Prozess

Verkehrsunfälle in Schwelm in Rambo-Manier

Juristisch war ein absichtliches Verhalten nicht nachzuweisen. Das Gericht verurteilte den jungen Schwelmer dennoch: wegen der groben

Foto: Volker Hartmann

Juristisch war ein absichtliches Verhalten nicht nachzuweisen. Das Gericht verurteilte den jungen Schwelmer dennoch: wegen der groben Foto: Volker Hartmann

Schwelm.   Absichtlich sagen Betroffene und Zeugen. Ein Fahrfehler behauptet der Beschuldigte. Das Gericht befasste sich mit zwei Ramm-Unfällen.

Ein Mann rammte mit seinem VW in Schwelm die Autos von zwei Frauen. Aus Wut? Vor dem Schwelmer Amtsgericht beteuerte der 25-Jährige, dass es keine Absicht war.

Sehr glaubwürdig klang das nicht angesichts der beiden Vorkommnisse. Zweimal fuhr der Schwelmer Frauen in ihre Autos. Den ersten Zusammenstoß gab es am 18. August in der Schwelmer Gartenstraße. Eine Taxifahrerin wollte einen anderen Autofahrer zurücksetzen lassen, der zuvor falsch herum in die Einbahnstraße gefahren war. Hinter ihr war der Angeklagte mit seinem VW Golf. Und der Mann war sehr wütend. Zeugen sagten aus, dass der 25-Jährige wild gestikulierte und schimpfte. Als sich das Taxi wieder in Bewegung setzte, trat er plötzlich aufs Gas und raste über den rechten Bürgersteig, zog wieder nach links und rammte das Taxi.

Der zweite Vorfall ereignete sich gut zwei Monate später am 29. Oktober. Wieder war es die Gartenstraße, diesmal an der Einmündung zur Bismarckstraße. Dort ließ der Angeklagte die Fahrerin zunächst passieren, obwohl er Vorfahrt hatte. Dann soll er jedoch losgefahren und ihr mutwillig ins Heck gerast sein.

Über Bürgersteig gefahren

Der junge Schwelmer gab zu, in die Wagen gefahren zu sein, aber nicht aus Absicht, wie die Anklage ihm unterstellte. „Ich bin depressiv, weil ich nicht arbeiten kann. Ich bin schuldig, aber ich wollte der Frau nichts antun. Es war keine Absicht“, weinte er, als er sich zu dem ersten Vorfall äußerte. Und sein Verteidiger ergänzte, dass der Mandant nicht auf der Straße weiterfahren konnte, die ja durch die beiden anderen Autos blockiert gewesen sei. Danach sei er wieder nach links eingeschert, weil auf dem Bürgersteig ein Auto parkte. So habe er das Taxi dann „erwischt“, weil es nicht mehr passte. „Ich wollte sie nur überholen, um schnell wegzukommen“, bekräftigte der Angeklagte. Auch beim zweiten Fall sei alles ein dummer Fahrfehler gewesen: „Ich wollte nur abbiegen. Als die Frau vorbeifuhr, trat ich die Bremse, aber nicht die Kupplung und das Auto hoppelte vorwärts.“

Zeugen waren allerdings davon überzeugt, dass der Mann die Unfälle provoziert hatte. Die Taxifahrerin (53) sagte aus: „Mir kam das so vor, als ob er mich absichtlich gerammt hat. Er war sehr aggressiv!“ Ein Nachbar, der gerade seinen Müll herausbrachte, war immer noch schockiert: „Er hat richtig Gas gegeben und ist dann über den Bürgersteig. Der wollte sie tuschieren!“ Und die zweite Geschädigte war überzeugt: „Der fuhr mir ja quasi hinterher und dann knallte es!“ Bloß dass alle überzeugt waren, dass die Unfälle absichtlich vom Angeklagten herbeigeführt wurden, reichte nicht. Rein juristisch betrachtet war es schwer, dem jungen Mann nachzuweisen, dass er sein Auto absichtlich eingesetzt hat, um Schaden anzurichten. Und so kam er mit einer Geldstrafe davon, die allerdings mit 200 Tagessätzen zu je 15 Euro hoch ausfiel.

„Die Fahrt über den Bürgersteig war grob verkehrswidrig und rücksichtslos. Im zweiten Fall sprechen wir den Angeklagten frei. Es kann nicht nachgewiesen werden, ob er nicht doch von der Kupplung gerutscht ist. Aber es handelt sich um eine Entscheidung im Zweifel für den Angeklagten. Wir sehen durchaus die Möglichkeit, dass es sich um eine Schutzbehauptung handeln könnte“, lautete das richterliche Fazit.

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