Privates Theater

Theater Essen-Süd bringt „Shutter Island“ nach Essen-Borbeck

Moritz Mittelberg-Kind (links) und Raphael Batzik proben im Theater Essen-Süd in Borbeck. Das Theater besteht seit fünf Jahren und spielt gerne Vorlage von erfolgreichen Verfilmungen.

Moritz Mittelberg-Kind (links) und Raphael Batzik proben im Theater Essen-Süd in Borbeck. Das Theater besteht seit fünf Jahren und spielt gerne Vorlage von erfolgreichen Verfilmungen.

Foto: Klaus Micke / FUNKE Foto Services

Essen-Borbeck.  Mit „Shutter Island“ feiert das Theater-Süd am Freitag, 25. Oktober, in Essen-Borbeck, Germaniastraße, Premiere. Aufs Publikum wartet Gänsehaut.

Seit August probt das Ensemble in einem ehemaligen Lagerkeller an der Germaniastraße in Borbeck für die jüngste Produktion. Mit „Shutter Island“ kommt ein düsteres Werk auf die kleine Bühne. Kino-Gänger mögen sich an die gleichnamige Verfilmung mit Leonardo DiCaprio erinnern, die 2010 anlief. „Wir orientieren uns jedoch mehr am Roman von Dennis Lehane und haben aus dem Material etwas Eigenes kreiert“, sagt Raphael Batzik. Der 28-Jährige führt mit Moritz Mittelberg-Kind die Regie.

Das Essener Stammpublikum wartet gespannt auf die neue Inszenierung

Die Handlung von „Shutter Island“ dreht sich um US-Marshall Edward „Teddy“ Daniels, gespielt von Dominik Poch. Der Polizist untersucht mit seinem Kollegen Chuck Aule (Sebastian Kubis) das rätselhafte Verschwinden der geistesgestörten Kindsmörderin Rachel Solando (Sarah Künne). Sie ist aus ihrer Zelle im streng bewachten Insel-Spezialgefängnis spurlos entkommen. Die Ermittlungen bringen 90 Minuten Nervenkitzel pur mit Psycho-Thriller-Elementen und aufregenden Szenenwechseln. Und es gibt sogar ein Wasserbecken.

Das Stammpublikum ist seit Wochen gespannt auf die neue Produktion des Theaters Essen-Süd. „Die ersten Vorstellungen sind bereits komplett ausgebucht“, freut sich Schauspieler Moritz Mittelberg-Kind. Der 26-Jährige vertröstet auf Termine im kommenden Jahr. 2020 steht „Shutter Island“ neben anderen Stücken auch immer wieder im Programm.

Zuschauerraum bietet nur 45 Sitzplätze

Mit maximal 45 Plätzen bietet das Anfang 2019 vom Hinterhof im Essener Süden nach Borbeck umgezogene Szenetheater keinen großen Zuschauerraum. Doch für ein kleines Haus ist es gut ausgestattet, vor allem lichttechnisch mit modernen LED-Scheinwerfern. Das Ensemble hat dafür eine fünfstellige Summe investiert. Raphael Batzik: „Das Geld müssen wir erstmal reinspielen.“ Aktuell erhält das Theater keine öffentlichen Fördergelder. „Wir setzen derzeit auf private Spenden und Sponsoren.“

In fünf Jahren seit der Gründung hat die Truppe aus rund zehn haupt- und nebenberuflichen Schauspielern etwa 20 Werke inszeniert. Auch wenn nicht alle Akteure ständig auf der Bühne stehen, sind die Aufführungen profess ionell. „Wer hier mitmacht, bringt fundierte Erfahrung mit“, erklärt Batzik. Mit dem neuen Standort haben die Künstler einen Glücksgriff getan. „Die Borbecker haben uns sehr gut aufgenommen und freuen sich über unser Kulturangebot.“ Neben dem etwa 100 Quadratmeter großen Saal mit Bühne und Bestuhlung gibt es noch 50 Quadratmeter Platz im Erdgeschoss. Aus zwei ehemaligen Büroräumen ist ein Foyer entstanden. Hier können die Zuschauer die Pausen bei Getränken verbringen.

Minimalistische Ausstattung gestattet künstlerische Freiheit

Die minimalistische Ausstattung und einfache Kulissen erlauben auch räumlich künstlerische Freiheit. So packt das Theater Essen-Süd oft seine sieben Sachen, um in ganz Nordrhein-Westfalen aufzutreten, meist in Schulen. Das liegt an einem der beiden Schwerpunkte der Truppe: Klassiker neu zu beleben. Zu dieser Sparte zählen die Inszenierungen von Goethes „Faust“, „Die Marquise von O“, „Nathan der Weise“ sowie „Die Verwandlung“, alles festes Repertoire.

Die zweite Schiene bilden die Stücke zu Verfilmungen. Hierzu gehört auch „Shutter Island“. Auch wenn sie sich als „Ruhrbühne“ betrachten: Bierselige Revierkomödien und andere Schenkelklopfer wollen die Theaterleiter nicht auf die Bühne bringen, sondern bei Klassikern und Filmvorlagen bleiben. Und sie experimentieren und improvisieren gern. „Unsere Arbeit passiert in kleinen, leisen Details. Wir konzentrieren uns auf Körper und Stimme, spielen sehr direkt. Jede Geste, jede Miene, jedes Wort hat Bedeutung“, verrät Batzik. Da heißt es bei „Shutter Island“ also gut aufpassen!

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