Prozess

Anklage: Missbrauch einer Studentin nach reichlich Wodka

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Zwei junge Männer sollen es ausgenutzt haben, dass eine Studentin nach reichlich Wodka widerstandsunfähig war. So sei es zum Sex gekommen.

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Es sind nur Bruchstücke einer Erinnerung, von denen die 28 Jahre alte Studentin am Donnerstag berichtet. Danach sollen zwei junge Männer ihre Trunkenheit ausgenutzt haben, um mit ihr Sex zu haben. Wegen „sexuellen Missbrauchs einer Widerstandsunfähigen“ müssen sich zwei Cousins, 23 und 31 Jahre alt, vor der VII. Strafkammer am Landgericht Essen verantworten.

Die beiden Männer zeigen sich entrüstet. Zum Sex mit der Frau sei es zwar gekommen, alles sei aber einvernehmlich gelaufen. „Wir sind solche Menschen nicht. Wir sind gut erzogen“, sagt der 31-Jährige. „Ich habe es nicht nötig zu vergewaltigen“, sagt sein Mitangeklagter. Die Frau bleibt bei ihrer Darstellung.

Tasche der 26-Jährigen in die Wohnung getragen

Einigkeit herrscht immerhin beim Kennenlernen. Der 23-Jährige hatte die Frau im Mai 2016 in der Nähe ihrer Wohnung in Kray gesehen. Sie war beladen mit Einkäufen, ihr Rücken schmerzte. Er sprach sie an, und sie ging auf sein Angebot ein, die Taschen nach oben in ihre Wohnung zu tragen. Dort unterhielten sie sich, er ging.

Am nächsten Tag, so die Zeugin, soll er mit seinem „angeblichen“ Cousin wieder aufgetaucht sein. Wodka hätten sie mitgebracht, sie sei dann einkaufen gegangen. Als sie zurückkam, hätten beide die Wohnung aufgeräumt gehabt, sagt sie. Dann wisse sie nur noch, dass die beiden mit ihr Geschlechtsverkehr hatten.

Zwischendurch noch auf einer Party

Ob sie an diesem Abend noch woanders war, will Richter Nils Feldhaus wissen. Sie verneint. Ob sie auf einer Party war? Ja, doch: „Ich glaube, ich war kurzzeitig mit denen bei anderen Leuten.“

Genau das hatten die beiden Angeklagten zuvor behauptet. Sie erzählen auch, dass sie mit der Zeugin vor und nach der angeblichen Tat öfter Sex hatten, einvernehmlich.

Anzeige vier Wochen nach der Tat

Die Studentin hatte eigentlich keine Anzeige erstatten wollen. Etwa vier Wochen nach der mutmaßlichen Tat hatte sie wegen Schmerzen im Unterleib eine Klinik aufgesucht. Dort erzählte sie der Ärztin von der Tat. Diese habe die Polizei eingeschaltet.

Die Suche nach der Wahrheit wird sich angesichts der belastenden Aussage und Widersprüchen bei den Angeklagten schwierig gestalten. Die Studentin räumt ein, ein Alkoholproblem gehabt zu haben. Mehrere Gläser Wodka habe sie am Tag getrunken. Mittlerweile hat sie wohl erfolgreich eine Therapie geschafft. Weitere drei Tage plant die Kammer.

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