Flughafen

Anflug auf Essen/Mülheim – ein Blick hinter die Kulissen

WDL-Mitarbeiter Klaus Höllmann führt die Leser durch die rieisge Luftschiffhalle.

WDL-Mitarbeiter Klaus Höllmann führt die Leser durch die rieisge Luftschiffhalle.

Foto: Uwe Möller

Essen.   Der Flughafen Essen/Mülheim war einmal der bedeutendste in der Region. Auch heute kommen nicht nur Flugnostalgiker auf ihre Kosten. Ein Besuch.

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Bitte anschnallen, wir starten! Wolfgang Sauerland tritt das Gaspedal durch und jagt den VW-Bus über die 1553 Meter lange Betonpiste. Die tollkühnen Männer und Frauen in der Blechkiste sind beeindruckt. So ähnlich mag es sich angefühlt haben, als 1919 die ersten Piloten in ihren zerbrechlichen Maschinen vom Flughafen Essen/Mülheim gen Himmel abhoben. Die Motoren waren so schwach, dass die Flieger nur gegen den Wind starten konnten. Die Piste war deshalb kreisförmig. Ein brennendes Ölfass zeigte den Fliegern an, aus welcher Richtung der Wind wehte.

Blick hinter die Kulissen des Flughafens Essen/Mülheim
Blick hinter die Kulissen des Flughafens Essen/Mülheim

Fragmente der einstigen Start- und Landebahn sind noch sichtbar. Und auch wenn der Flughafen heute alles zu bieten hat, was ein Airport benötigt, scheint es zuweilen, als sei die Zeit stehen geblieben. Staunend erfahren die Leser, die im Rahmen unserer Sommerserie einen Blick hinter die Kulissen werfen, dass in den 1930er Jahren von Essen/Mülheim aus Linienflüge in alle wichtigen Städte Europas abhoben. Der Düsseldorfer Flughafen war nicht mehr als eine Rasenpiste, berichtet Wolfgang Sauerland. Heute brausen Urlauberjets und Linienflüge über Essen/Mülheim hinweg, wenn sie den internationalen Airport ansteuern.

Flugschulen und Sportpiloten sorgen für Betrieb

Dennoch herrscht auch auf den Ruhrhöhen reichlich Bewegung. 50 000 bis 60 000 Flugbewegungen zählt der Landeplatz jedes Jahr. „Das hätte ich nie erwartet“, staunt Dagmar Holz aus Rüttenscheid. Zu 95 Prozent sind es Motorflüge. Jets dürfen nur mit Ausnahmegenehmigung landen, etwa in medizinischen Notfällen. Geflogen wird auf Sicht. Flugschulen bilden Piloten aus, Sportflieger gehen ihrem Hobby nach.

Wolfgang Sauerland führt die Besuchergruppe in den Hangar. Ein- und zweimotorige Maschinen stehen hier, darunter echte Schätzchen wie die Cessna aus den späten 1940er Jahren. „Bitte nicht berühren“, mahnt Wolfgang Sauerland. Auch die DH 104 aus den 1950er Jahren zieht die Blicke auf sich. Mit neun Passagieren an Bord flog die LTU regelmäßig von Essen/Mülheim nach Mallorca und zurück. Heute hebt die Maschine für Rundflüge ab. Nostalgiker kommen auf dem Flughafen auf ihre Kosten.

Höhepunkt des Rundgangs ist ein Besuch bei der WDL. Mitarbeiter Klaus Höllmann führt die Gruppe zunächst in die von ihren Dimensionen her beeindruckende Luftschiffhalle. Die WDL nutzt sie für Wartungsarbeiten und um Werbebanner an der Hülle anzubringen. Acht Stunden sind dafür nötig.

Draußen auf der Wiese hat das 60 Meter lange Luftschiff festgemacht. Theo Wüllenkemper, der mittlerweile verstorbene Unternehmer und Luftfahrtpionier, hat die Riesen in Essen/Mülheim groß gemacht. „Ein verrückter Hund war das“, erinnert sich Leser Helmut Wiemers, ein Cousin Wüllenkempers. „Als ich zum ersten Mal mit ihm geflogen bin, hatte ich die Hosen voll.“

Der Blick schweift über das weitläufige, 141 Hektar große Gelände. „Schade, dass es das irgendwann nicht mehr geben wird“, sagt Wiemers. Spätestens 2034, wenn die Rechte der Hobbyflieger vom Aero-Club auslaufen, ist wohl Schluss. Was dann kommt, ist offen.

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