Geschichte

Thema Feuerwerk im Haus Martfeld in Schwelm

Stellten die Lustfeuerwerkerei einst und jetzt vor: (von rechts) die Referentinnen und Referenten Heike Rudolph, Melanie Moche und Matthias Jansen. Anne Peter, die Vorsitzende des Vereins für Heimatkunde, freute sich über den gelungenen Abend.

Foto: Arno Kowalweski

Stellten die Lustfeuerwerkerei einst und jetzt vor: (von rechts) die Referentinnen und Referenten Heike Rudolph, Melanie Moche und Matthias Jansen. Anne Peter, die Vorsitzende des Vereins für Heimatkunde, freute sich über den gelungenen Abend. Foto: Arno Kowalweski

Schwelm.  Heimatkundeserie „Altes neu entdeckt“: Buch aus 19. Jahrhundert bietet unterhaltsamen Einstieg in die Faszination einer alten Handwerkskunst.

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Die beliebte Lese- und Vortragsreihe „Altes neu entdeckt“ im Haus Martfeld befasste sich jetzt mit der „Lustfeuerwerkerei für Dilettanten“. So lautet der Titel eines einstmals berühmten Buches von Christian Friedrich Martin Websky (1824-1886).

Der Autor war ein Mann mit zwei Karrieren: Er hatte sich bis zum Oberbergrat in Breslau (1861) hochgearbeitet, nahm 1865 seinen Abschied, widmete sich fortan der Mineralogie und wurde 1868 außerordentlicher Professor an der Universität Breslau und 1874 Professor in Berlin. Die Referentin Heike Rudolph hatte sich Webskys Buch aus der Historischen Bibliothek von Haus Martfeld ausgewählt, um die Bedeutung der Feuerwerkerei durch die Jahrhunderte hindurch zu beleuchten.

Wissenschaftlich, gut verständlich

Mit wissenschaftlicher Genauigkeit und in trockener, aber gut verständlicher Weise hat der Autor ausführlich die Formen, Gestaltungen, Effekte, Farben und Materialien eines Lustfeuerwerks seiner Zeit beschrieben. Er äußerte sich über Höhen- und Bodenfeuerwerke, ließ sich über Schießpulver, Salpeter, Schwefel, Kohle und Chlorsaures Kali aus, machte exakte Angaben zu Maßen und Gewichten und sparte nicht mit Anleitungen zum Verfertigen von einfachen und zusammengesetzten Feuerwerksstücken.

Mit seinem ausgeprägten Interesse an der Lustfeuerwerkerei stand Martin Websky nicht allein da. Viele Autoren widmeten sich diesem Thema mit großer Detailkenntnis, und die Lustfeuerwerkerei gehörte sogar zu den Handwerksberufen.

Die Referentin erinnerte an die Erfindung des Schwarzpulvers durch die Chinesen. Mit niederländischen Seefahrern kam es im 13. Jahrhundert nach Europa, wo es sich rasch als Mittel der Repräsentanz an Höfen etablierte.

Wahre Genies der Lustfeuerwerkerei waren die Italiener. In Deutschland wurde im 16. Jahrhundert Nürnberg zum Zentrum der Feuerwerkskunst. 1529 erschien erstmalig der deutschsprachige Feuerwerker-Leitfaden „Fürwerckbuch“.

Krönungen, Hochzeiten, Taufen und Geburtstage hochwohlgeborener Zeitgenossen oder Friedensschlüsse: Es gab ausreichend Anlässe, denen ein Feuerwerk Glanz verlieh. Lustfeuerwerkerei musste man sich leisten können. Heike Rudolph: „Denken wir allein in Deutschland an die Kleinstaaterei mit ihren zahlreichen Herzogtümern und Fürstenhöfen. Man genoss und beeindruckte andere und sich selbst. Man wollte sich als Auftraggeber in dieser Pracht voller Licht verschwenden, in die man gerne auch Parks und Wasserspiele einbezog“. Heute verbindet man glanzvolle Feuerwerke vor allem mit der Epoche des Barock. Man denke nur an Georg Friedrich Händels betörend schöne Feuerwerksmusik (1749).

Wie immer wird in der Reihe „Altes neu entdeckt“ ein historisches Thema modern gespiegelt. Dies geschah durch Melanie Moche von der bekannten Firma „Schmitz Pyrotechnik“, die auch für das wunderschöne Abschlussfeuerwerk zum Schwelmer Heimatfest verantwortlich zeichnet.

Die Firma Schmitz brennt Groß- und Kleinfeuerwerke zu den verschiedensten Anlässen ab, so zu Schützenfesten, Kirmessen, Hochzeiten, Firmenfesten, Jubiläen usw. Mit spürbarer Freude am Handwerk erläuterte Melanie Moche die verschiedenen Feuerwerkskörper und sprach über Aufbau und Ausgestaltung von modernen Feuerwerken. „Wir gestalten Ihnen alles!“ versprach sie den Zuhörern und schilderte, wie man die unterschiedlichsten Feuerwerksformen anlegen und zünden muss. Man erfuhr sehr viel über Indoorpyrotechnik, bei der man von der Decke Wasserfälle, Konfettiregen und Rosen regnen lässt. Outdoorpyrotechnik begeistert u.a. mit Flammenstößen Blitzen, Fontänen und Konfettikanonen. Zum großen Erstaunen der zahlreichen Gäste war zu vernehmen, dass es inzwischen sogar Bio-Feuerwerke gibt!

Melanie Moche: „Die Herstellung eines Feuerwerks geschah früher in Handarbeit, was verbunden sein konnte mit Fehlzündungen und richtiger Gefahr. Heute werden die Einzelteile maschinell gefertigt, doch bei der Zusammensetzung kommt teilweise noch Handarbeit ins Spiel. Eine Figur wie z.B. die Ente wird abbildungsgetreu in die Bombe eingelegt“.

Mit glühenden Kohlen angezündet

Zur Planung eines Feuerwerks, so lernte man an diesem Abend, gehören Fragen nach Anlass, Dauer und Budget sowie nach speziellen Wünschen. Immer berücksichtigt werden muss der Abschuss-Ort wegen der Sicherheitsabstände und um die gewünschten Motive zur Entfaltung bringen zu können.

Von Belang ist die Auswahl der Effekte: Schon beim Einkauf wird mitsondiert, was neu auf dem Markt ist, um ein Feuerwerk besonders wirkungsvoll zu gestalten. Aktuelle Effektbeispiele sind u.a. Flower Time Rain, Octopus und Crackling Crosette Palm. Pyrotechniker sorgen für Abwechslung, sinnvolle Kombination und bestimmen die Abfolge, wobei aus dramaturgischen Gründen noch Steigerungen in die Darbietungen eingebaut werden.

Melanie Moche schilderte, wie man das Material einlagert und erläuterte den Aufbau eines Feuerwerks. „Früher wurden Eisenrohre eingegraben und die Bombe wurde mit glühenden Kohlen angezündet. Später ging man auf schwere Papprohre über und heute benutzen wir Kunststoffrohre und Glasfieberrohre, die stabil und langlebig sind“.

Natürlich kann das Feuerwerk von Hand abgebrannt werden, doch geschieht dies aus Sicherheitsgründen inzwischen immer elektrisch. Die Funkzündanlage wird auch gerne mit Musik synchronisiert.

Die Herstellung eines Feuerwerkes bezeichnet Melanie Moche als „recht sicher, die Lagerung und Handhabung ebenfalls. „Wir halten heute mehr Abstand beim Abbrand zu den Zuschauern als früher. Der Abbrand erfolgt kontrolliert Dank der Technik und des in sich geschlossenen Systems“.

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