Unfallstatistik

Unfallstatistik: Deshalb kracht im EN-Kreis am häufigsten

Polizeidirektor Frank Kujau, Landrat Olaf Schade, und Mario Klein, Leiter der Verkehrsdirektion, präsentieren die Statistik.

Polizeidirektor Frank Kujau, Landrat Olaf Schade, und Mario Klein, Leiter der Verkehrsdirektion, präsentieren die Statistik.

Foto: Stefan Scherer / Stefan Scherer / WP

Schwelm/Gevelsberg/Ennepetal.  Unfallstatistik für den Ennepe-Ruhr-Kreis: Smartphone, Navi, Musik – Ablenkung am Steuer ist eine der häufigsten Unfallursachen.

Nach all den schweren Themen der vergangenen Monate betrat Olaf Schade diesmal recht entspannt den kleinen Besprechungsraum im Schwelmer Kreishaus. Gute Nachrichten haben dieser Tage so etwas wie Seltenheitswert, und dass ausgerechnet die Unfallstatistik der Polizei dazu mutieren würde, damit hätte im Vorfeld wohl auch kaum jemand gerechnet. So kam es jedoch, dass Schade in seiner zweiten Funktion als Leiter der Kreispolizeibehörde verkündete: „Die Gefahr, im Ennepe-Ruhr-Kreis in einen Unfall verwickelt zu werden, ist weiterhin deutlich geringer als an den meisten anderen Stellen im Bundesland.“

Die Gesamtsituation

Der Blick auf das Zahlenwerk offenbart so etwas wie ein konstantes Grundrauschen auf einem niedrigen Niveau in allen Bereichen. Trotz leichter Erhöhung der Gesamtzahlen sind die Todesopfer und Verunglückten zurückgegangen – ebenso so die Anzahl der Unfälle mit Personenschäden. Es gibt weder ausgewiesene Unfallschwerpunkte, noch die eine Ursache oder Personengruppe, die besonders stark hervorsticht. „Das soll auch gern so bleiben und darf sich meinetwegen auch gern noch weiter beruhigen“, sagt Olaf Schade.

Die Toten

Im vergangenen Jahr starben nur drei Menschen im Ennepe-Ruhr-Kreis an den Verletzungen eines Verkehrsunfalls. „Das ist ein sehr niedriger Wert, den wir zuletzt im Jahr 2011 unterboten haben“, betont Mario Klein. Zur Einordnung, wie sehr sich die Überlebenschancen bei einem Verkehrsunfall zwischen Ennepe und Ruhr verbessert haben: 1969 starben 68 Menschen im Straßenverkehr, 1989 waren 15 und im Jahr 2009 noch acht.

Zunächst verunglückte am 19. April ein 18-jähriger Herner in Hattingen. Der Motorradfahrer flog wohl aufgrund von überhöhter Geschwindigkeit aus einer Kurve. Am 10. November kollidierte eine 53-jährige Radfahrerin ebenfalls in Hattingen mit einer 81-Jährigen, weil sie deren freilaufendem Hund ausgewichen war. Die Seniorin erlag ihren Verletzungen. Zuletzt verstarb eine 82-jährige in Sprockhövel, die ohne zu schauen die Straße überquerte. Ein 86-Jähriger kollidierte mit der Frau, die im Krankenhaus verstarb.

Die Gefahren

Vor allem anderen ist die größte Gefahr: Ablenkung. „Wir haben bei vielen Auffahrunfällen die Vermutung, dass sie mit dem Blick auf das Handy zusammenhängen“, sagt Mario Klein. Doch dies zu beweisen, sei oft sehr schwer. Die Dunkelziffer von Ablenkungen als Unfallursache liegt wohl dementsprechend hoch. „Dabei“, so betont der Leiter Verkehrsdirektion, „ist es schon längst nicht mehr so, dass sich die Ablenkung auf das Mobiltelefon reduziert. Heutzutage ist das ganze Auto eine einzige Ablenkung.“

Das Navi programmieren, mal eben durch die Musikbibliothek auf dem Display in der Mittelkonsole scrollen, das Durchblättern des Bordcomputers – während der Fahrt ist all das seit dem 19. Oktober 2017 verboten. Im schlimmsten Fall kostet ein Verstoß 200 Euro und zieht einen Monat Fahrverbot nach sich. „Das ist natürlich schwer zu kontrollieren, doch auch darauf legen wir in diesem Jahr einen Schwerpunkt“, sagt Polizeichef Frank Kujau.

Die Maßnahmen

Neben den zahlreichen Überwachungsmaßnahmen wie Geschwindigkeitsmessungen, ist es in erster Linie die Prävention, mit der die Polizei den Straßenverkehr in den neun EN-Städten sicherer machen will. Ein bedeutendes Element ist Crash Kurs NRW, ein Programm, das die 18- bis 24-Jährigen in den Fokus nimmt. Opfer, Hinterbliebene, Polizeibeamte, Feuerwehrleute und Notärzte berichten dort von ihren schockierenden Erlebnissen nach Unfällen. Dazu kommen von der Radfahrausbildung und der Puppenbühne bis zum Rollatorenkursus Programme und Aktionen, die jede Altersgruppe für die Gefahren im Verkehr sensibilisieren sollen.

Die Perspektiven

Wenn es nach Landrat Olaf Schade geht, ist die Lösung recht einfach: „Gegenseitige Rücksichtnahme und eine angepasste, aufmerksame Fahrweise sind die Schlüssel für ein gutes und sicheres Miteinander im Straßenverkehr“, sagt der Leiter der EN-Polizei. Für Mario Klein ist mehr Aufmerksamkeit ein Schlüssel zu mehr Sicherheit: „Die Ablenkung ist ein Riesenproblem, dem wir mit Macht begegnen müssen.“ Ebenso müsse die Polizei sich auf die stetig steigende Zahl von Senioren auf den Straßen einstellen.

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