Bethel-Haus

Viele Fragen zum „Haus an der Kirche“ in Ennepetal

Auf dem Gelände der ehemaligen Möbelfabrik Ide in Voerde baut Bethel Regional das Haus für Menschen mit seelischen Behinderungen.

Auf dem Gelände der ehemaligen Möbelfabrik Ide in Voerde baut Bethel Regional das Haus für Menschen mit seelischen Behinderungen.

Foto: Andreas Gruber

Ennepetal.  Das „Haus an der Kirche“ für Menschen mit seelischen Behinderungen, das Bethel Regional in Ennepetal-Voerde baut, stößt weiter auf Bedenken.

Das „Haus an der Kirche“, das Bethel Regional etwas abseits des „Zönchens“ in Voerde, auf dem Gelände der ehemaligen Möbelfabrik Ide bauen wird, stößt weiterhin auf einige Bedenken. Das wurde deutlich in der öffentlichen Versammlung des Begleitgremiums, das den Bau des noch umstrittenen Wohnhauses für Menschen mit psychischen und seelischen Erkrankungen so transparent wie möglich machen will.

In der von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern besuchten Versammlung am Mittwochabend im Evangelischen Gemeindezentrum an der Johanneskirche waren die Verhandlungskünste von Katrin Johanna Kügler, stellvertretende Fachbereichsleiterin im EN-Kreis und zuständig für Gesundheit und Sozialplanung und unabhängig vom Bauherrn Bethel, gefragt. Sie leitete die Versammlung und gab allen die Gelegenheit, ihre Meinungen und Fragen vorzutragen. Da waren die besorgten Mütter, die das Schlimmste für ihre Kinder befürchten und da waren auch die Menschen, die unbesorgt von guter Nachbarschaft sprachen. Alle kamen zu Wort, und wer in der Öffentlichkeit nicht sprechen wollte, der konnte seine Fragen und Meinung aufschreiben und in eine Urne werfen.

Angst vor Übergriffen auf Kinder

Schon 61 Fragen zum Projekt wurden von Bethel-Verantwortlichen schriftlich beantwortet. So sei die geschlossene Unterbringung im Haus nur möglich, wenn die Betroffenen sich selbst gefährden. „Werden auch bereits straffällige Bewohner aufgenommen? Um welche Straftaten handelt es sich?“, sind immer wieder gestellte Fragen. Die Antwort von Bethel: „Bei Aufnahmeanfragen prüfen wir, ob bereits Straftaten vorgefallen sind. Falls ja, stellt sich die Frage, wie schwerwiegend die Straftaten waren und ob mit einer Wiederholung zu rechnen ist oder nicht. Ist anhand von Berichten oder Gutachten davon auszugehen, dass es zu keiner Wiederholung kommt und sind die Delikte keine schweren Straftaten, kann eine Aufnahme trotz einer eventuellen Vorstrafe erfolgen.“

In der Versammlung wies eine Mutter daraufhin, dass man immer wieder in den Medien lese, dass ein Gutachten sich geirrt habe. Bethel stellte auch klar, dass keine Sexualstraftäter aufgenommen werden. Auf die Frage nach Tötungsdelikten in Wohneinrichtungen von Bethel heißt es: „In unseren Einrichtungen der Sozialpsychiatrie im Ruhrgebiet hat es in den vergangenen zehn Jahren kein Tötungsdelikt gegeben.“ Menschen, von denen bekannt sei, dass von ihnen eine ernsthafte Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht, hätten in der Regel einen anderen Unterstützungsbedarf und gehörten nicht zu der Zielgruppe der Menschen, die im Haus an der Kirche begleitet werden, teilte Bethel mit.

Die von Müttern befürchteten körperlichen Übergriffe auf Kinder waren erneut ein Thema. Die Antwort der Fachleute: „Von Übergriffen auf Kinder ist nicht auszugehen. Aggression in Wahnzuständen findet als Abwehr von vermeintlichen Bedrohungen statt. Kinder stellen keine Bedrohung dar, weil sie auch im Wahn als Kinder und nicht als Bedrohung wahrgenommen werden.“

Volker Rauleff, der Chef der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Ennepetal sowie Mitglied des Begleitgremiums, sagte: „Wir müssen hier den Menschen die Angst nehmen. Den Weg müssen wir gemeinsam gehen.“ Mark Weigand, Mitglied der Bethel-Geschäftsführung entließ die Besucherinnen und Besucher mit den Worten: „Bleiben Sie mit uns im Gespräch.“

Nächstes Treffen im Oktober

Aufgenommen werden im Haus an der Kirche Personen mit Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis; Menschen mit chronifizierten, affektiven Erkrankungen, insbesondere Depressionen; Personen mit schweren Persönlichkeits und Verhaltensstörungen; Personen der oben genannten Gruppen in Komorbidität (Begleiterkrankung) mit einer chronifizierten Abhängigkeitserkrankung und Personen mit Angsterkrankungen. Laut Plan soll das Haus im Oktober/November 2020 fertig gestellt sein.

Das nächste Treffen des Begleitgremiums findet im Oktober statt. Dann soll auch Dr. Jörg Kalthoff, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes in der Kreisverwaltung, Fragen beantworten.

Wenn das „Haus an der Kirche“ fertig gestellt ist – oder vielleicht auch schon im Frühling – könnte ein Grillfest steigen. Katrin Johanna Kügler stellte dies in Aussicht.

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