. alias Abu Walaa gehört. Dieser muss sich seit einem Jahr vor dem Oberlandesgericht in Celle wegen Unterstützung und Mitgliedschaft im IS verantworten; die Generalbundesanwaltschaft geht davon aus, dass der 34-jährige Iraker der höchste Vertreter der Terrormiliz in Deutschland ist.

Welche Rolle spielt Atila G. im Terror-Netzwerk?

In der Netzwerk-Hierarchie auf derselben Ebene rangiert den Ermittlungsbeamten zufolge auch der Prediger Atila G. aus Ennepetal. Dennoch taucht er in dem Prozess gegen Abu Walaa nicht auf.

Vor Gericht geben sich Beamte des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes schmallippig, was die Vorwürfe gegen Atila G. anbelangt. Gegen ihn läuft ein gesondertes Verfahren; Details sollen noch nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Die Ermittler ziehen sich deswegen auf ihre eingeschränkten Aussagegenehmigungen zurück, wenn sie zur Rolle von Atila G. in dem mutmaßlichen Netzwerk befragt werden.

Sohn reiste mehrfahr nach Syrien

Was bekannt ist: Sein Sohn Muhammed H. reiste mehrfach nach Syrien, 2013 mit einem der Hilfskonvois der Organisation „Helfen in Not“ – in Zusammenarbeit mit der Moschee des Deutschsprachigen Islamkreises Hildesheim, der Wirkungsstätte Abu Walaas.

Auch 2014 zog es den damals 17-jährigen Kampfsportler zusammen mit einem Glaubensbruder aus Hagen nach Syrien, ins IS-Gebiet. Nach nur einer Woche in einem IS-Ausbildungslager entschlossen sich die beiden Männer allerdings, nach Deutschland zurückzukehren.

Muhammed H. wurde im März verurteilt

Im August 2015 wollte Muhammed H. erneut und diesmal mit seiner Ehefrau ins IS-Gebiet reisen, doch die Terrorfahnder bekamen diesmal Wind davon und nahmen ihn bereits bei der Passkontrolle am Flughafen fest.

Im März dieses Jahres verurteilte ihn das Oberlandesgericht Düsseldorf zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und sechs Monaten; sein Freund aus Hagen kam mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon.

Durch den eigenen Vater radikalisiert

Die Richter waren überzeugt, dass Muhammed H. maßgeblich durch den eigenen Vater radikalisiert worden war. Auch sein Freund habe zunächst den Vater Atila G. kennengelernt und erst später dessen Sohn, so die Richter.

Auffällig ist, dass sich seit 2014 wohl mindestens sechs Personen aus dem Umfeld des Predigers dem IS angeschlossen haben sollen – darunter auch ein junger Mann aus Ennepetal, der sich im Juni 2014 in Bagdad in die Luft sprengte und mehr als 50 Menschen mit in den Tod riss.

Enger Kontakt zu Abu Walaa

Der Prediger hatte engen Kontakt nach Hildesheim, bestätigen LKA-Beamte vor dem Oberlandesgericht in Celle. Auch soll es Treffen mit Abu Walaa im Schrebergarten in Ennepetal gegeben haben.

Dass gewichtige Drahtzieher in der Szene inzwischen vor Gericht stehen, scheint den Einfluss des Predigers aus Ennepetal in der Szene kaum gemindert zu haben. Im Gegenteil: Die Ermittler mutmaßen, dass Atila G. nach der Festnahme Abu Walaas sogar dessen Funktion eingenommen haben könnte. Sollten die Erkenntnisse für eine Anklage reichen, steht der nächste spektakuläre Terror-Prozess bevor.

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