Krankheit

31-Jähriger kämpft gegen den Krebs und um sein Augenlicht

Kämpft gegen den Krebs und um sein Augenlicht: Der Student Rostislav Davidov aus Sofia, der in Essen behandelt wird.  hat eine Berg- und Talfahrt durchgemacht – und nie seine Zuversicht verloren.

Kämpft gegen den Krebs und um sein Augenlicht: Der Student Rostislav Davidov aus Sofia, der in Essen behandelt wird. hat eine Berg- und Talfahrt durchgemacht – und nie seine Zuversicht verloren.

Foto: Stefan Arend

Essen.   Der krebskranke Rostislav Davidov (31) erlebt, wie sich seine Sehfähigkeit weiter verschlechtert. Doch er ringt weiter um sein Augenlicht.

Ob er Pläne mache? Aber ja, sagt Rostislav Davidov. „Ich weiß halt nur nie, ob ich sie umsetzen kann.“ Seit nunmehr anderthalb Jahren ist der Student (31) aus Bulgarien zu einer komplizierten Krebsbehandlung in Essen. Kämpft um sein Augenlicht, um eine Zukunft. Viele Leser haben geholfen, dass er diesen Kampf bezahlen kann.

Als wir ihn im Mai 2017 vorstellten, stand gerade eine Operation bevor. Rostislav Davidov hat ein Retinoblastom, das entfernt werden sollte. Das ist ein bösartiger Tumor in der Netzhaut, der tödlich sein kann, wenn er zu spät entdeckt wird. Rostislavs Mutter hatte als Kind beide Augen durch den Tumor verloren, ihm selber wurde als Junge das rechte Auge entfernt. Er weiß, dass die Behandlungsmöglichkeiten in seiner Heimat weit hinter denen in Deutschland zurückbleiben: Im Jahr 2005 starb sein gerade zweijähriger Bruder an einem Retinoblastom.

Riskiko zu groß: OP wurde im letzten Moment abgesagt

Also setzte er all seine Hoffnungen auf den Eingriff in Essen: Der Tumor sollte weg, sein Sehvermögen gerettet werden. Doch die Operation musste im letzten Moment abgesagt werden. „Ich war so enttäuscht, aber die Ärzte erklärten mir, dass das Risiko zu groß sei.“ Das Auge hätte unwiederbringlich beschädigt werden können.

Seither besteht sein Leben aus schlechten Nachrichten, kleinen Lichtblicken und bangem Warten. „Am schwierigsten ist es immer, wenn ich auf das Ergebnis einer Untersuchung warte. Da werde ich nervös und ängstlich“, sagt er. Inzwischen kenne er seine Onkologin so gut, dass er die Diagnose schon an ihrer Begrüßung ablesen könne: „Wenn sie wortlos vor mir herläuft, gibt es ein Problem.“

An Problemen hat es nicht gemangelt seit Mai 2017: In seinem Körper wurden Metastasen entdeckt, es gab unklare Befunde und schlimme Schmerzen. Er hat mehrere Chemotherapien und eine Bestrahlung hinter sich, die den Tumor schrumpfen ließen und seine Sehfähigkeit verbesserten. Nach Ende der Therapien wuchs der Tumor jedoch wieder, sein Sichtfeld verkleinerte sich.

Mobilitätstrainer bereitet auf mögliche Erblindung vor

„Im Sommer bemerkten wir, dass Herr Davidov nicht gut orientiert war, sich unsicherer bewegte, da haben wir einen Mobilitätstrainer engagiert“, sagt Lara Krieger von der Elterninitiative zur Unterstützung krebskranker Kinder. Damit er sich im Haus und im Straßenverkehr auch noch orientieren kann, wenn er erblinden sollte. Der Verein, der sich sonst um Kinder kümmert, fühlt sich für Rostislav verantwortlich: Dessen Vater starb 2011, seine Mutter in diesem Jahr. „Vielleicht war die Sorge zu viel für sie“, vermutet ihr Sohn.

Er selbst hat eine bemerkenswerte Zuversicht, trauert weder seiner Unikarriere noch dem Job als Stadtführer in Sofia hinterher – sondern arbeitet daran, beides fortzusetzen. Dabei war er zuletzt nur wenige Monate im Jahr in seiner Heimatstadt Sofia. Er hat zwei Master- und einen Doktortitel und einen Professor, der an ihn glaubt: Im Januar soll er ein Blockseminar an seiner Uni leiten. Er hofft, dass das er diesen Plan umsetzen kann.

Aufenthalt im Haus der Elterninitiative

Am Samstag fliegt er nach Sofia, eine Woche später will er dort als Touristen-Guide arbeiten. Nach langer Zeit sieht er auch seine drei Schwestern wieder und wird ihnen nicht sicher sagen könne, wie es mit seiner Behandlung weitergeht: Die Therapie pausiert erstmal, sein Körper soll sich erholen.

Wann immer er zur weiteren Behandlung nach Essen zurückkehrt, darf er wieder im Haus der Elterninitiative wohnen. Das tue ihm gut, obwohl dort so viele Familien mit dem Krebs ihrer Kinder ringen. „Aber hier gibt es Leben, Gespräche.“ Hier unterhält er sich mit den netten Tunesiern, hier hört er kroatische Lieder, die eine Mutter für ihr Baby singt. „Wir reden miteinander, nur nicht über meine Metastasen. Ich will den Eltern ja keine Angst machen.“

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