Salafismus

Assalam-Moschee in Essen: Ruhrbahn durchleuchtet Busfahrer

Die Assalam-Moschee auf der Altenessener Straße ist bei Freitagsgebeten oft überfüllt.

Die Assalam-Moschee auf der Altenessener Straße ist bei Freitagsgebeten oft überfüllt.

Foto: Stefan Arend

Essen.   Die Essener Assalam-Moschee gilt als salafistennah. Ihr Ex-Vorsitzender ist Ruhrbahn-Fahrer, das verunsicherte Kollegen. Deshalb wurde geprüft.

Wegen ihrer Verbindungen zur salafistischen Szene steht die Assalam-Moschee auf der Altenessener Straße schon seit geraumer Zeit im Visier der Sicherheitsbehörden. Unlängst hat sich die Personalabteilung der Ruhrbahn mit dem umstrittenen Moschee-Verein befassen müssen. Grund: Der Deutsch-Algerier B., bis Januar Vorsitzender des Moschee-Vereins, ist als Busfahrer bei der Ruhrbahn beschäftigt. Verunsicherte Kollegen sollen diese Verbindung bei ihren Vorgesetzten gemeldet haben. Ein Fall, der die Frage aufwarf: Stellte der Repräsentant dieser Problem-Moschee als Mitarbeiter eines kommunalen Nahverkehrsunternehmens ein Sicherheitsrisiko dar?

Ein heikler Fall – nicht nur für die besorgten Busfahrer-Kollegen, sondern auch für die Ruhrbahn-Führung. Weil es sich um eine Personalangelegenheit handele, hüllt sich der Ruhrbahn-Sprecher zu der Causa Assalam-Moschee in Schweigen. „Kein Kommentar“, sagt Nils Hoffmann auf Anfrage. Wie diese Zeitung erfuhr, sollen die betriebsinternen Überprüfungen allerdings nichts Verdächtiges ergeben haben. Rechtsverstöße seien bei der Ruhrbahn nicht festgestellt worden, dem überprüften Busfahrer werde sogar bescheinigt, einen soliden Job zu machen. Kündigung oder Versetzung: Fehlanzeige.

„Ich kümmere mich jetzt um Familie und Beruf“

Gegenüber dieser Zeitung bestätigt der intern angezeigte Ruhrbahn-Mitarbeiter die Personalangelegenheit. Kollegen hätten sich an den Betriebsrat und die Unternehmensleitung gewendet. Gleichzeitig weist er darauf hin: „Ich habe den Vorsitz des Vereins inzwischen niedergelegt und damit nichts mehr zu tun.“ Als Grund für diesen Schritt fügt er an: „Ich möchte mich auf meinen Beruf und die Familie konzentrieren und mich um die Erziehung meiner Kinder kümmern.“

Hellhörig geworden waren die Ruhrbahn-Kollegen durch die ZDF-Reportage „Hass aus der Moschee“, in der B. noch als Vorsitzender und Imam der Assalam-Moschee zu Wort kam. B. stand dem Moscheeverein am Rande des Eltingviertels zwanzig Jahre lang vor.

Fernsehbeitrag war Auslöser für Anfrage der Kollegen

In dem Fernsehbeitrag ist von einer 28-jährigen Muslimin die Rede, die zunächst die Freitagsgebete in der Assalam-Moschee besucht und sich dann mehrere Monate lang getarnt einer Frauengruppe angeschlossen habe. Dort will sie über die „Scharia“ erfahren haben, „dass es zum islamischen Recht gehört, wenn man gegen Ungläubige kämpft“. Die Hetze gegen Ungläubige, so genannte Kuffar, richte sich vornehmlich gegen Juden, aber auch gegen Christen. Bei Treffen in verschiedenen Wohnungen hätten sie häufiger Videos einschlägig bekannter Salafistenprediger wie Pierre Vogel und Abul Baraa geschaut.

Nachweislich haben sich in der Essener Moschee die Wege von Salafisten, selbst ernannten Dschihadisten wie den Essener Tempelbombern sowie späteren IS-Kämpfern wie Silvio K. gekreuzt. B. weist in dem TV-Beitrag aber den Vorwurf zurück, mit Hasspredigern und Salafisten gemeinsame Sache zu machen. „Hier wird der vernünftige Islam gepredigt, wir haben alles unter Kontrolle.“

„Hass hat kein Platz in meinem Herzen“

Das Erdgeschoss der Assalam-Moschee, wo sich auch der große Gebetssaal befindet, ist dem Vernehmen nach mit mehreren Videokameras ausgestattet: Aus Sicht des Moschee-Vereins ein Zeichen des guten Willens in Richtung Sicherheitsbehörden. Aber es gibt auch andere Stimmen: Muslimischen Kennern der Essener Moschee-Szene zufolge geben sich radikale Prediger in der Assalam-Moschee bei den Freitagsgebeten nach wie vor die Klinke in die Hand. Aber auch von internen Zerwürfnissen ist neuerdings die Rede.

Die Ruhrbahn hat einen Schlussstrich unter die ungewöhnliche Personalangelegenheit gezogen. Auch der „durchleuchtete“ Busfahrer ist heute mit sich im Reinen. Er sagt: „Ich möchte in Deutschland in Frieden leben, Hass hat keinen Platz in meinem Herzen.“

>>> DIE ASSALAM-MOSCHEE

  • Die Assalam-Moschee zählt zu den eher größeren arabischen Moscheen in Essen. Wegen ihrer Nähe zur nördlichen Innenstadt ist sie sehr stark frequentiert – auch von muslimischen Flüchtlingen.
  • Die so genannten Tempelbomber, zwei jugendliche Islamisten aus Essen und Gelsenkirchen, hielten sich am 16. April 2016 kurz vor dem Anschlag auf den Sikh-Tempel Bersonstraße in der Assalam-Moschee auf.

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