Maler-Einkauf Rhein-Ruhr

Als die Essener Maler vor 100 Jahren zu Genossen wurden

Ein Lkw des Maler-Einkauf Essen vor dem Hotel Vereinsheim. Dort beschlossen 1919 mehrere Malermeister, eine Einkaufsgenossenschaft zu gründen.

Ein Lkw des Maler-Einkauf Essen vor dem Hotel Vereinsheim. Dort beschlossen 1919 mehrere Malermeister, eine Einkaufsgenossenschaft zu gründen.

Foto: Maler-Einkauf Rhein-Ruhr

1919 gründeten 57 Essener Malermeister eine Einkaufsgenossenschaft. Heute gehört die Maler-Einkauf Rhein-Ruhr zu den wenigen, die überlebt haben.

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Essen. Tapete mit Blümchen, Streifen oder Kringeln war gestern. „Oder kennen Sie jemanden, der damit noch Meter in seiner Wohnung macht?“, sagt Frank-A. Kühnel, Vorstand der Essener Genossenschaft Maler-Einkauf Rhein-Ruhr, mehr feststellend denn fragend. Auch die glorreichen Zeiten der Raufasertapeten ist in deutschen Wohnzimmern vorbei. Heute zählt Minimalismus: glatte Wände, Farbe, fertig. Vielleicht noch ein bisschen Schmucktapete.

Die Trends gehen an der Maler-Einkauf Rhein-Ruhr natürlich nicht vorbei. Schließlich muss sie den rund 6000 Malerbetrieben der Region, die bei ihr regelmäßig ihr Material einkaufen, immer auch das Neueste anbieten. Eines hat sich in der 100-jährigen Geschichte der Genossenschaft dabei aber nicht geändert: Die Maler erwarten gute Auswahl, gute Qualität und gute Preise.

Das war schließlich der Grund, warum sich im November 1919 32 Malermeister im Hotel Vereinshaus, heute Essener Hof, trafen, um eine gemeinsame Einkaufsgenossenschaft zu gründen. „Damals muss man sich die Unternehmenslandschaft zersiedelt vorstellen. Es gab viele kleine Farbenhersteller und viele kleine Handwerksbetriebe“, sagt Kühnel. Beiden Seiten war also daran gelegen, ihre Interessen zu bündeln. Aus Sicht der Maler bekam man damit nicht nur mehr Auswahl aus einer Hand, man erreichte auch eine deutlich größere Einkaufsmacht, die Einfluss auf die Preise nehmen konnte. Am 22. Dezember 1919 wurde die Genossenschaft mit 57 Mitgliedern beim Amtsgericht eingetragen.

Von 100 Einkaufsgenossenschaften sind gerade einmal fünf übrig geblieben

Diesen Trend zu Einkaufsgenossenschaften gab es damals deutschlandweit. Allerdings hat sich die Branche in den vergangenen Jahrzehnten deutlich konzentriert. Von einstmals 100 Genossenschaften im Bereich Farbe, sind laut Kühnel heute gerade mal fünf übrig geblieben. Auch die Essener haben durch eine nahezu sagenhafte Fusions- und Übernahmegeschichte überlebt. Heute erstreckt sich das Gebiet der Maler-Einkauf Rhein-Ruhr auf 24 Standorte, die das gesamte Ruhrgebiet und Teile des Bergischen Landes und des Sauer- und Siegerlandes umspannen. Die Genossenschaft erwirtschaftete zuletzt 67 Millionen Euro Umsatz und beschäftigt 225 Mitarbeiter.

Sitz des Unternehmens ist all die Jahre Essen geblieben. Die Anfänge der am 22. Dezember ins Leben gerufenen Genossenschaften lagen in der Logenstraße 4. Doch schon fünf Jahre später musste sie sich größere Räume suchen und zog in die Steeler Straße. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg verlagerte sie das Geschäft in die Gerswidastraße, damals noch Rüttenscheid. 1967 schließlich kaufte die Genossenschaft ein Grundstück in Altendorf In der Hagenbeck, wo sie seither ihre Büro- und Lagerräume in der Stadt unterhält. Eine Zweigstelle gibt es noch in der Max-Keith-Straße.

Maler-Einkauf Rhein-Ruhr profitiert nicht gleichermaßen von guter Handwerkskonjunktur

Die Zeit des Wachstums ist allerdings vorbei. Neue Standorte werde die Maler-Einkauf Rhein-Ruhr wohl nicht mehr eröffnen. „Die Wachstumsfahne haben wir begraben“, sagt Kühnel. Obwohl Do-it-yourself stark zurückgegangen sei und das Malerhandwerk gut zu tun hat, spricht Kühnel mit Blick auf den Großhandel von einem allenfalls noch stagnierenden Markt mit sinkenden Margen und einem hohen Kostendruck. Auf den ersten Blick scheint es ein Widerspruch zu sein, dass die Einkaufsgenossenschaft längst nicht so von der guten Handwerkerkonjunktur profitiert. Aber Kühnel erklärt: Die Handwerker können die vielen Aufträge gar nicht abarbeiten, auch und vor allem weil sie keinen Nachwuchs finden. Dies sei der Flaschenhals, der das Auftragsvolumen und somit auch den Einkauf begrenze.

Um auch in Zukunft weiter bestehen zu können, will die Maler-Einkauf Rhein-Ruhr in das Thema Digitalisierung und E-Commerce investieren. „Das ist die Zukunft und da dürfen wir nicht stehen bleiben“, sagt Kühnel.

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