Laienspielgruppe Altendorf

Komödie „Villa Kamilla“ feiert Premiere in Essen-Altendorf

Die Laienspielgruppe Altendorf führt ab 3. November die Komödie „Villa Kamilla“ im Marienheim in Essen-Altendorf, Schmitzstraße 8, auf.

Die Laienspielgruppe Altendorf führt ab 3. November die Komödie „Villa Kamilla“ im Marienheim in Essen-Altendorf, Schmitzstraße 8, auf.

Foto: Joerg Schimmel / FUNKE Foto Services

Essen-Altendorf.  Seit 1991 führen Laienschauspieler jährlich eine Komödie in einem Pfarrsaal in Essen-Altendorf auf. Am 3. November feiern sie erneut Premiere.

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Mit einem Umzugskarton biegt Thomas Rönn um die Ecke. Die Kisten hat er aus seinem Auto vor dem Marienheim an der Schmitzstraße 8 in Essen-Altendorf geholt. Hier probt die Laienspielgruppe (LSG) Altendorf ihr neues Stück. „Bühnen-Deko“, sagt er und geht gleich nochmal zurück zum Wagen. Im hellerleuchteten Pfarrsaal sind die Frauen um kurz vor 20 Uhr noch mit dem Schminken beschäftigt. Auf den Tischen rechts vor der Bühne türmen sich Kosmetikkoffer, Taschen und Perücken. Elke Schramm (47) wirft einen Blick ins Textbuch und zupft sich die Frisur zurecht – Haare ganz in grau, passend zum pflegeleichten Ausgehkleid mit durchgehender Knopfleiste. Die nächsten zwei Stunden ist sie Trude Winkler. „Tach auch“, sagt sie kernig und lässt keinen Zweifel: Die leicht schrullige Bewohnerin der „Villa Kamilla“ redet gern und viel.

25 Frauen und Männer unterhalten die katholische Gemeinde in Essen-Altendorf

Die Geschichte geht gut los: Frisch geschieden zieht Ilse Ortwein (Nicole Prokop) nach 40 Jahren Ehe in eine Wohnung in der „Villa Kamilla“. Das Haus mit dem wohlklingenden Namen ist alles andere als komfortabel. Aber das stört Ilse nicht – zum Leidwesen ihrer Tochter Sandra. Die erleidet beim bloßen Anblick der Immobilie fast einen allergischen Schock. Ilses zweite Tochter Meike hingegen unterstützt die Mutter nach Kräften. Aber dann ist da noch die geldgierige Florence Déjà-vu (Daniela Werdan). Sie hat die Villa vor Kurzem gekauft und will die alten Mieter so schnell wie möglich vor die Tür setzen. Das Chaos nimmt seinen Lauf.

Rund 25 Frauen und Männer – inklusive „Schnittchenhelfer“ – unterhalten die katholische Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt seit 1991 mit witzigen Stücken. Hauptsächlich Komödien stehen auf dem Programm. Die Aufführungen finden immer im November statt, vor dem alljährlichen Weihnachtsstress. Mit „Bunbury“ von Oscar Wilde wagten sich die Laienspieler zum ersten Mal vors Publikum. Das war begeistert und verlangte mehr. Seitdem wird jedes Jahr ein neues Stück für Zuschauer jeden Alters präsentiert, nur 1997 nicht. Da hatte man Babypause.

Seit 21 Jahren spielt die Theatergruppe ununterbrochen

Mit „Der Gast“ von Francis Durbridge wurde die Reihe ab 1998 ohne Unterbrechung fortgesetzt. Im vergangenen Jahr kam „Latein für Töchter“ von Bernd Spehling auf die Bühne, 2017 „Der Westentaschen-Gigolo“ von Iris Klasen. 2016 spielte man Heidi Magers „Glaubersalz zum Nachtisch“ – allesamt Produktionen, die Spaß an trüben Herbsttagen bringen – manchmal unbeabsichtigt. Etwa als sich einer der Darsteller neben statt auf den Sessel setzte oder in der Vorstellung unter einem der LSG-Mitglieder der Stuhl zusammenbrach.

„Hinter der Bühne ist dadurch noch ein Wassereimer umgefallen“, erinnert sich Michael Hilgert und lacht. Die anderen stimmen ein. Er gehört zu den langjährigen Spielern, aber diesmal sitzt er in der Technik. Mit dem Laptop steuert er die Licht- und Scheinwerferanlage, übers i-Pad spielt er Töne exakt auf die Sekunde ein, etwa Telefonklingeln. „Das muss ja alles zur richtigen Zeit passieren.“„Wir proben jetzt den zweiten Akt“, ruft Elke Schramm und legt das 50-seitige Textbuch beiseite. Ihre Einsätze hat sie mit Leuchtstift markiert.

Die Spieler nehmen ihre Plätze ein und tauchen gleich ins Chaos: Schrill schreiend und mit einer gemusterten Duschhaube auf dem Kopf, gehüllt in einen weinroten Frotteeumhang stürmt Sandra Ortwein alias Stefanie Hilgert ins Wohnzimmer. Dort stehen ihre Mutter, Handwerker Manni in blauer Latzhose (Andre Mühlhoff) und natürlich auch Nachbarin Trude. Manni verpasst den Einsatz und holpert durch den Text.

Teamgeist ist der Laienspielgruppe wichtig

Am Ende klappt es ganz gut und die Spieler sammeln sich zur Besprechung am Bühnenrand. Die Rolle der Bösen hat diesmal Daniela Werdan übernommen. „Damit habe ich kein Problem“, erklärt sie. Theaterspielen ist ihr liebstes Hobby. Die Texte lernt sie im Auto von einer CD, die sie immer wieder anhört.

Team-Geist ist der LSG wichtig. „Wir machen alles zusammen, von der Auswahl der Stücke bis zur Aufführung“, betont Stefanie Hilgert, die mit ihrem Mann Michael die Liebe zum Theater teilt. Besonders aufwändig war in diesem Jahr das Bühnenbild. „Da braucht es es viel Ideenreichtum, auf der kleinen Bühne alles zu verwirklichen.“ Es soll eben möglichst echt wirken.

Nun fiebern die Altendorfer Laienspieler der Premiere entgegen. Bis dahin werden sie die Umzugskisten mit den Requisiten noch einige Male rein- und raustragen.

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