Staatsschutz

AfD-Autos brennen – Polizei entdeckt nebenan Drogenplantage

AfD-Politiker Guido Reil am Donnerstagmittag am Tatort. In der Nacht zu Donnerstag sind auf einem Hinterhof in Essen-Holsterhausen drei AfD-Wahlkampfautos ausgebrannt. Der Staatsschutz ermittelt.

AfD-Politiker Guido Reil am Donnerstagmittag am Tatort. In der Nacht zu Donnerstag sind auf einem Hinterhof in Essen-Holsterhausen drei AfD-Wahlkampfautos ausgebrannt. Der Staatsschutz ermittelt.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Nach dem Brand dreier AfD-Autos auf dem Gelände einer früheren Flüchtlingsunterkunft ermittelt der Staatsschutz. Die Polizei sucht Zeugen.

Drei Fahrzeuge der AfD sind in der Nacht zu Donnerstag in Essen komplett ausgebrannt. Tatort ist das Gewerbegebiet Münchener Straße in Holsterhausen. Wie die Polizei am Morgen berichtete, hatte ein Anwohner gegen 1 Uhr den Notruf gewählt und den Brand auf einem Innenhof des weitläufigen Geländes, auf dem sich früher eine Flüchtlingsunterkunft befand, gemeldet. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung.

Die Autos standen unmittelbar neben einem Gebäude, an dem ein beträchtlicher Brandschaden entstanden. Laut AfD-Politiker Guido Reil beläuft sich der Gebäudeschaden auf 250.000 Euro. Den Wert der drei völlig zerstörten Wahlkampf-Autos konnte er nicht beziffern.

Ermittler entdecken zufällig Drogenplantage

Nach den Löscharbeiten betraten Ermittler der Kripo das schwer beschädigte Gebäude mit der Hausnummer 67 und rieben sich verwundert die Augen: Denn im Erdgeschoss wie auch im ersten Obergeschoss entdeckten sie eine über vier bis fünf Räume verteilte Marihuana-Plantage. „Ein Zufallsfund“, sagt Polizeisprecherin Judith Herold, und fügt hinzu: „Mit rund 1000 Pflanzen handelt es sich um eine größere Plantage.“ Die Plantage in der ersten Etage sei abgeerntet gewesen.

Kollegen der Hundertschaft waren Donnerstag mehrere Stunden damit beschäftigt, die Marihuana-Pflanzen zu beschlagnahmen und in Lastwagen zur Dienststelle zu bringen. „Wir prüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen den ausgebrannten Autos und der Drogenplantage gibt“, sagt die Polizeisprecherin.

Wie es zu dem Brand der Autos kam, sei noch unklar, so die Polizei. Man gehe aber „zum jetzigen Zeitpunkt von einer politisch motivierten Tat aus“, teilte die Polizei mit. Deshalb sei der Staatsschutz informiert worden. Er habe bereits am frühen Morgen die Ermittlungen aufgenommen.

Auf dem Gelände befand sich einst die Flüchtlingsunterkunft eines Politikers

Der Essener AfD-Politiker Guido Reil, der die Wagen demnächst in seinem Europawahlkampf einsetzen wollte, eilte am Vormittag zur Münchener Straße. Und berichtete, warum die drei AfD-Werbeautos dort abgestellt waren: „Ein AfD-Mitglied, das auf diesem Areal Hausmeister ist, kümmert sich um die Autos.“

Zwischenzeitlich kursierte am Tatort das Gerücht, die gesamte AfD-Spitze wolle nach Essen kommen, um die Brandstiftung als politischen Anschlag zu verurteilen. Guido Reil gab sich sehr bedeckt, telefonierte viel und verwies auf ein Presse-Statement zur Mittagsstunde.

Nach Essen kam schließlich nur der Sprecher des AfD-Landesverbandes NRW, Martin Schiller, der am 26. Mai ebenfalls für das Europaparlament kandidiert. „Das war ein Anschlag nicht nur gegen die AfD, sondern gegen die Demokratie. Wir gehen davon aus, dass die Täter aus dem linksradikalen Milieu stammen.“ Schiller beklagt sich auch über andere Formen von Gewalt: „Wir erleben, dass Wahlkampfplakate abgerissen, Veranstaltungen gestört werden und gegen Mitglieder Gewalt ausgeübt wird.“

Hausmeister sah kurz nach der Tat zwei Personen auf dem Gelände, die die Flucht ergriffen

Der Hausmeister schilderte gegenüber diese Zeitungen seine Beobachtungen von der Tatnacht. Er habe sich noch nach Mitternacht in seinem Büro im Gebäude 67a aufgehalten und gegen 0.30 Uhr ein Nachtmahl zu sich genommen. „Dann sah ich plötzlich etwas Helles, es waren Flammen“, berichtet er. Um 1.06 Uhr habe er den Feuerwehr-Notruf alarmiert und dann auf dem Innenhof nach dem Rechten gesehen. „Ich sah die brennenden Autos und eine Person, die zum Tor lief. Ich bin hinter der Person her, aber sie ist weggerannt. Dann kam eine zweite Person aus dem Haus Nummer 67 und rannte ebenfalls weg.“

Der Hausmeister war nach eigenen Worten überrascht von der Drogenplantage: „Ich weiß nicht, wer die Plantage betrieben hat. Ich habe dort nie jemanden gesehen“, sagte er.

Das betroffene Grundstück mit den Hausnummern 67 und 67a haben in der Vergangenheit schon häufig für Schlagzeilen gesorgt. Der frühere SPD-Ratsherr Arndt Gabriel hatte den Komplex vor drei Jahren für mehrere Millionen Euro gekauft, um dort ein Flüchtlingsheim zu eröffnen. Nachdem sein Asyl-Deal mit der Stadt für heftige Debatten gesorgt hatte, erklärte er seinen Austritt aus Partei und Fraktion.

Bei den Fahrzeugen handelt es sich um drei Smarts. Nach Angaben von Reil sind sie von der Partei 2017 für den Landtagswahlkampf angeschafft worden.

Die Ermittler suchen Zeugen und fragen: Wer hat verdächtige Personen oder Fahrzeuge im Nahbereich der Münchener Straße gesehen? Hinweise können unter Telefon 0201/829-0 abgegeben werden.

Knapp die Hälfte der politisch motivierten Straftaten wird aufgeklärt

Leserkommentare (17)