Politik

Vor dem ersten Spatenstich kommen in Gevelsberg Zweifel

Schön ist er nicht: Der Bolzplatz Langenrode soll im kommenden Jahr ausgebaut werden und den Jugendlichen im Stadtteil bereits im Sommer für Aktivitäten zur Verfügung stehen.

Foto: Klaus Bröking

Schön ist er nicht: Der Bolzplatz Langenrode soll im kommenden Jahr ausgebaut werden und den Jugendlichen im Stadtteil bereits im Sommer für Aktivitäten zur Verfügung stehen. Foto: Klaus Bröking

Gevelsberg.   Noch ist der Bolzplatz Langenrode im Gevelsberger Stadtteil Berge in den Planungen, aber es gibt in den Ausschüssen eine Menge Bauchschmerzen.

Noch ist der erste Spatenstich nicht getan und schon gibt es Zweifel an dem Sinn. „Da ist eine große Chance vertan worden. Die Stadt hätte mutiger sein und etwas Größeres für Berge auf die Beine stellen können“, kritisierte Pfarrer Thomas Weber im Jugendhilfeausschuss die Pläne, den Bolzplatz Langenrode mit 230 000 Euro attraktiv zu machen.

Für den Vertreter der Evangelischen Kirche gehört ein Angebot für Jugendliche mitten ins Herz des Stadtteils, zum Beispiel dort, wo der Pendlerparkplatz an der S-Bahn sei. Der alte Bolzplatz Langenrode sei „ein dunkles Loch“. Da sei vor 40 Jahren ein Bolzplatz entstanden: „Ich weiß gar nicht, ob es da überhaupt noch Kinder gibt. Ich befürchte eher nicht.“

Ältere Bürger protestieren

Der zuständige Fachbereichsleiter Michael Pfleging versuchte, die Hintergründe darzulegen. Die älteren Einwohner in Berge hätten bei Befragungen und Begehungen deutlich gemacht, dass für sie neue Einrichtungen für Kinder, „nicht an exponierten Plätzen“ gehören. Ja, der Bolzplatz Langenrode liege am Rande, aber man müsse den Kindern und Jugendlichen auch die Chance geben, einmal lauter zu sein, „ohne dass sich sofort die Fenster öffnen.“ Jugendliche bräuchten auch „Raum, um unter sich zu sein“.

Stefan Biederbick, Sozialdemokrat und stellvertretender Bürgermeister, erläuterte, dass die Landeszuschüsse in Höhe von 161 000 Euro zweckgebunden sind. Die zusätzlichen Gelder aus Düsseldorf oder Berlin seien eben nicht frei verfügbar. Auch er, so Biederbick, sei wie Pastor Thomas Werner der Meinung: „Kinder gehören in die Mitte.“ Aber auch er habe, wie Michael Pfleging, die Stimmen der Bürger gehört: Bloß nicht hier. „Ich habe gedacht: Das sind nicht meine Berger“, distanzierte sich Biederbick deutlich von dieser Ansicht. Ein Konflikt zwischen den jüngeren und ältereren Menschen in Berge nutze aber keiner der Parteien.

Investition in eine Gesamtstruktur

An Thomas Weber gewandt meinte der stellvertretende Bürgermeister: „Natürlich investieren wir viel Geld, das wir vielleicht anders verwenden könnten.“ Es sei aber alles nur ein Anfang: „In den nächsten zehn bis 15 Jahren wird einiges in Berge passieren, da bin ich mir sicher.“ Auch Klaus Bärenfänger, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, wies darauf hin, dass die Investition „in eine Gesamtstruktur“ eingebettet sei.

Pastor Thomas Weber nannte es „wenigstens ehrlich“, dass Fachbereichsleiter Michael Pfleging deutlich gemacht habe, dass bei der Entscheidung für die Renovierung des Bolzplatzes und gegen ein Angebot im Ortskern den Forderungen einiger Bürger nachgegeben wurde.

Auch Thema Vandalismus diskutiert

Die „Umgestaltung des Bolzplatzes Langenrode“ wurde auch im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Wirtschaftsförderung beraten. Dort ging es aber eher um das Thema Vandalismus. Hans-Günther Adrian, Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten, befürchtete, dass der vom Ingenieurbüro Vennegeerts vorgeschlagene Kunststoffboden für das Sportangebot schnell durch Fahrrad- oder Motorradfahrer zerstört werden könnte. „Können sie mir diese Angst davor nehmen?“ fragte der CDU-Politiker die Verwaltung.

Es gebe eine „sehr geringe soziale Kontrolle“. Natürlich könne man auf Kunststoff besser als auf Asche spielen, aber der Spaß sei nach einem Lagerfeuer oder einem Burn-Out mit schweren Motorrädern schnell vorbei. Natürlich könne man Vandalismus grundsätzlich nie und nirgendwo ausschließen, antworte ihm der zuständige Fachbereichsleiter Björn Remer. Er hoffe aber, dass die Jugendlichen den Platz annehmen und auch auf ihn achten werden. Wieland Rahn von der CDU drängte vor allen Dingen darauf, dass der Bolzplatz kein „uneinsichtiges Loch“ bleiben dürfe. In dieser Beziehung konnte ihn Remer allerdings beruhigen. Es seien von den Planern umfangreiche Rodungsarbeiten vorgesehen.

Der neue Bolzplatz soll bereits im kommenden Sommer von den Kindern und Jugendlichen in Besitz genommen werden können.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik