Konzert

Beethoven pur: Isabelle Faust spielt alle zehn Violinsonaten

Isabelle Faust

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Foto: Felix Broede

Essen.  Einstimmung aufs Beethovenjahr: In der Essener Philharmonie feiern Isabelle Faust und Alexander Melnikov den Jubilar mit allen zehn Violinsonaten

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Einstimmung aufs Beethoven-Jahr: Im Rahmen ihres Künstlerporträts interpretierte Isabelle Faust gemeinsam mit ihrem langjährigen Klavierpartner Alexander Melnikov an einem Wochenende in drei Konzerten alle zehn Violinsonaten von Beethoven.

Bis zur Mitte der drei Konzerte ließen Isabelle Faust und Alexander Melnikov die „Himmelssonne“ des jetzt schon medial hoch gepushten Klassik-Jubilars 2020 eher verhalten strahlen: Doch in der mittleren der drei Beethoven- Violinsonaten mit der Opuszahl 30 war dann alles da: Zugriff und Vitalität im ersten Satz, gesanglich erfüllter Ton im zweiten, temperamentvoll trotzige Akzente im dritten und eine unglaubliche Rasanz bei genauester Abstimmung zwischen Geige und Klavier im fulminanten Finale.

Sanfter Zugriff auf den als bärbeißig verschrieenen Komponisten

In den drei frühen Sonaten Opus 12 schien es, als wolle die Geigerin mit ihrem kostbaren Stradivari-Klang alle Äußerlichkeiten vermeiden: Das Lautstärke-Spektrum reichte kaum über ein Mezzoforte hinaus, der entschiedene Zugriff Beethovens war sanft gefasst. Und wenn der Rhythmus einmal zuschnappen sollte, zeigte er keine scharfen Zähne. Den als bärbeißig und eigensinnig verschrieenen Komponisten umflutete das lange Jahre aufeinander eingespielte Kammermusik-Paar mit dem milden Licht Joseph Haydns.

Der Glanz der Selbstdarstellung ist nicht Sache von Isabelle Faust

Dabei war die spieltechnische Seite der drei Recitals tadellos, sogar atemberaubend: Die Porträt-Künstlerin der Philharmonie – sie kommt am 1. März 2020 noch einmal mit Bach – formt jeden Ton äußerst bewusst, bildet Zusammenhänge. Was ihr nicht von Hand und Bogen geht, ist der satte Ton der Virtuosin, die würzige Lust, mit der sich sicher auch Beethoven als Neuankömmling in Wien seinen erhofften Gönnern vorgestellt hatte. Isabelle Faust beleuchtet die Musik von innen. Der Glanz der Selbstdarstellung ist ihre Sache nicht – aber gehört wenigstens ein Strahl davon nicht auch zum Beethoven dieser Zeit?

Alexander Melnikov zügelt den Flügel mit bewundernswerter Sensibilität, so dass die feinen Klänge Isabelle Fausts nie dominiert werden. In der zehnten Sonate op. 96 hatte Beethoven alles Äußerliche endgültig hinter sich gelassen – und mit ihm die beiden Solisten in gelöster, edler Einfachheit. Die sinnig gewählten Zugaben von John Cage, Anton Webern und Morton Feldman seien eigens erwähnt: Zeugnisse des Fortschreitens der Musik, für die Beethoven in seiner Zeit der Motor war.

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