Fridays-for-Future

VER: Ennepetals Grüne für Super-Ticket zum Klimastreik

„Die Tarifhoheit abgetreten“: Am 20. September werden wohl keine Linienbusse zu Sonderkonditionen fahren.

„Die Tarifhoheit abgetreten“: Am 20. September werden wohl keine Linienbusse zu Sonderkonditionen fahren.

Foto: Max Kölsch

Ennepetal.  Um klimafreundlicher teilnehmen zu können: Zum Klimastreik-Aufruf am kommenden Freitag kommt ein Vorschlag von Ennepetals Grünen.

Seit Monaten versammeln sich Kinder und Jugendliche immer freitags, um ihren Forderungen nach einer besseren Zukunft und für mehr Klimaschutz Ausdruck zu verleihen. Für den 20. September ruft die Fridays-for-Future-Bewegung nun auch Erwachsene zum Mitmachen auf. Denn: An diesem Tag wird die Bundesregierung in Berlin über die nächsten Schritte ihrer Klimapolitik entscheiden. Um möglichst klimafreundlich zu den Demonstrationen in der Umgebung anreisen zu können, kommt nun ein Vorschlag von Bündnis 90/Die Grünen aus Ennepetal: Alle Fahrten mit der VER sollen an diesem Freitag insgesamt nur einen symbolischen Euro kosten. An eines haben sie dabei nicht gedacht...

Offener Brief an die VER

Über den Weg eines Offenen Brief hat sich die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen mit ihrem Vorschlag an die Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr gewandt. Darin heißt es: „Der Streikaufruf von Fridays-for-Future wird von zahlreichen Verbänden, Vereinen, Gewerkschaften, Parteien usw. in der Form unterstützt, dass sie ausdrücklich zur Teilnahme an Veranstaltungen aufrufen. Auch aus unserer Region werden Menschen an Aktionen der Fridays-for-Future-Bewegung zum Beispiel in Witten, Wuppertal, Hagen, Bochum oder Dortmund teilnehmen.“

Die Grünen betonen, wie wichtig sie es finden, „dass mit einer großen Zahl von Teilnehmerinnen und Teilnehmern aller Altersgruppen (nicht nur Schülerinnen und Schüler) am 20. September ein starkes Signal für konsequenten Klimaschutz gesetzt wird.“ Die Fraktion verweist auch noch einmal darauf hin, dass auch in der heimischen Region Kreise, Städte und Gemeinden Beschlüsse zum Klimanotstand oder Ähnliches gefasst haben. „Das heißt, auch unsere Kommunen sehen die dringende Handlungsnotwendigkeit vor Ort“, erklärte die Fraktion.

Die Rolle der Vekehrsgesellschaft

Dann kommen die Grünen auf die Rolle der VER an besagtem Freitag zu sprechen: „Der ÖPNV ist das klimafreundliche Verkehrsmittel der Wahl für Menschen, um zu dieser Veranstaltung zu kommen. Darüber hinaus ist der ÖPNV im Verkehrssektor das entscheidende Instrument zur Erreichung der Klimaziele. Dazu müssen die Regierungen massiv Finanzmittel für den ÖPNV zur Verfügung stellen, damit ausgebaut und in ein noch attraktiveres und leistungsfähigeres Angebot investiert werden kann. Vor diesem Hintergrund fänden wir es ein starkes Signal, wenn die VER am 20. September zum Klimastreik sein ÖPNV-Angebot in der Region für einen Tag, zum Beispiel für einen symbolischen Betrag von 1 Euro für ein Tagesticket, öffnet.“

Dies würde nicht nur den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Klimastreik-Aktion eine klimafreundliche Anreise ermöglichen, sondern auch die Bedeutung des öffentlichen Verkehrs zur Erreichung der Klimaschutzziele hervorheben. „Sicher nicht nur wir würden es sehr begrüßen, wenn Sie ein solches Signal setzen würden“, endet der Offene Brief an die VER.

Mit großem Interesse gelesen

Bei der Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr wurde der Brief mit großem Interesse gelesen. „Ich habe selber eine 17 Jahre alte Tochter, die bei Fridays-for-Future mitmacht“, erklärte VER-Geschäftsführer Peter Bökenkötter. Er stehe der Sache aufgeschlossen gegenüber. Und wie die Grünen halte auch er den Öffentlichen Personennahverkehr für einen der elementaren Faktoren zur Erlangung der Klimaziele und für mehr Klimaschutz, erklärte Peter Bökenkötter.

Den Vorschlag der Grünen werte er persönlich zwar positiv. Doch darüber habe die VER nicht zu befinden, selbst wenn sie es wollte. „Hier geht es um eine tarifpolitische Entscheidung und da hat die VER die Tarifhoheit an den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr abgetreten. Wir können darüber nicht entscheiden“, erklärte Peter Bökenkötter. Wenn man den Tarif ausnahmsweise für einen Tag ändern wollte, müsste das über den VRR laufen.

Kein Alleingang im Verbund

Der VER-Geschäftsführer nannte ein Beispiel, warum ein Alleingang innerhalb des VRR-System nicht funktioniere: „Wir haben hier Verbundtickets. Wenn jemand von Schwelm mit dem Bus nach Wuppertal fährt, gehört der Ticketanteil für die Strecke auf Wuppertaler Gebiet den Stadtwerken Wuppertal.“ Diesen zu sagen, es gibt nichts, weil das Tagesticket bei der VER nur einen Euro gekostet hat, ginge nicht.

Wenn man einen Tagesrabatt für den Freitag, 20. September, wolle, dann gebe es nur einen Weg: Ihn beim VRR zu beantragen. Nur der könne entscheiden.

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