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Urteil: Kein Supermarkt in den alten Gevelsberger Praktiker

Nachdem das Oberverwaltungsgericht in Münster eine Berufung abgelehnt hat, stehen nun die rechtlichen Bedingungen für neue Nutzer der Praktiker-Brache fest. Geht nun möglicherweise alles ganz schnell?

Foto: Carmen Thomaschewski

Nachdem das Oberverwaltungsgericht in Münster eine Berufung abgelehnt hat, stehen nun die rechtlichen Bedingungen für neue Nutzer der Praktiker-Brache fest. Geht nun möglicherweise alles ganz schnell? Foto: Carmen Thomaschewski

Gevelsberg.   Das Oberverwaltungsgericht Münster lässt Berufung nicht zu. Eigentümer und Stadt arbeiten an einer Neunutzung der Praktikerbrache.

Trotz des eindeutigen Sieges vor dem Oberverwaltungsgericht bricht Bürgermeister Claus Jacobi mit Blick auf die Praktikerbrache an der Drehbank nicht in Triumph-Gesänge aus. Im Gegenteil will er den Blick nach vorn richten und nun mit den Eigentümern intensiv daran arbeiten, dass dort bald neue Mieter einziehen. Nach Informationen dieser Zeitung soll es bereits ernsthafte Interessenten geben. Fest steht nun allerdings: Ein Vollsortimenter wird hier nicht einziehen.

Schutz der Innenstadt

Die Geschichte, unter die nun das Oberverwaltungsgericht einen endgültigen Strich zog, begann vor mehr als zweieinhalb Jahren. Damals beantragten die Eigentümer einen Bauvorbescheid für einen Lebensmittelvollsortimenter, der das leer stehende Gebäude beziehen wollte. Weil bald durchsickerte, dass dies Kaufland war, und sich die Befürchtung im Rathaus breit machte, so einen Leerstand im Center am Vendômer Platz zu bekommen, wurden Politik und Verwaltung tätig. Grund: „Wenn man einen Bauvorbescheid erteilt, lässt sich daraus ein Rechtsanspruch ableiten“, sagt der zuständige Fachbereichsleiter Björn Remer, und Claus Jacobi ergänzt: „Der Schutz der Innenstadt vor einer solchen Sogwirkung stand für uns über allem anderen.“ Gegen die Stimmen der Oppositionsparteien belegte die Stadt das Areal mit der Veränderungssperre.

Dagegen klagten die Eigentümer, das Verwaltungsgericht in Arnsberg gab der Stadt Gevelsberg Recht. Mit der nun erfolgten Entscheidung in zweiter Instanz, keine Berufung gegen das Arnsberger Urteil zuzulassen, ist diese Sache erledigt. Aus Sicht der Verwaltung ist alles zum Vorteil der Stadt Gevelsberg gelaufen.

Vollsortimenter zahlen am meisten

Denn: Während der Hängepartie hat Kaufland sich zur Innenstadt bekannt, und mittlerweile steht fest, dass das Center aufwändig renoviert und komplett umgestaltet werden wird. „Diese Investition würde am Vendômer Platz sicherlich nicht getätigt werden, wenn wir nicht konsequent bei unserer Haltung geblieben wären, auf die Veränderungssperre zu beharren“, sagt das Gevelsberger Stadtoberhaupt.

Warum die Eigentümer unbedingt an einen Vollsortimenter vermieten wollten, liegt auf der Hand: Edeka, Rewe und Co. zahlen das Doppelte bis Dreifache an Mietzins wie beispielsweise ein Baumarkt. Ein solcher steht auch auf der Liste der Sortimente, die nach der Erstellung des Bebauungsplans und der Überarbeitung des Einzelhandelskonzepts auf der Fläche an der Drehbank noch erlaubt sind. „Da hat sich nun einiges geändert, weil einige Sparten in Bezug auf ihre Zentrenrelevanz neu bewertet worden sind, aber im Wesentlichen sind dies die gleichen Sortimente wie bislang: Möbel, Betten, Fahrräder, Zoohandlung, Tierfutter, Bau- und Heimwerkermärkte“, sagt Björn Remer, der sich aktuell in Gesprächen mit den Eigentümern befindet.

Stets in Dialog geblieben

„Auch während des Prozesses sind wir stets in einem guten Dialog geblieben“, betont Claus Jacobi. Direkt nach dem Urteil habe Björn Remer den Kontakt gesucht. „Wir haben den Prozess sportlich gesehen. Die Eigentümer haben andere Interessen gehabt als wir“, sagt Claus Jacobi. Um so zufriedener sei er, dass nun für alle Seiten Klarheit herrsche, um gemeinsam an einer Belebung der Brachfläche zu arbeiten, deren rechtlicher Rahmen unmissverständlich definiert sei.

Nach Informationen dieser Zeitung gibt es seit geraumer Zeit Interessenten, die das Gebäude gern nutzen möchten. Nun – wo klar ist, dass kein Vollsortimenter Vorfahrt genießt – können die Verhandlungen mit ihnen geführt werden.

Jetzt könnte es schnell gehen

Es ist also durchaus möglich, dass die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts auch dafür sorgt, dass die Brache nach vielen Jahren nun recht zügig wieder mit Leben gefüllt wird. Die Gevelsberger würde das freuen.

INFOBOX

Der Praktiker-Baumarkt hat im Jahr 2013 geschlossen und seitdem herrscht in diesem Bereich ein Vakuum in der Stadt Gevelsberg.

Die BBE Handelsberatung hat im Zuge der Aktualisierung des Einzelhandelskonzepts festgestellt, dass die Gevelsberger vor allem in den Bereichen B aumarkt, Garten, Lampen und Leuchten auswärts kaufen.

Allein dadurch würden jährlich elf Millionen Euro Kaufkraft abfließen. Die Gutachter nennen den Obi-Baumarkt in Schwelm als neue erste Adresse für die oben angeführten Sortimente für die Gevelsberger.

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