Tischfußball

„Tipp-Kick-Papst“ lobt Gevelsberger Kicker

Jochen Mieg (rechts) ist beim Spiel gegen den durchtrainierten Gevelsberger Tobias Nickel (links) chancenlos. Der Rechte-Inhaber für das Tipp-Kick-Spiel hat seine aktive Spielerkarriere längst beendet.

Jochen Mieg (rechts) ist beim Spiel gegen den durchtrainierten Gevelsberger Tobias Nickel (links) chancenlos. Der Rechte-Inhaber für das Tipp-Kick-Spiel hat seine aktive Spielerkarriere längst beendet.

Foto: Christian Werth

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Gevelsberg. Während Roberto Pulice zu eine seiner gefürchteten Schnibbel-Ecken ansetzt, lauert Gegenspieler Tobias Nickel mit flinkem Farbenspiel darauf, einen seiner schnellen Konter zu setzen. Die beiden Tipp-Kick-Spieler des TKC Gevelsberg sind bei ihrem Freundschaftsspiel besonders motiviert - schließlich guckt ihnen diesmal „Tipp-Kick-Papst“ Jochen Mieg zu.

Der 53-Jährige ist Besitzer jenes Unternehmens, das das original „Tipp-Kick-Spiels“ herstellt und extra aus dem schwäbischen Villingen-Schwenningen nach Gevelsberg gekommen. Die positive Entwicklung des hiesigen Klubs und gemeinsame Planungen für zukünftige Tipp-Kick-Veranstaltungen haben Mieg auf den Plan gerufen, wobei der gemütliche Vereinskeller des TKC in der Schillerstraße auch den Ehrengast in Staunen versetzt.

Gemütliches Ambiente

Unzählige Fußball-Fanschals, eine gemütliche Sitzecke mit angrenzender Bar sowie ein Fernseher mit Bundesliga-Empfang bereichern das gemütliche Ambiente des Untergeschosses. Während man in geselliger Runde beim 5:1-Sieg der Bayern ein Stück Fußball-Geschichte miterlebt, geht es einen Raum weiter auch mit eckigem Ball temporeich zur Sache.

Auch Mieg selbst zeigt sein Können, auch wenn er seine eigene Spielerkarriere inzwischen aufgegeben und gegen die trainierten Gevelsberger chancenlos ist.

Dafür hat der Schwabe unzählige Geschichten und Anekdoten rund um Entstehung und Entwicklung des praktischen Wohnzimmer-Fußballsspiels parat. Schließlich hat sein Großvater Edwin Mieg das erstmals 1923 vergebene Tipp-Kick-Patent ein Jahr später gekauft und das Produkt in den folgenden Jahren weiterentwickelt. „Dieses Patent ist zwar inzwischen abgelaufen, doch haben wir die alleinigen Markenrechte“, berichtet Mieg.

So gebe es zwar einige Nachahmer auf dem Markt, doch dürfe nur das eigene Produkt unter dem Namen „Tipp-Kick“ angeboten werden. Der große Tipp-Kick-Boom der Nachkriegszeit sei zwar vorbei, doch sei das Spiel grade im Vorfeld von Welt- und Europameisterschaften nach wie vor beliebt und würde aktuell sogar einen neuen kleinen Aufwind erleben.

„In normalen Jahren verkaufen wir aktuell 30 000 bis 50 000 Spiele. Doch vor der WM 2006 in Deutschland waren es rund 200 000“, verrät der Geschäftsführer und ergänzt, dass man damit sogar den einstigen Rekord von 1954 mit 180 000 verkauften Spielen geknackt habe. Nun hofft man zur EM 2024 im eigenen Land auf einen erneuten Verkaufsboom und will dazu als vergleichsweise kleiner Spielwaren-Hersteller auf kostengünstige Guerilla-Werbestrategien setzen.

Dass sich ein gewisser Aufwind nicht nur anhand der Verkaufszahlen, sondern auch bei Vereinen und seinen Mitgliedern widerspiegelt, spürt auch der Gevelsberger Siggi Gies. „Wir haben aktuell 28 Mitglieder im Alter zwischen 11 und 48 Jahren und damit mehr als je zuvor“, verrät der TKC-Vorsitzende und ergänzt, dass allein im letzten Jahr zehn neue dazugekommen seien und der Verein sogar Spieler aus Wuppertal und Velbert angelockt hätten.

„Wir erleben einen typischen Generations-Kreislauf. Die Großväter kennen das Spiel von früher und bringen es dann ihren Enkeln bei“, erzählt Mieg. So würde das Spiel auch in Zeiten übermächtiger Medienwelten nach wie vor auch bei Kindern, Jugendlichen und Studenten ankommen. „Das ist eben etwas für Nostalgiker, wobei das Spiel für Anfänger den Vorteil hat, dass es einfach ist“, weiß Gies, relativiert jedoch, dass es sich in der meisterschaftsorientierten Szene durchaus um eine komplexe, ernst zu nehmende Sportart handele.

So ist auch der 1986 gegründete TKC Gevelsberg sportlich erfolgreich und kickt mit gleich drei Mannschaften in der Regionalliga-West. Hinzu kommt ein Jugend- und Anfängerteam, das in der Verbandsliga spielt. Die Kicker um Aushängeschild Manuela Winter, amtierende Deutsche Meisterin, sind jedoch nicht nur selbst aktiv, sondern haben sich auch in der Veranstalterszene einen Namen gemacht und wollen diesen in Kooperation mit Jochen Mieg und Zeitgewinn-Funktionär Andreas Koch weiter pflegen. So veranstaltet man am 4. und 5. Juni in der Realschul-Aula „Alte Geer“ das Finale um die Deutschen Mannschafts-Meisterschaften sowie die Pokal-Endrunde und erwartet dazu die besten deutschen Tipp-Kick-Spieler in Gevelsberg.

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