Bergbaugeschichte

Als der Bergbau in Steele boomte - Zechen im Essener Osten

Die Zeche Johann Deimelsberg in Essen-Steele, rechts oben ist die St.-Marien-Kirche im Steeler Rott erkennbar.

Die Zeche Johann Deimelsberg in Essen-Steele, rechts oben ist die St.-Marien-Kirche im Steeler Rott erkennbar.

Foto: Foto / Archiv

Essener Osten.  Bergbau im Essener Osten: Ausstellung dokumentiert die Historie der Zechen, den Alltag der Kumpel, die Gefahren und manches Unglück unter Tage.

Es war heiß, eng, Maschinen dröhnten, während Tageslicht fehlte und schwarzer Staub auf der feuchten Haut klebte: Unter Tage sorgten die Verlässlichkeit eines jedes einzelnen und der Zusammenhalt aller dafür, dass die Kumpel sicher wieder über Tage kamen – und dass der Bergbau auch im Essener Osten boomte. Eine geplante Ausstellung wirft den Blick zurück auf den Arbeitsalltag der Bergleute und die Geschichte der Zechen.

„Erwähnt wurde der Bergbau etwa in Steele bereits 1581“, hat Ortshistoriker Klaus Geiser (82) zu den Anfängen im Stadtteil notiert. Zeigen kann der Horster die bereits fertige Ausstellung zum „Bergbau in Steele“ zwar wegen der Corona-Krise vorerst nicht, aber er kann das tun, was ihm seit vielen Jahren am Herzen liegt: von der Historie vor der Haustür zu berichten. Dabei hat er nicht nur mit dem Steeler Archiv, zu dem er selbst gehört, zusammengearbeitet, sondern auch Unterstützung und Informationen von seinen Kollegen aus dem Heimatgeschichtskreis Eiberg erhalten.

Betriebsgebäude steht noch an der Westfalenstraße

Zu der Geschichte des Steeler Bergbaus gehört das einstige Zentrum des Stollenbergbaus, der Kohlberg. „Längs der heutigen Westfalenstraße soll ab 1749 oder sogar schon früher im Deimelsberger Stollen geschürft worden sein“, berichtet Klaus Geiser. Dem Zusammenschluss mehrerer Betriebe zum Deimelsberger Erbstollen folgte der erste Schacht, der 1853 abgeteuft (senkrecht in der Erde errichtet) wurde.

Geblieben ist heute noch ein ehemaliges Betriebsgebäude der Zeche, ein Ziegelbruchsteinhaus an der Westfalenstraße, wo damals eine Förderbahn die Kohle Richtung Ruhr transportierte. Wie gefährlich dieser Transport schon durch das Gefälle gewesen ist, verdeutlicht ein Unglück im Jahr 1862. Sieben Kumpel missachteten das Verbot, auf dem Fördergefäß mitzufahren und bezahlten das mit ihrem Leben.

Anschlussbahn von der Zeche bis zum Bahnhof Steele

Als es schließlich 1870 vorbei war mit der Schifffahrt auf der Ruhr, wurde eine gut einen Kilometer lange Anschlussbahn von der Zeche bis zum Bahnhof Steele gebaut (damals Steele-Ost). Es folgten neue Schächte wie „Deimelsberg II“ am Laurentiusweg und Konsolidationen wie die mit der Zeche Johann an der Steeler Straße zur Großzeche „Vereinigte Johann Deimelsberg“ und schließlich die Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg.

Das Zechensterben traf die eigenständige Stadt Steele, die „Vereinigten Johann Deimelsberg“ und „Eintracht Tiefbau“ in Freisenbruch hart: „Mehr als 3000 Bergleute wurden arbeitslos oder zogen fort“, hat Klaus Geiser recherchiert. Und Neugründungen in den Folgejahren wie in Horst mit der Zeche Wohlverwahrt hätten nicht lange gehalten.

Eigentümerwechsel und Rechtsstreit in Horst

Schicht im Schacht hieß es in Horst 1962, wo das Betriebsgebäude erhalten ist. Es zeugt von der wechselvollen Geschichte, die Klaus Geiser bis 1782 zurück verfolgt hat. Die Stollenzeche habe 1836 über ein Kohlemagazin an der Ruhr verfügt. Bis zu 8000 Tonnen wurden in dem Betrieb gefördert, bis die Steinkohlenvorräte über der Stollensohle 1853 erschöpft waren.

Es folgten Eigentümerwechsel von der Bochumer Familie Heintzmann zum ehemaligen Betriebsführer August Köhne und dessen erfolglose Versuche, einen Schacht abzuteufen, die wegen starker Wasserzuflüsse erfolglos blieben. Ein Rechtsstreit mit dem Karbidfabrikanten Wilhelm Vogelsang führte schließlich dazu, dass dieser nach der Horster Mühle 1910 auch das Bergwerk übernahm.

Entdeckt wurde in Eiberg bereits 1852 ein mächtiger Kohleflöz

Vogelsang nutzte seine Abbaurechte ab 1938, startete die Förderung ein Jahr später mit 104 Beschäftigten und steigerte diese mit mehr als doppelt so vielen Mitarbeitern bis zu knapp 70.000 Tonnen. Bis 1962 fuhren die Kumpel hier ein, dann wurde die Anlage stillgelegt.

In Eiberg erfolgte das Ende sechs Jahre später, Schächte mit bis zu rund 560 Metern Tiefe wurden verfüllt, die Tagesanlage abgerissen. „Entdeckt wurde in Eiberg bereits 1852 ein mächtiger Kohleflöz in der Wiese von Bauer Siepmann im Tal der Schirnbecke“, berichtet Klaus Geiser auf seinen Schautafeln. Das Ergebnis war die Gründung der Zeche Jacob im gleichen Jahr, 1871 folgte der Zechenbahnanschluss.

Neuer Name lautete „Gewerkschaft des Steinkohlebergwerks Eiberg.

Eingestellt wurde der Betrieb dann 1879 „bedingt durch das Absaufen der Grubenbaue wegen defekter Wasserhaltungsmaschinen“. Weiter ging es dann dank einer Ersteigerung nur drei Jahre später mit neuem Namen: „Gewerkschaft des Steinkohlebergwerks Eiberg.“ Die Konsolidation der benachbarten Grubenfelder Jacob, Fridolin, Der Freibeuter, Mecklingsbank ins Westen und Viktoria ergab schließlich das Grubenfeld Eiberg mit knapp vier Quadratkilometern Gesamtgröße.

Nach dem Verkauf der Zeche Eiberg 1904 an die Hertener Gewerkschaft Ewald wuchsen Sorgen um den Fortbestand, richteten die Bürger Petitionen an die Regierung, lösten Debatten in Berlin aus – verhinderten die Stilllegung 1914 nicht. Nach Eigentümer- und Pächterwechsel („die Geschichte der Zechen in Eiberg, Überruhr und Burgaltendorf ist verwoben“) erwarb die Zeche Heinrich in Überruhr 1925 das Grubenfeld Eiberg.

Unglück im Jahr 1953 brachte acht Bergleuten den Tod

Schacht Jacob wurde ab 1951 wieder hergerichtet, die Arbeiten dafür bedeuteten 1953 für acht Bergleute jedoch den Tod. Auch an diese Katastrophe erinnern heute die Berichte in den Archiven vor Ort, die Bücher zur Bergbaugeschichte und die Ehrenamtlichen, die die Historie in ihrem Stadtteil pflegen, da in Vierteln wie etwa Eiberg auf dem ehemaligen Zechengelände längst Wohnraum entstanden ist.

als in eiberg die steinkohle regierte

Kleinzechen, Zechenpferde und Kumpelzitat

In seiner Bergbauausstellung blickt Klaus Geiser auch auf die Geschichte der Mariannebahn, eine 1854 erbaute und 6,2 Kilometer lange Pferdebahn mit Lokomotivspur zur Kohlenbeförderung auch durch Eibereg und Horst.

Geschildert wird zudem die Historie von Kleinzechen wie Hinderfeld, die der gleichnamige Bauer 1950 zunächst als Stollen im Waldstück entdeckte. Bis 1960 wurden erst Antrazith- dann Fettkohle gefördert. Verbunden war der Hof Hinderfeld aber auch früher schon mit dem Bergbau, befand sich doch am Haus am Walde schon im 19. Jahrhundert ein Stall für Zechenpferde, lauten die Informationen von Gregor Heinrichs vom Heimatgeschichtskreis Eiberg dazu.

Weitere Infotafeln der Schau zeigen Urkunden, Lohnabrechnungen, Geländekarten, Waschkauen oder auch die Lampenstube, „wo auch die CO-Selbstretter für den Untertage-Betrieb gelagert und gewartet wurden“, lautet die Erklärung dazu.

Und es gibt ein Zitat aus einem Interview mit einem Kumpel, der seine Arbeit einst folgend beschrieb: „Mit ist das schon komisch gewesen, wenn ich sonntags angefahren bin und es war 16 Uhr und dann hast du gedacht, meine Güte, die anderen sitzen schön bei einer Tasse Kaffee da oben, und du rennst hier wie so’n Doofen in tausend Metern Tiefe durchs Niemandsland.“

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