Karneval

Ruhrnixen aus Essen-Frohnhausen üben fürs Hoppeditz-Erwachen

Sie freuen sich auf die kommende Karnevalssession: Die Tanzgarde „Ruhrnixen“ der KG Hahnekopp aus Essen-Frohnhausen. Derzeit gehören dazu: Sarah Kinds (vorne) sowie (v.l.) Lea Schöfer, Laura Angeler, Alex Müller, Bela Vincenz, Gaby Laarmann (Trainerin) Melina Steinhausen und Michelle Fernau.

Sie freuen sich auf die kommende Karnevalssession: Die Tanzgarde „Ruhrnixen“ der KG Hahnekopp aus Essen-Frohnhausen. Derzeit gehören dazu: Sarah Kinds (vorne) sowie (v.l.) Lea Schöfer, Laura Angeler, Alex Müller, Bela Vincenz, Gaby Laarmann (Trainerin) Melina Steinhausen und Michelle Fernau.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Essen-Frohnhausen.  Die neue Karnevalssession steht bevor. Die Tanzgarde „Ruhrnixen“ aus Frohnhausen würde sich über weitere Tänzer und Tänzerinnen freuen.

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Auch wenn es bei den 1961 gegründeten „Ruhrnixen“ heute übersichtlich zugeht, der Spaß am Gardetanz ist ihnen anzumerken. Gabriele Laarmann trainiert die ambitionierte Neunertruppe innerhalb der Frohnhauser Karnevalsgesellschaft Hahnekopp einmal pro Woche im Wichernhaus in Holsterhausen. In alten Zeiten hätte die 51-jährige Gardeleiterin den Titel „Kommandeuse“ getragen, wie ihre erste Vorgängerin Ursula Dobbert-Kisters. Vieles erinnert bei diesem Tanzsport ans Militär, angefangen bei den Uniformen nach Vorbildern aus dem 18. Jahrhundert: Dreispitz, weiße Perücken, Gardejacken und dazu kurze Plissee-Röcke mit Schnürstiefeln.

Ihre blau-weißen Uniformen sind das Markenzeichen der Essener Ruhrnixen

Zur Probe erscheinen die acht Tänzerinnen und Tänzer Bela nicht in ihren blau-weißen Uniformen, sondern in „Räuberzivil“. Erste im schlichten Sportdress ist Melina Steinhausen (13). Sie gehört seit vier Jahren zur Truppe, hat vorher in einer anderen Garde getanzt und kann Radschlag und Spagat.

Laura Jane Angeler ist 17 und seit 2016 bei den „Ruhrnixen“. Alexandra Müller (30) mischt seit der Kindheit mit. Gleich, als sie laufen konnte, hat sie Tanzen gelernt. Bis vor zwei Jahren war sie das „Mariechen“ und vollführte in dieser Rolle kunstvolle Sprünge. „Sie ist schließlich meine Nichte“, verrät Trainerin Laarmann stolz.

Im wahrsten Sinne Hahn im Korb ist Bela Vincenz. Der 14-Jährige tanzt nebenbei noch Hip-Hop und fühlt sich wohl unter den Mädchen und Frauen. Selbst mit nur einem Mann im Team kann die kleine Garde auch Kraft erfordernde Hebefiguren bei den Auftritten meistern.

Ehrensenator August Giese spielte früher auf den Proben Live-Musik

Das Aufwärmtraining gleicht dem in anderen Sportarten. Noch marschieren die „Ruhrnixen“ auf der Stelle, lockern gründlich Arme und Beine. Laarmann führt gymnastische Bodenübungen vor, die alle nachmachen. Sie schaut kritisch in die Runde und gibt bisweilen Tipps. „Gut“, lobt sie schließlich zufrieden. Dann geht’s ans Dehnen. Auch das sei wichtig, um Verletzungen vorzubeugen.

Nach 20 Minuten widmet sich die Gruppe dem eigentlichen Hobby. Aus einem Player schallt der „Gardetanz der Teens“. Im Gleichschritt legen die 13- bis 32-Jährigen los, wobei die Schrittfolge – marschmäßig traditionell – mit dem linken Fuß beginnt. Die Choreographie erfordert Synchronität und Präzision.

Früher wurde selbst zu den Proben Live-Musik gespielt: „Onkel“ August Giese, der erste Ehrensenator der KG Hahnekopp, ließ sich das nicht nehmen. Die „Ruhrnixen“ stellten immer wieder mal ein Stadtprinzenpaar, zuletzt mit Julia Bannasch in der Session 2015/16. Zu Turnieren wie noch in den 1970er Jahren fahren die Nixen nicht mehr. Sie tanzen aus „reinem Spaß an der Freud“.

Heute wird kein „Hahnekopp“ mehr abgerissen

Die KG Hahnekopp wurde 99 Jahre vor der Tanzgarde in Frohnhausen gegründet. Sie ist die älteste Karnevalsgesellschaft in Essen und pflegt viele Traditionen. Der Gesellschaft soll Frohnhauser Männern zu verdanken sein, die eine gute Entschuldigung brauchten, um sich regelmäßig treffen und feiern zu können. Und was wäre da besser als ein Verein, der den Frohsinn auf den Fahnen trägt? So hob man schon 1862 den Verein aus der Taufe.

Der Name erinnert an die früher noch übliche Enthauptung eines zuvor getöteten Hahnes, durch die man jährlich den König ermittelte. Seit 2005 nimmt man hierfür aus Tierschutzgründen nur noch Geflügelattrappen.

Zu den Anfängen der Tanzgarde unter Betreuer Ede Dobbert in den 1960er Jahren hatten die Frohnhauser Karnevalisten auch einen Fanfarenzug. „Man wollte mit der Tanzgarde einen Programmpunkt dazugewinnen“, sagt Laarmann. Schließlich waren die Vereinsnarren und -närrinnen damals noch viel auf Karnevalsveranstaltungen im Sauerland unterwegs.

Zu Hoppeditz-Erwachen am Sonntag, 10. November, treten die „Ruhrnixen“ bestens vorbereitet in der Gastronomie der Gemeinde St. Elisabeth an der Dollendorfstraße 51 auf. Dort findet der Ordensfrühschoppen statt.

Wie der Name der Gardegruppe zustande kam, weiß übrigens niemand mehr. Nur eines ist sicher: In Nixenkostümen standen die Tänzerinnen und Tänzer in all den Jahren nie auf der Bühne. Bisher jedenfalls.

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