Restless Legs Sydrom

Unruhige Beine: Diese Krankheit ist nicht zum Schmunzeln

Ein buntes Programm lockt heute zur Seniorenmesse. Die Selbsthilfegruppen der KISS in Gevelsberg – wie hier diejenige zum Thema Osteoporose – geben einen Einblick in ihre Arbeit vor Ort.

Foto: Jacqueline Stork

Ein buntes Programm lockt heute zur Seniorenmesse. Die Selbsthilfegruppen der KISS in Gevelsberg – wie hier diejenige zum Thema Osteoporose – geben einen Einblick in ihre Arbeit vor Ort. Foto: Jacqueline Stork

Gevelsberg.   Worüber andere Schmunzeln, ist für Karin Sell eine Qual: Das „Restless Legs Sydrom“ ist mit eingeschlafenen Füßen vergleichbar, nur schlimmer.

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Wenn Karin Sell heute auf der Seniorenmesse in der Gevelsberger Innenstadt über die Arbeit ihrer Selbsthilfegruppe informiert, dann wird sie so manches Schmunzeln für ihre Krankheit ernten. Dran hat sie sich gewöhnt. „Unruhige Beine“, das soll ein schweres Leiden sein? Für die 70-Jährige ist es eine Qual, die sie von ihrer Mutter geerbt hat.

Nicht zur Ruhe kommen

Die Beschwerden kommen bei den Betroffenen erst dann, wenn sie zur Ruhe kommen. „Es ist“, beschreibt Karin Sell die Symptome, „wie bei eingeschlafenen Beinen, nur wesentlich intensiver.“ Zucken, Ziehen, Reißen oder Stechen in den Beinen, aber manchmal auch in den Armen. Wenn die Beschwerden auftreten, dann muss der Patient aufstehen und so lange Schritte machen, bis es besser geht, die Beschwerden ein wenig nachlassen.

Der Schlaf wird geraubt

Das mag zum Beispiel am Abend vor dem Fernseher noch einigermaßen in den Griff zu bekommen sein. Wenn einem nachts der Schlaf geraubt wird, erhält die Krankheit noch eine weitaus schlimmere Dimension. Der fehlende Schlaf macht sich auch bemerkbar, wenn die Glieder einen in Ruhe lassen.

Die „unruhigen Beine“ oder das „Restless Legs Sydrom“, wie es in der Mediziner-Sprache heißt, können vererbt werden. Aber auch eine Schilddrüsen- oder Nierenerkrankung kann sie auslösen.

Erste Leiden nach der Schwangerschaft

Bei Karin Sell ruhte die Krankheit im Körper, bis die erste Schwangerschaft kam. Nach zwei schweren Operationen traten die Symptome noch weiter verstärkt auf. „Heute“, sagt Sell, „geht die Medizin davon aus, dass bestimmt Anästhesie-Mittel der Auslöser dafür sind.“ Erst ein Vertreter ihres Hausarztes hat die eingetretenen Beschwerden richtig eingeordnet und die Frau zum Neurologen geschickt: „Ich konnte froh sein, dass der sich mit dem Restless Legs Syndrom bereits auskannte.“ Einer Krankheit, unter der immerhin jeder zehnte Mensch in der Bundesrepublik leidet. Auch ihre Schwester hat sie vererbt bekommen: „Allerdings nicht in einer solch ausgeprägten Form wie ich“, sagt die Hagenerin.

Vererbte Form ohne Heilungschance

Bei der vererbten Form der Krankheit gibt es keine Heilungschance. Man kann – wie Karin Sell – die Auswirkungen nur mit Medikamenten unterdrücken. Dafür ist aber das Einnehmen von immer stärkeren Mitteln notwendig: „Inzwischen ist es ein Opiat.“ Die Arzneimittel, die Karin Sell einnimmt, werden auch bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit verschrieben. Die Dosierung über Pflaster hat die 70-Jährige von ihrer Haut her nicht vertragen.

Selbsthilfegruppe wichtig

Für Karin Sell ist der Austausch mit anderen in einer Selbsthilfegruppe wichtig. Es gehe darum, mit der Krankheit besser leben zu lernen. Die erste Selbsthilfegruppe für ihre Leidensgenossen hat die engagierte Hagenerin bereits im Jahr 2004 in ihrer Heimatstadt gegründet. 2009 kam eine weitere Gruppe in Gevelsberg dazu, wo Karin Sell insgesamt 17 Jahre lang als Amtsleiterin der Evangelischen Gemeinde gearbeitet hat, bevor ihre Krankheit sie dazu gezwungen hat, diesen Arbeitsplatz aufzugeben. Die Treffen der Selbsthilfegruppe finden jeden vierten Donnerstag im Monat, in der Zeit von 15 bis 17 Uhr, in der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe KISS EN-Süd, Kölner Straße 25, in Gevelsberg statt.

Welt-Restless-Legs-Tag

Wenn Karin Sell heute auf der Seniorenmesse in Gevelsberg die Öffentlichkeit über ihre Krankheit informiert, dann will sie auch die Erkenntnis vermitteln, dass „unruhige Beine“ alles andere als ein Grund zum Schmunzeln sind. Übrigens: Am 23. September ist der Welt-Restless-Legs-Tag.

Mehr Informationen über die Arbeit der Selbsthilfegruppe bei Susanne Auferkorte, Selbsthilfe-Koordinatorin von der KISS, Telefon 0 23 32 / 66 40 28, E-Mail: Susanne.Auferkorte@en-kreis.de. Karin Sell ist über die E-Mail-Adresse ktobies@gmx.de zu erreichen. Internet: http://www.restless-legs.org/

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