Jahresgabe

Von Leben, Leid und Trotz der Schwelmer

Präsentieren die Ausgabe: (von links): Alexandra Oehle, Günther Roland, Heinz Erwin Zethmeyer, Dr. Guido Korff, Jörn Peter Schröder, Michael Treimar und Christiane Sartor.

Foto: Laura Dicke

Präsentieren die Ausgabe: (von links): Alexandra Oehle, Günther Roland, Heinz Erwin Zethmeyer, Dr. Guido Korff, Jörn Peter Schröder, Michael Treimar und Christiane Sartor. Foto: Laura Dicke

Schwelm.   Das 65. Heft der „Beiträge zur Heimatkunde der Stadt Schwelm und ihrer Umgebung“ ist ab sofort erhältlich.

Eigentlich war eine schmale Ausgabe geplant für das 65. Heft der „Beiträge zur Heimatkunde der Stadt Schwelm und ihrer Umgebung“. Zur Freude aller Historiker und Freunde der Schwelmer Stadtgeschichte ist die Jahresgabe für das Jahr 2016 jedoch ein bisschen länger geworden als erwartet. Auf 152 Seiten stellt der Verein für Heimatkunde, unter dem Herausgeber Dr. Guido Korff, einen weiteren Band mit stadtgeschichtlichen Themen vor. In fünf faktengetreuen Berichten, untermauert von bemerkenswerten Bildern und Dokumenten, können sich die Leser auf eine Reise durch die Geschichte begeben.

Bericht über Martha Kronenberg

Drei der fünf Aufsätze handeln von Leben, Leid und Trotz der Schwelmer Bürger während und nach der Zeit des Nationalsozialismus. Der Bericht von Marc Albano-Müller nimmt den Großteil des Heftes ein. Ergänzend mit zahlreichen Fotos stellt er das mutige und höchst couragierte Handeln der Schwelmerin Martha Kronenberg dar und erzählt aus der Sicht einer Katholikin vom Leid der Juden.

Die christlich erzogene Tochter des niederländischen Bäckermeisters Johannes Kroonenbergh konnte dem an jüdischen Mitbürgern verübten Unrecht und Leid nicht tatenlos zusehen und half, wo sie nur konnte. Heimlich versorgte sie jüdische Mitbürger mit Brot und Lebensnotwendigem und das, immer unter der ständigen Gefahr entdeckt zu werden. Marc Albano-Müller gelang es einen äußerst wertvollen Beitrag zu schreiben, der an das Leben der verfolgten, vertriebenen und getöteten Juden erinnert. „Ohne Vorbehalte und moralischen Zeigefinger schildert Marc Albano-Müller sachlich neutral, doch dabei sehr gefühlvoll und emotional die Geschichte der Martha Kronenberg“, erklärte Dr. Guido Korff.

Eine der Quellen, die Marc Albano-Müller nutze, war ein Interview von Marion Kollbach aus dem Jahre 1989, welches sie mit Martha Kronenberg und Erna Speier-Cohn führte. Marion Kollbach, auch gebürtige Schwelmerin arbeitet heute als Journalistin in Hamburg und ihre Vorfahren wurden ebenfalls Opfer des Holocausts.

Werdegang von Ruth Herz Raska

In dem zweiten Bericht widmet sich Ursula Schnorbus dem Werdegang von Ruth Herz Raska, der Tochter des bekannten jüdischen Arztes Dr. Kurz Herz. Ruth Herz Raska studierte wie ihr Vater Medizin, durfte jedoch wegen ihrer jüdischen Herkunft in Nazideutschland weder promovieren, noch einer bezahlten Tätigkeit als Ärztin nachgehen. Sie zog in die Schweiz und 1938 von da aus in die USA. Das Schicksal der Schwelmer Familie Herz, besonders von Dr. Kurt Herz, nahm Klaus Peter Schmitz im dritten Beitrag unter die Lupe. Er trug Fakten über die Inhaftierung, Vertreibung und Entschädigungsansprüche des bekannten jüdischen Arztes und Sanitätsrats aus den 1930er und 1940er Jahren zusammen.

Naturschützer Michael Treimer widmet sich in seinem Beitrag dem Hier und Jetzt in Schwelm und findet eindringliche Worte zum Thema Mensch, Natur und Zukunft. „Wir alle müssen uns klar werden, wie das Klima und die Natur sich verändern“, erklärte Michael Treimer. In seiner Ausarbeitung erläutert er die Veränderungen unserer heimischen Natur und deren Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen und Klima.

Neue historische Erkenntnisse

Heinz Erwin Zethmeyer geht in seinem Beitrag zurück in die Geschichte. Vielen Schwelmern ist der nach dem Stadtbrand von 1722 entstandene Stadtplan bekannt, neu sind die Informationen über Landvermesser Isaac Ricoeur und Kartograf Johann Michael Moser. „Die Kopie der sogenannten Brandkarte von 1807 wurde 1972 zufällig im Schwelmer Gymnasium in einer Schreibtischschublade gefunden“, so Heinz Zethmeyer.

Auf den letzten Seiten stellt Anne Peter, Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde den Geschäftsbericht 2016 vor. Für alle Schwelmer Historiker und Interessierten heißt es nun: Fleißig lesen.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik