Leo-Theater

Leo-Theater fragt: „Wie werde ich nervige Freunde los?“

Marc Neumeister, Alina Alfter, Jens Hajek, Stefanie Bornhöft und André Bornhöft (von links) bekommen donnernden Applaus nach der gelungenen Premiere des „Abschiedsdinners, das noch einige Wochen im Leo-Theater zu sehen sein wird.

Marc Neumeister, Alina Alfter, Jens Hajek, Stefanie Bornhöft und André Bornhöft (von links) bekommen donnernden Applaus nach der gelungenen Premiere des „Abschiedsdinners, das noch einige Wochen im Leo-Theater zu sehen sein wird.

Foto: HB

Gevelsberg.   „Abschiedsdinner“ eröffnet die neue Spielzeit des Leo-Theaters im Ibach-Haus. Prominenter Regisseur Jens Hajek.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Vorhang auf für die zweite Saison in Schwelm: Das Leo-Theater im Ibach-Haus startete mit der grandiosen Premiere „Das Abschiedsdinner“ in die neue Theaterspielzeit. Hierzu hatten sich die Leo-Chefs den Schauspieler und Regisseur Jens Hajek eingeladen, der die anspruchsvolle Thematik gekonnt in Szene setzte.

Nach „Herrenabend“ und „Single“ war dies seine dritte Regiearbeit mit dem Team. Dabei wurde er unterstützt von der Gevelsbergerin Alina Alfter. Sie schwärmte: „Es war eine intensive Probezeit. Ich habe sehr viele neue Einblicke gewonnen.“

Regiepause für Marc Neumeister

Das Publikum war vom Ensemble restlos begeistert und von der Regiearbeit beeindruckt. Hajek, der aktuell für die RTL-Soap „Unter uns“ als Bösewicht und Bauunternehmer Benedikt Huber vor der Kamera steht, saß entspannt im Publikum: „Ich schaue den Dreien wirklich sehr gern zu“, sagt er und ergänzt: „Wenn ich ins Theater gehe, möchte ich nicht eineinhalb Stunden Leuten beim Streiten zusehen, sondern eine Geschichte erzählt bekommen.“

Eindrucksvoll demonstriert der Vollblut-Schauspieler spontan im Gespräch, wie unterschiedlich die selben Sätze wirken können. Einmal bleibt der Satz leer im Raume stehen und verpufft, ein anderes Mal fordert er sein fiktives Gegenüber und den Zuschauer eindringlich auf, ihm zu folgen und zu reagieren. Es berührt. Diese Kunst haben die Drei fantastisch umgesetzt und das Publikum gefangen genommen.

Stefanie Bornhöft, André Bornhöft, und Marc Neumeister bildeten ein eingespieltes Team und füllten ihre Rollen perfekt aus. Der Künstlerische Leiter Marc Neumeister, der zumeist im Leo die Regie führt: „Nicht selbst zu inszenieren, erfordert sehr viel Disziplin. Wir haben einen unterschiedlichen Humor.“ Dies verschaffe ihm andererseits viel Freiraum für andere Projekte, die demnächst im Leo zu sehen sind. Als Hajek ihn auf das Stück aufmerksam gemacht habe, hätte für ihn sofort festgestanden, das dieser gleich die Regie übernehmen solle. Es wäre eine fantastische Zusammenarbeit gewesen, hörte man unabhängig von jedem Beteiligten.

Inhaltsschweres Thema

Dabei hatten sie sich kein leichtes Stück ausgesucht. Das Autorengespann Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière beschäftigt sich tiefsinnig mit der VZF, der verfügbaren Zeit für Freunde und wie man diese optimieren kann. Sie gehen der Frage nach: „Was macht man mit Freunden, die einfach nur noch lästig sind?“ und entwickeln die Idee des Abschiedsdinners, um sich von nervenden Freunden zu trennen.

Das Ehepaar Clotilde und Pierre lädt den nichts ahnenden Antoine zu einem Dinner ein, um ihre 25-jährige Freundschaft stillschweigend zu beenden. André Bornhöft brilliert in einem großartigen Monolog. Aber bekanntlich kommt alles ganz anders als geplant. Antoine kommt den beiden auf die Schliche und grätscht ihnen in der zweiten Halbzeit in den Plan. Es ist keine „Tür-auf-Tür-zu“-Komödie, bei der man bedenkenlos lachen kann. Hier wird Inhalt transportiert und die Pointen bauen sich langsam auf, das Stück wächst.

Profis unter den Zuschauern

Im ersten Teil wird der Zuschauer in die Thematik eingeführt und nachdenklich in die Pause entlassen. Im Foyer wurde an den Tischen diskutiert, ob man nicht auch selbst für seinen Freundeskreis Handlungsbedarf sehe und ein Abschiedsdinner vielleicht eine gute Idee sei. Einig waren sich die Premierengäste auf jeden Fall an dieser Stelle: „Es reißt einen mit.“ Im zweiten Teil geht es nach einem Rollentausch, einem Seitenwechsel richtig rasant weiter und es darf bedenkenlos gelacht werden. Der Schluss hält zudem eine gelungene Überraschung parat. Vieles wird nicht direkt auf der Bühne ausgesprochen, die Figuren sind nicht gefärbt.

Einig war sich das Publikum abschließend beim Premieren-Buffet: Das ist kein Abschiedsdinner vom Leo-Theater. Man komme wieder. Die Berufsschauspielerin Carolin Freund, die selbst lange Zeit in Aachen die Clotilde gespielt hatte, fachsimpelte mit Stefanie Bornhöft. „Es ist faszinierend, dies von außen zu sehen – wie sie sich die Rollen herangezogen haben. Sie spielen alle so persönlich, so direkt. Und das in dieser kurzen Probenzeit, wir hatten mehr Zeit.“ Der Fußballfan Jens Hajek fasste abschließend zusammen: „Taktik befolgt – haushoch gewonnen.“

INFOBOX

Die Besetzung: Clotilde – Stefanie Bornhöft, Pierre – André Bornhöft, Antoine – Marc Neumeister. Regie: Jens Hajek, Co-Regie: Alina Alfter.

Termine: Freitag, 31. August, 20 Uhr; Freitag, 14. September, 20 Uhr; Freitag, 5.Oktober, 20 Uhr; Samstag, 6. Oktober, 20 Uhr; Donnerstag, 18. Oktober, 20 Uhr.

Tickets: www.leo-theater.ruhr; tickets@leo-theater.ruhr; 02336/47 02 440; Sparkasse Schwelm, Mo. - Do.: 8.45 - 18 Uhr; Fr.: 8.45 - 14.30 Uhr.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben