Barcamp Ruhr

Barcamp Ruhr: „Eine erfrischende Art, Wissen auszutauschen“

Zum elften Mal gastiert das Barcamp Ruhr im Unperfekthaus in Essen. 

Zum elften Mal gastiert das Barcamp Ruhr im Unperfekthaus in Essen. 

Foto: Barcamp.Ruhr/ Simon Bierwald

Essen.   Zum Barcamp Ruhr im Essener Unperfekthaus werden bis zu 200 Teilnehmer erwartet, die ihre Themen selbst bestimmen. Die WAZ ist Premiumsponsor.

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Es ist eine besondere Veranstaltung, die am 24. und 25. März im Unperfekthaus schon zum elften mal über die Bühne geht: „Barcamp Ruhr“ heißt das Treffen, und worüber in den sogenannten Sessions eigentlich gesprochen werden soll, wird erst morgens gemeinsam entschieden. Erwartet werden 180 bis 200 Teilnehmer, jeder kann einen Vortrag halten oder eine Diskussion leiten. Ein Gespräch mit Berthold Barth und Maik Wagner, die das Barcamp unentgeltlich organisieren.

Was ist eigentlich ein Barcamp?

Maik Wagner: Ein Barcamp ist eine Unkonferenz. Das Besondere an einem Barcamp ist, dass es kein festes Programm gibt, sondern dass das Programm erst an dem Tag, an dem alle zusammenkommen, entwickelt wird.

Wie funktioniert ein Barcamp und was unterscheidet es von einer „normalen“ Tagung?

Berthold Barth: Das Barcamp ist – im Gegensatz zu einer „normalen“ Konferenz – eine selbstorganisierte Veranstaltung. Jeder kümmert sich um sich selbst, und wenn er ein bisschen Barcamp-Erfahrung hat, dann auch um die anderen. Wir haben im letzten Jahr mit einem Teilnehmer, der seit elf Jahren dabei ist, gescherzt: Wenn wir Organisatoren morgens nicht zum Barcamp kämen, würden die Leute 15 Minuten auf uns warten und dann den Laden selbst schmeißen.

Wer nimmt an einem Barcamp teil?

Wagner: Zum Barcamp kann jeder kommen. Es ist eine sehr offene Veranstaltung. Da das Barcamp aus dieser eher nerdigen Softwareentwickler- und Social-Media-Ecke kommt, sind natürlich viele Leute dabei, die einen Hintergrund der Art haben. Das ist aber nicht zwingend. Wir haben inzwischen auch Teilnehmer aus ganz anderen Branchen.

Barth: Die Leute kommen aus dem Bereich Internet, Marketing, Medien, Technik. Es sind aber auch Klavierlehrer oder Physiotherapeuten dabei.

Und um welche Themen geht es?

Wagner: Wir geben nichts vor. Das Besondere an unserem Barcamp ist, dass es ein offenes Barcamp ist. Man kann mit jedem Thema kommen. Das Essener Barcamp ist dafür bekannt, dass es immer sehr ausgefallene Randthemen hat. Wir hatten schon ein Improvisationstheater oder „Bring den Nerd zum Tanzen“.

Barth: Mir fällt dabei „Betreutes Trinken“ ein. Eine Teilnehmerin bringt in regelmäßigen Abständen verschiedene Spirituosen mit und lädt zur Verkostung. Es gibt eine Session, die mir aus dem letzten Jahr besonders in Erinnerung geblieben ist: Ein Teilnehmer, der für „Médecins Sans Frontières“ (Ärzte ohne Grenzen) in den Irak gegangen ist, war von dort per Skype zugeschaltet. Er hat berichtet, wie das Leben dort ist, was ihm widerfährt und wie es dem Land und den Leuten geht. Das ist vielen Zuhörern sehr nahe gegangen. Da sind auch Tränen geflossen, und es hat sich spontan eine Spendenaktion ergeben. So etwas ist eher ein Abendthema. Tagsüber geht es auch um Unternehmenstransformationen oder Marketingstrategien.

Was können Unternehmen vom Barcamp lernen?

Wagner: Das Barcamp ist einfach eine sehr erfrischende Art des Wissensaustauschs. Es ist sicherlich für Menschen, die eher klassische Strukturen kennen, ungewohnt, wie großzügig Menschen mit Wissen umgehen und das gerne teilen. Wir hatten früher Nokia als Sponsor, weil die eine Chance gesehen haben, ihr neues Produkt zu testen. Es hat keine zwei Minuten gedauert, und der erste Teilnehmer hatte das Handy zum Absturz gebracht. Die konnten ihre Blöcke gar nicht so schnell vollschreiben, wie die Leute Verbesserungsvorschläge hatten.

Barth: Man kann beim Barcamp lernen, was passiert, wenn man den Leuten nicht vorschreibt, was sie zu tun haben. Die Befürchtung in vielen größeren Unternehmen ist, dass die Leute aufhören zu arbeiten, wenn es keine Regularien, Hierarchien und Kontrollen gibt. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Die Leute werden viel offener, eignen sich gemeinsam neues Wissen an. Das kann man im Barcamp in Aktion sehen. Viele Leute, die diese Freiheit erlebt haben, empfinden dann ihre eigene Arbeitsorganisation als bedrückend. Wir organisieren auch für Unternehmen Barcamps. Dabei hat mir ein Teilnehmer einmal das spannende Feedback gegeben: „Ich habe mich sehr frei gefühlt. Ich würde mich gerne öfter frei fühlen.“

Das Barcamp gastiert seit der Gründung im Unperfekthaus. Warum?

Wagner: Für uns ist es ein großer Vorteil, weil wir die Infrastruktur des Unperfekthauses nutzen können. Der andere große Vorteil ist, dass das Unperfekthaus ganz viele Möglichkeiten bietet, selber kreativ zu sein. Es gibt einfach eine sehr positive Grundstimmung.

Warum sollte man am Barcamp Ruhr teilnehmen?

Barth: Man kann den Austausch suchen mit Menschen, die ähnlich ticken wie man selbst, die aber aus ganz unterschiedlichen Bereich kommen. Es gibt auf dem Barcamp ein ganz starkes Gemeinschaftsgefühl – und das erlaubt einem eben auch, Dinge offener zu teilen, als man es auf einer „normalen“ Konferenz tun würde. Und: Man nimmt ganz viel mit, lernt vieles über sich und über verschiedene Themen. Man beschäftigt sich mit Themen, mit denen man sich vorher nie beschäftigt hätte. Man bekommt neue Eindrücke, neue Perspektiven.

>> Tickets für das Barcamp Ruhr gewinnen

Die Tickets für das Barcamp Ruhr werden in sogenannten Wellen verkauft. Die letzte Gelegenheit, noch eine Karte zu erwerben, startet am Mittwoch, 7. März, um 18 Uhr auf www.barcamp.ruhr.


Die WAZ ist zum zweiten Mal Premiumsponsor des Barcamps. Wir verlosen aus diesem Anlass zwei mal zwei Tickets für das Camp. Das Gewinnspiel finden Sie auf: waz.de/barcamp2018.

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