Wolf

Wolf könnte jederzeit auch Ennepe-Ruhr-Kreis erreichen

Ein Wolf durchstreift einen Wald. Im benachbarten Märkischen Kreis hat das LANUV im Sommer eine Sichtung bestätigt.

Ein Wolf durchstreift einen Wald. Im benachbarten Märkischen Kreis hat das LANUV im Sommer eine Sichtung bestätigt.

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Ennepe-Ruhr.  Die Leiterin der Biologischen Station hält es für möglich, dass der Wolf bald auch in den Ennepe-Ruhr-Kreis kommt. Sie mahnt zur Besonnenheit.

Das Thema Wolf beschäftigt die Menschen Land auf Land ab – im Sommer hatte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) einen Nachweis im benachbarten Märkischen Kreis bestätigt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Wolf in absehbarer Zeit auch seinen Weg nach Schwelm, Gevelsberg oder Ennepetal findet. Dr. Britta Kunz, Leiterin der Biologischen Station im Ennepe-Ruhr-Kreis, hält das sogar für durchaus realistisch. Sie mahnt in der Diskussion um die Raubtiere allerdings zur Besonnenheit.

„Am 5. Juli 2019 konnte von einem Beobachter in der Nähe der Gemeinde Kierspe ein Video und Fotos von einem vorbeilaufenden Wolf erstellt werden. Der Aufnahmestandort wurde durch einen Wolfsberater verifiziert“, lässt sich auf der Internetseite des LANUV nachlesen. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Wolf auch hier auftaucht“, sagt Britta Kunz dazu. „Die wandern große Strecken, zum Teil viele 100 oder auch 1000 Kilometer.“ Ob der Wolf sich hier niederlasse, sei eine ganz andere Frage.

Grundlegend müsse eine Wolfssichtung erst durch einen Experten bestätigt werden, erklärt Kunz. „Da müssen dann Fotoaufnahmen gesichtet werden.“ Wenn ein Tier gerissen worden sei und der Verdacht bestehe, dass ein Wolf dahinter stecke, würden vor Ort Proben genommen. „Wolfsberater nehmen dann Abstriche und anhand von Speichelproben wird genetisch getestet, ob es sich um einen Wolfsriss handelt“, so Kunz. „Wenn der Riss nachweislich durch einen Wolf verursacht wird, können Nutztierhalter sich vom Land NRW entschädigen lassen.“ Auch für Fehlgeburten, die bei Nutztieren möglicherweise durch den vom Wolf verursachten Stress entstehen, gebe es Entschädigung.

Verleih von Schutzsets

Es gibt aber auch Schutz-Möglichkeiten. „Bei einer Sichtung können Nutztierhalter in der Region sich beispielsweise Zäune leihen“, sagt Britta Kunz. Das Land NRW und der NABU Landesverband NRW verleihen unentgeltlich Herdenschutzsets mit Elektrozaun, Weidezaungerät und Fotofalle. Auch bei Biologischen Stationen sei es möglich, sich Zäune zu leihen, so Kunz. Allerdings nicht bei der im Ennepe-Ruhr-Kreis. „Wenn ein Tier sich dauerhaft niedergelassen hat, kann ein Wolfsgebiet ausgewiesen werden“, erklärt die Leiterin weiter. „Dann können Nutztierhalter auch Fördermittel vom Land für Zäune und Herdenschutzhunde bekommen.“

Ihr sei klar, dass der Wolf für Nutztierhalter Stress und Arbeit bedeute, gibt Britta Kunz zu. „Da besteht ein Konflikt, ich glaube aber nicht, dass der unlösbar ist“, sagt sie und betont: „Ich finde es wichtig, dass die Diskussion versachlicht wird.“ Die Gefahr werde häufig völlig irrational überbewertet. „Der Wolf hat ein schlechtes Image“, weiß Kunz. Sie spielt auf die Angst vor Attacken auf Menschen an. „Seitdem wieder Wölfe in Deutschland angesiedelt sind, hat es keinen Übergriff auf Menschen gegeben“, sagt sie. Bei Nutztierrissen gebe es außerdem mehr Zwischenfälle mit Hunden als mit Wölfen. „Es fordert ja auch keiner, dass wir Hunde abschießen“, sagt sie.

Aufklärungsarbeit leisten

Kunz hält es grundlegend für wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten. Dabei würde sich die Biologische Station einbringen. Auch das LANUV gibt auf seiner Internetseite zum Beispiel Tipps für Spaziergängerinnen und Spaziergänger: Nicht versuchen, Wölfe anzufassen oder zu füttern. Nicht weglaufen, sondern stehen bleiben. Langsam zurückziehen, wenn man den Abstand vergrößern will. Auch ist zu erfahren, dass man einen Wolf vertreiben kann, indem man ihn laut anspricht, in die Hände klatscht und mit den Armen winkt.

„Wölfe haben einen strengen Schutz, man ist gezwungen sich mit ihnen zu arrangieren“, sagt Dr. Britta Kunz.

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