Ausstellung

Bilder, Stühle, Schuhleisten: Neue Schau in Alter Cuesterey

Die Malerin Hanny Barth präsentiert ihre Werke in der Alten Cuesterey in Essen-Borbeck.

Die Malerin Hanny Barth präsentiert ihre Werke in der Alten Cuesterey in Essen-Borbeck.

Foto: Claudia Heindrichs / FUNKE Foto Services

Essen-Borbeck.  „Es geht auch anders“ heißt die neue Kunstausstellung in der Alten Cuesterey in Borbeck: mit 40 Bildern, Objekten und Stühlen vom Sperrmüll.

„Es geht auch anders“ heißt die neue Kunstausstellung in der Alten Cuesterey am Weidkamp 10. Hanny Barth zeigt vom 13. bis 26. Oktober rund 40 Bilder, Objekte und Schuhleisten.

Borbeck. Ausdrucksstark, biografisch, farbenfroh, fließend, lebendig und narrativ- die Kunstwerke von Hanny Barth fallen auf. Einen guten Einblick in ihre Arbeit bietet die nunmehr sechste Ausstellung, die 2019 im Kalender der Alten Cuesterey steht. Auf zwei Etagen sind in der Stätte des Kultur-Historischen Vereins Borbeck ab Sonntag, 13. Oktober, rund 40 Bilder und Objekte zu sehen. Hinzu kommen gut 40 künstlerisch gestaltete Schuhleisten. Sie zierten zuvor einige Schaufenster in der Borbecker City.

Offen und experimentierfreudig auch bei den Techniken

„Meine Kunst ermöglicht den Austausch mit mir selbst, aber auch mit anderen“, sagt Hanny Barth. Landschaften, Abstraktes, Figuratives und Objekte – was sie auch gestaltet, kommt von innen und entwickelt sich oft erst fließend im Laufe der Arbeit. Offen und experimentierfreudig ist Barth auch bei ihrer Technik. Sie probiert mit Farben und Pinseln gern Neues aus: derzeit großformatige Bilder in Öl oder Acryl auf Leinwand, meist partiell mit Flüssigglas, Goldpulver oder Schellacktinte überzogen.

Appellieren soll der Titel „Es geht auch anders“. Die 58-Jährige, die im Herbst 2016 der Liebe wegen aus Bad Malente bei Lübeck nach Essen kam und Anfang 2017 ein Atelier an der Heinz-Bäcker-Straße 24 in Dellwig eröffnete, möchte die Betrachter anregen, ihren Werken „anders“, sprich unter verschiedenen Aspekten zu begegnen. Denn manches ist mehr als es scheint: „Frei wie ein Vogel“ heißt eines ihrer Lieblingsbilder. Hält man das Motiv hochkant, wird aus dem Vogel ein Engel.

Höhen und Tiefen, Begebenheiten und Gedanken als Inspiration

„Kunst bedeutet für mich, aus dem vollen Leben zu greifen“, erläutert die in Flensburg geborene Künstlerin zu ihrer Schau. Höhen und Tiefen, Begebenheiten und Gedanken, die Barth inspiriert haben, offenbaren sich. Barth hofft, dass man über ihre Werke ins Gespräch kommt. Nicht zu übersehen ist „Baumstark“ – eine ehemalige Schaufensterbüste, die mit weiteren im ersten Stock gezeigt wird.

In glänzendem Hellgrün und schimmerndem Braun gehalten, ist sie eine Hommage an alle Frauen. Die, so sagt die Künstlerin, „müssen stark und verwurzelt sein.“ Das musste sie selbst erfahren: Die dreifache Mutter hat 2014 ihre jüngste Tochter Rebecca verloren. Sie starb plötzlich und war gerade erst 18 Jahre alt. Zu dieser Zeit wurde das Malen für Barth zur Trauerarbeit. Damals gab sie in Norddeutschland ihre Arbeit in der Tourismusbranche auf, um sich ganz der Kunst zu widmen. „Ich konnte keine 50 Mitarbeiter mehr führen“, sagt sie. In ihrem künstlerischen Schaffen fand sie neue Kraft, die Dinge zu verarbeiten. Inzwischen bietet sie sogar Trauerseminare an, etwa für den Förderverein des Hospizes Cosmas + Damian.

Eichenstühle waren bereits dem Sperrmüll geweiht

Bereits dem Sperrmüll geweiht waren die beiden Eichenstühle, die sie in Essen entdeckte. „Sie wurden Ende des 19. Jahrhunderts gebaut“, weiß sie. Nun haben sie farbig neu gestaltet ein zweites Leben als Kunstobjekte, heißen „Bruder“ und „Schwester“, können aber auch einzeln erworben werden. Das ist noch so eine Idee, der Barth auch in ihrer Malschule in der Nordgalerie nachgeht. Wer liebgewonnene Möbelstücke kreativ umgestalten möchte, kann sich an sie wenden. Am Samstag, 16. November, gibt es einen Workshop zum Thema Objektkunst.

Eine neue Bestimmung haben auch die rund 40 hölzernen Schuhleisten. Die Künstlerin entdeckte die alten Stücke auf einem Flohmarkt und fühlte sich gleich inspiriert. „Ich hatte sofort ein Bild dafür vor Augen“, berichtet sie. Mit Fantasie und frischen Farben verwandelt sie die Leisten in dekorative Unikate. Die erfreuen nicht nur Besitzer im Schuh affinen Borbeck - ob aufgestellt im Regal oder an die Wand gedübelt als Garderobenhaken. Dem Vorsitzenden des Kultur-Historischen Vereins Borbeck, Jürgen Becker, sind zunächst Barths Schuhleisten aufgefallen. „Darüber haben wir uns kennengelernt“, sagt er.

Freude und Leidenschaft beim Schaffen

Und noch etwas will die Künstlerin: Geschichten erzählen. Eine Kostprobe gibt sie am Mittwoch, 16. Oktober, um 15 Uhr in der Alten Cuesterey. Dann will sie auf dem roten Sofa in der Etage sitzen und ihre Texte vorlesen, die vom „kleinen und großen Leben“ erzählen. Ihr Schaffen, so Barth, erfülle sie mit Freude und Leidenschaft. Andere lässt sie gern daran teilhaben.

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