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Tour über Pilgerweg ist eine Erfahrung fürs Leben

„Der Tourist fordert, der Pilger dankt“: Logenmeister Dr. Trajan Gamber, Organisator Philip Militz und Hans Körner (von links) in der Kapelle von Haus Martfeld.

Foto: HB

„Der Tourist fordert, der Pilger dankt“: Logenmeister Dr. Trajan Gamber, Organisator Philip Militz und Hans Körner (von links) in der Kapelle von Haus Martfeld. Foto: HB

Schwelm.   „Leben ist Bewegung“ weiß Hans Körner seit seiner Pilgertour. Über seine Erfahrungen sprach er nun im Freimaurer-Salon in Schwelm.

Zu einer außergewöhnlichen Pilgerreise hatte die Freimaurer Loge „Zum Westfälischen Löwen“ in die Martfeld-Kapelle eingeladen. Anstelle eines Eintrittsgeldes wurde rege für den Erhalt der Martfeld-Kapelle gespendet.

Im Rahmen der bereits zehnjährigen Veranstaltungsreihe „Freimaurer-Salon“ begrüßten Logenmeister Dr. Trajan Gamber und Organisator Philip Militz den Vorsitzenden Meister der Pilgrim Lodge No. 238 (London, gegründet 1779) Hans Körner. „Leben ist Bewegung“ - und genauso vielseitig ist dieser Mann interessiert. Er sprudelt über von Aktivitäten, nachdem er 2017 (nach einem Jahr Verlängerung) in den Rentner-Status gewechselt ist. Jetzt nimmt er sich Zeit für Dinge, die bisher zu kurz kamen. So reifte in ihm der Gedanke, den Jakobsweg zu erleben.

Tourenrad mit acht Gängen

Dies sei der richtige Übergang vom Arbeitsleben in den „Un“-Ruhestand. Dabei stand für ihn, der sich als vollkommen unsportlich bezeichnet, gleich fest – zu Fuß und mit 12 kg Gepäck auf dem Rücken gehe gar nicht. Aber mit Fahrrad könnte man es mal versuchen. Von einer Freundin bekam er ein achtgängiges Tourenrad geschenkt, ging sicherheitshalber noch kurz ins Fitnesscenter und startete am 28. April 2017 zu einer 2.472 km langen Tour von Köln nach Santiago de Compostela. „Meine Inge hat gefragt, kann ich da mitkommen. Nein – ich mache das für mich alleine.“

Genauso hat er es auf der gesamten Reise gehalten, auf der er sehr viele Menschen getroffen habe, die ihm sehr viel gegeben haben, aber der, der „führt, soll ziehen“. Er gesteht „Man kann das alles gar nicht schildern, was ich erlebt habe“, und es stehe fest: „Der Weg macht etwas mit den Pilgern.“ Pro Kilometer könne er spielend eine Minute vortragen. Die Besucher in der rappelvollen Martfeld-Kapelle waren begeistert und genossen die insgesamt 1350 Fotos.

Seinen ersten Stempel im Pilgerpass holte er sich direkt am Kölner Dom und dann ging es über Aachen, durch Belgien, nach Frankreich und Spanien. Dabei hatte er in Frankreich einen Umweg über interessante Kathedralen eingeplant, um die Arbeiten der Steinmetze zu bewundern. Aus den Steinmetzbruderschaften der mittelalterlichen Dombaumeister sind schließlich die Freimaurer-Logen entstanden. So machte er unter anderem Halt in Amiens, Rouen, Chartres und besuchte das Weltkulturerbe Melle.

Überwiegend orientierte er sich an dem europäischen Radwanderweg RV3, der nur in Belgien perfekt ausgeschildert sei. Oft war er auf seine Handy-Software oder den klassischen Pilgerwanderführer angewiesen, die nicht immer dasselbe vorschlugen. Fahrrad-Pilger können nicht jeden Weg der Fuß-Pilger folgen, obwohl er auch insgesamt 65 km schieben musste. Die längste Schiebe-Strecke betrug allein 25 km bergauf. Aber: „Am Ende eines Tages ist alles wieder vergessen.“ und er stellt fest: „Der Tourist fordert, der Pilger dankt.“, wenn er satt sich zur Ruhe begeben kann.

Mit seinem Zelt war er unabhängig und konnte den „Schnarchsälen“ entfliehen.

Nach insgesamt 47 Tagen kam er am 13. Juni 2017 in Santiago de Compostela unbeschadet an und ein merkwürdiges Gefühl überfiel ihn „Was machst du morgen?“ - die Frage ist mittlerweile geklärt: Er veranstaltet private Stadtführungen, schreibt unter seinem Pseudonym Jo Hagen rheinische Geschichten und erwähnt so nebenbei, dass er seinen ersten Roman, in dem es um den Kölner Karneval gehe, morgen seinem Verleger vorstelle... Und selbstverständlich würde er weiter mit dem Fahrrad unterwegs sein. Das Auto wurde abgeschafft.

Nach seinem lebendigen Vortrag beantwortete er noch viele Fragen und fachsimpelte mit den Besuchern. Bei den beiden besten Freundinnen Sabine von der Lippe und Birgit Mönninghoff wurden eigene Erfahrungen wieder lebendig. Sie hatten letztes Jahr ebenfalls mit dem Jakobsweg begonnen und wollen ihn dieses Jahr fortsetzen. Die beiden 56-Jährigen schmunzeln: „Die Selbstfindungsphase haben wir lange hinter uns, wir haben eine neue Herausforderung gesucht. Mal etwas anderes als Strandurlaub.“ Die beiden strahlen, wenn sie über ihre weiteren Pläne berichten: „Der Camino gibt dir, was du brauchst.“

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