Unfall auf A1

Unfall auf A 1: Mit Tempo ins Stauende gerast

Den Einsatzkräften bietet sich am Unfallort eine schauerliche Szene: Fahrzeugtrümmer an der Mittelleitplanke zeugen von der Wucht des Aufpralls.

Den Einsatzkräften bietet sich am Unfallort eine schauerliche Szene: Fahrzeugtrümmer an der Mittelleitplanke zeugen von der Wucht des Aufpralls.

Foto: Alex Talash

Gevelsberg.   Auffahrunfall mit drei Pkw und 14 Insassen. Wie durch ein Wunder wird niemand ernsthaft verletzt

Und wieder ein schlimmer Verkehrsunfall auf der A 1. Ein mit sechs jungen Menschen besetzter Van fährt zwischen der Anschlussstelle Gevelsberg und der Raststätte Bruchmühle mit hoher Geschwindigkeit in ein Stauende und kollidiert mit zwei Fahrzeugen, in denen Eltern und Kinder sitzen. Wie durch ein Wunder kommen alle Insassen mit nur leichten Verletzungen davon.

Der Schock steht den Beteiligten ins Gesicht geschrieben, als die Feuerwehr Gevelsberg am Samstagnachmittag kurz vor halb vier den Unfallort in Fahrtrichtung Köln etwa in Höhe der Autobahnbrücke Asbecker Straße erreicht. Einsatzleiter Peter Dietrich spricht von einer chaotischen Szene, die sich den Rettungskräften bietet. Zwei total demolierte Pkw, die quer auf der Fahrbahn stehen, der umgestürzte Van, der seitlich auf dem Boden liegt, und überall Trümmerteile, die von der Wucht des Aufpralls zeugen. Als die Rettungskräfte eintreffen, warten die Insassen zusammen mit Ersthelfern und Unfallzeugen hinter der Leitplanke. Ihre Blicke verraten: Es grenzt an ein Wunder, dass alle noch leben und niemand ernsthaft verletzt wurde. „Ich kenne Bilder von anderen Stauunfällen. So, wie das hier lief, haben die unglaubliches Glück gehabt“, wird Einsatzleiter Peter Dietrich später sagen.

Streckenabschnitt gut einsehbar

Unklar ist, warum der Unfallverursacher das Stauende übersah. Der Unfallort liegt noch ein gutes Stück vor der Kuppe, hinter der erst die Raststätte Bruchmühle und dann die neue Baustelle kommt. Der Autobahnabschnitt ist hier gerade Strecke, die Sicht aufs Kommende eigentlich gut. Und doch übersieht der Fahrer, ein 20-Jähriger aus Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein, dass er mit seinem Fahrzeug, in dem fünf weitere junge Menschen sitzen, direkt auf ein Stauende zurast und dass das Fahrzeug vor ihm bremst

Als er das Bremsmanöver seines Vordermannes bemerkt, ist es zu spät. Mit hoher Geschwindigkeit, so wird es später im Polizeibericht stehen, prallt der Van erst auf das vor ihm fahrende Fahrzeug und schleudert es gegen die Mittelschutzplanke. Dann kommt es zu einem Zusammenstoß mit einem weiteren Pkw, in dem sich ebenfalls eine Familie befindet. Beide Familien haben Hunde mit an Bord.

Gegen 15.18 Uhr geht der erste Notruf bei der Rettungsleitstelle des Ennepe-Ruhr -Kreises ein. Die Rede ist von einem Unfall und von auslaufenden Betriebsmitteln. Droht gar ein Fahrzeugbrand? Der Rettungswagen und die Feuerwehr in Gevelsberg machen sich sofort auf den Weg.

Dann gehen weitere Notrufe in der Rettungszentrale im Schwelmer Kreishaus ein. Die Anrufer berichten von mehr als einem Verletzten, können aber keine genauen Angaben machen. Um 15.22 Uhr fahren zwei weitere Rettungswagen mit Notarzt raus, vier Minuten später noch ein zusätzlicher RTW.

Ein genaues Lagebild ergibt sich erst, als die Rettungskräfte aus Gevelsberg eintreffen. Schnell ist klar: Hier sind nicht zwei oder drei, hier sind 14 Insassen betroffen. Die Leitstelle ruft sofort den „Massenanfall von Verletzten“ aus – ein vorausgeplantes Rettungsszenario bei mehr als fünf Verletzten.

Der Rettungsdienst aus dem gesamten EN-Südkreis wird alarmiert. Dazu die Rettungskräfte des Deutschen Roten Kreuzes als angeschlossene Organisation. Insgesamt sieben Rettungswagen, zwei Krankenwagen und drei Notarzteinsatzfahrzeuge machen sich auf zur Autobahn. Wenige Minuten später treffen sie am Unfallort ein.

Auch die Rettungskräfte sprechen später von großem Glück, das die Unfallbeteiligten hatten. Die Erstuntersuchung der Notärzte ergibt: Niemand ist lebensgefährlich verletzt. Nur drei der Insassen haben Verletzungen, die besser schnell in einem Krankenhaus behandelt werden sollten. Darunter ein 11-jähriger Junge aus Lüneburg. Drei weitere Personen, darunter zwei Mädchen im Alter von anderthalb und drei Jahren, werden mit leichten Verletzungen vorsorglich in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Acht der 14 Insassen haben solch ein Riesen-Glück, dass ihnen nach dem Horror-Crash selbst der Weg ins Krankenhaus erspart bleibt.

Bei dem Unfall verletzt wird auch ein Hund, den eine Familie bei sich hat. Die Feuerwehr ruft einen Tierarzt herbei, der sich noch am Unfallort um den Vierbeiner kümmert.

Wegen des Unfalls musste die A 1 in Fahrtrichtung Köln für mehrere Stunden komplett gesperrt werden. Es bildete sich ein kilometerlanger Stau. Erst am Abend konnte zunächst eine Spur wieder geöffnet werden, bis Sonntagmorgen auch die anderen.

Lobende Worte fand Einsatzleiter Peter Dietrich von der Gevelsberger Feuerwehr später für die im Stau stehenden Fahrzeugführer. „Sie haben sich gut verhalten. Die Rettungsgasse war vorbildlich. Wir sind gut durchgekommen.“

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