Jubiläum

100 Jahre Allbau: Zahl an Sozialwohnungen soll steigen

Allbau-Chef Dirk Miklikowski vor den „Cranachhöfen“ in Holsterhausen. 54 Millionen Euro hat der Allbau dort investiert. Entstanden sind 71 Wohnungen, Büros, Ladenlokale

Allbau-Chef Dirk Miklikowski vor den „Cranachhöfen“ in Holsterhausen. 54 Millionen Euro hat der Allbau dort investiert. Entstanden sind 71 Wohnungen, Büros, Ladenlokale

Foto: Svenja Hanusch

Essen.  100 Jahre Allbau: Die Wohnungsgesellschaft will mit der Zeit gehen und ihre Tradition pflegen. Der Anteil an Sozialwohnungen soll steigen.

Sie bestanden aus drei bis fünf Zimmer, verfügten über elektrisches Licht, über ein Badezimmer, eine Speisekammer und einen Besenschrank. Für Kohlen und Gemüse gab es Platz im Keller. Die ersten Neubauten, die der Allbau 1921 an der Klarastraße in Rüttenscheid errichtete, boten nicht den Standard, den man heute gehoben nennen würde. Aber verglichen mit den Verhältnissen, in denen seinerzeit viele Menschen mehr hausten als wohnten, war die Ausstattung komfortabel zu nennen.

Die Häuser an der Klarastraße gehören noch heute zum Wohnungsbestand des Allbau. Zwei Jahre zuvor war der Allgemeine Bauverein Essen AG gegründet worden. Nun feiert die Wohnungsgesellschaft ihr 100-jähriges Bestehen.

Die Gründerväter des Allbau wollten sozialverträglichen Wohnraum schaffen

Die Gründerväter des Allbau, Oberbürgermeister Hans Luther, der Stadtplaner Robert Schmidt und Architekten um Josef Rings, hatten sich zum Ziel gesetzt, Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten zu schaffen, als sie die Wohnungsbaugesellschaft am 17. April 1919 aus der Taufe hoben. Essen war in den Jahrzehnten zuvor rasant gewachsen – von rund 51.000 Einwohnern 1871 auf 439.000 im Jahr 1919. Wohnungen waren knapp, viele Menschen lebten unter beengten Verhältnissen. Der Preußische Staat förderte schon 1918 die Gründung gemeinnütziger Wohnungsbaugesellschaften. Die junge Weimarer Republik schrieb das Recht auf eine „gesunde Wohnung“ sogar in der Verfassung fest.

Heute ist die städtische Wohnungsgesellschaft mit rund 18.000 Mietwohnungen die Nummer eins unter den Wohnungsunternehmen in Essen. Eine Rundfahrt durch die Stadt führt zwangsläufig an Allbau-Gebäuden vorbei. Es ist auch ein Streifzug durch die jüngere Architekturgeschichte. Die erste Allbau-Siedlung „Feldhaushof“ in Huttrop entstand 1919 bis 1922 im Stil einer Gartenstadt.

Viele Allbau-Häuser wurden in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hochgezogen, als fast die Hälfte des gesamten Wohnungsbestandes in Trümmern lag. Schnell und zweckmäßig wurde seinerzeit gebaut. Die Anmutung der Häuser wirkt heute noch oft uniform. In den 1970er Jahren baute auch der Allbau in die Höhe, so im Isinger Feld. Sozialer Wohnungsbau stand damals für eine wachsende Stadt. Heute scheuen Stadt und Investoren das Wort Sozialwohnung.

Mehr noch als damals versteht sich der Allbau als Akteur, ja als Motor der Stadtentwicklung. „Wir gehen an Standorte, an die sich Investoren nicht trauen“, sagt Geschäftsführer Dirk Miklikowski. Beispielsweise nach Altendorf an den heutigen Niederfeldsee oder ins Universitätsviertel, wo der Allbau sich traute zu bauen, als andere noch zögerten – um sich später um die freien Grundstücke zu reißen.

Auch im eigenen Interesse sei man „Problemlöser“. Miklikowskis Credo lautet: „Wir müssen uns so unentbehrlich für die Stadt machen, dass niemand auch nur auf die Idee kommt, den Allbau zu privatisieren.“ Ende der 1990er Jahre war dies der Fall. Mieter gingen auf die Barrikaden. Heute dürfte noch so mancher politische Entscheidungsträger, der damals schon im Rat saß, drei Kreuze schlagen, dass es nicht zum Verkauf gekommen ist.

Der Allbau hat sich für die Stadtentwicklung unverzichtbar gemacht

Der Allbau hat sich längst unverzichtbar gemacht. In nicht allzu ferner Zukunft könnte er das im Eltingviertel unter Beweis stellen, wo die Stadt auf der Fläche des heutigen Bahndamms eine Wohnbebauung plant.

Der eigenen Tradition verpflichtet will der Allbau Wohnraum für Mieter anbieten, die deutlich weniger im Portemonnaie haben als der Durchschnittsverdiener. Laut Miklikowski soll der Anteil an öffentlich gefördertem Wohnraum deshalb steigen:von derzeit 21 Prozent auf 28 Prozent im Jahr 2028.

Die Leerstandsquote liegt heute bei gerade einmal 1,3 Prozent, was de facto eine Vollvermietung bedeutet. Kohlenkeller gibt es nicht mehr, Badezimmer sind längst Standard. Mittlerweile hält die Digitalisierung Einzug. „Smart Homes“ soll es auch zur Miete geben“, kündigt Miklikowski an. Eine Mieter-App gibt es schon. Beim 100 Jahre alten Allbau hat die Zukunft längst begonnen.

>>>DIE ALLBAUSTIFTUNG

  • 25 Jahre alt ist die Allbau-Stiftung Kunst und Kultur. Seit 1994 wurden bislang rund 700 Projekte gefördert. Das Spektrum reicht von Theater, Tanz über Literatur, Musik bis zur bildenden Kunst.
  • Die Stiftung hat dafür nach Angaben des Allbau bislang mehr als 1,7 Millionen Euro aufgewandt.

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