Integrationspolitik

Bitterer Streit in Altenessener SPD zur Integrationspolitik

SPD-Bezirksvertreter Theo Jansen - hier bei einem Termin vor der ehemaligen Grubenschreinerei der Zeche Carl - hadert mit seiner Partei und mit seinen Kollegen im Stadtteilparlament.

SPD-Bezirksvertreter Theo Jansen - hier bei einem Termin vor der ehemaligen Grubenschreinerei der Zeche Carl - hadert mit seiner Partei und mit seinen Kollegen im Stadtteilparlament.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen-Altenessen.  SPD-Urgestein Theo Jansen ist nicht mehr Fraktionschef in der Bezirksvertretung. Altenessens SPD-Chef Jürgen Garnitz wirft ihm Einseitigkeit vor.

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In der Altenessener SPD rumort es, und das hängt offenbar nicht nur mit den Verwerfungen rund um die Gegenkandidatur für den Ratsherrn und SPD-Vize Karlheinz Endruschat zusammen. Wie erst jetzt bekannt wurde, hat der Fraktionsvorsitzende in der Bezirksvertretung 5, Theo Jansen, bereits vor einigen Wochen sein Amt niedergelegt. „Ich möchte nicht mehr als Sprecher eine Fraktion auftreten, die lediglich ihr eigenes Ego pflegt und zu allen kritischen Themen nichts mehr zu sagen hat“, heißt es in einer persönlichen Mitteilung Jansens.

Theo Jansen sieht die Nord-SPD „in die Bedeutungslosigkeit abdriften“

Was mit „kritischen Themen“ genau gemeint ist, ist nicht so ganz klar, generell erhebt Jansen aber den Vorwurf, dass die Altenessener SPD nicht nah genug bei den Themen sei, die die Menschen im Norden interessierten und ihnen Sorge machten - darunter vor allem das Thema Migrationspolitik und die daraus resultierenden Probleme. „Die Nord-SPD wird mit ihren derzeitigen Strategiespielen, ihren mittelmäßigen Personalvorschlägen und der Sprachlosigkeit scheitern und weiter in die politische Bedeutungslosigkeit abdriften“, glaubt Jansen.

Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Altenessen, Jürgen Garnitz, weist diese Kritik als weit überzogen zurück. „Ich kann nicht nur auf diesem einen Thema Integration herumkauen“, sagt Garnitz, der wie Theo Jansen ebenfalls in der Bezirksvertretung sitzt. Die SPD Altenessen habe das Hafenfest aus der Taufe gehoben, kümmere sich um Spielplätze und all die vielen anderen Kleinigkeiten, die das Stadtteilleben ausmachen und die von der Politik vor Ort beeinflussbar sind.

Altenessens SPD-Chef Garnitz macht in seinem Unternehmen mit Flüchtlingen gute Erfahrungen

„Näher kann man eigentlich nicht bei den Menschen sein“, sagt Garnitz, der einen Dachdeckerbetrieb führt und die Stadtteil- wie auch die Parteipolitik in seiner Freizeit betreibt. In seinem Unternehmen mache er gute Erfahrungen mit Migranten, auch mit Flüchtlingen. „Es geht nicht nur darum, Probleme zu beschreiben, sondern auch Lösungen zu liefern.“

Während Jansen bei seinen SPD-Mitstreitern im Stadtteilparlament fehlende Ecken und Kanten beklagt, spricht Garnitz davon, dass man mit Jansen keine Konflikte austragen könne, die es natürlich immer mal gebe. „Herr Jansen hat seine Verdienste, aber er sollte sich überlegen, ob es jetzt nicht mal genug ist.“

Der so Angesprochene denkt in eine ähnliche Richtung. „Ich überlege, bei der Kommunalwahl 2020 gar nicht mehr für die Bezirksvertretung anzutreten.“ Selbst ein Parteiaustritt nach 40 Jahren SPD steht in Rede. Seine Mitteilung, die dieser Reaktion vorliegt, unterzeichnete Jansen demonstrativ mit den Worten: „Noch Mitglied der Altenessener SPD“.

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