Kruzifix

Club-Türsteher in Essen bittet Gast: „Kreuz hinters T-Shirt“

Fühlt sich diskriminiert: Der Gelsenkirchener Nicolai L. trägt ein großes Kreuz. Der Türsteher des Essener Clubs forderte ihn auf, das Kreuz hinter dem T-Shirt zu tragen.

Fühlt sich diskriminiert: Der Gelsenkirchener Nicolai L. trägt ein großes Kreuz. Der Türsteher des Essener Clubs forderte ihn auf, das Kreuz hinter dem T-Shirt zu tragen.

Foto: Oh

Essen.  Nicolai L. steht vorm Tanzclub, aber den Türsteher stören Kette und Kreuz. Der Gast fühlt sich diskriminiert – der Club sieht sich im Recht.

Nachts am angesagten Club „Lucy“ am Rüttenscheider Stern: Nicolai L. möchte hinein, aber der Türsteher lässt ihn nicht. Der 29 Jahre alte Gelsenkirchener behauptet: „Den Türsteher hat mein Kreuz gestört.“ Eine Version, die die Gesellschafterin des Nachtclubs, schroff zurückweist. „Wir haben überhaupt nichts dagegen, dass ein Gast ein Kreuz trägt“, sagt „Lucy“-Besitzerin Eileen Kromberg. Und fügt hinzu: „Wir legen jedoch allergrößten Wert auf Gäste mit gepflegtem Aussehen, das war bei diesem Gast wegen seiner Riesenkette allerdings nicht der Fall.“

Passiert ist die Kruzifix-Kontroverse am vorletzten Wochenende, in der Nacht von Freitag auf Samstag (5. Oktober). „Es war frühmorgens um 1.30 Uhr, ich war mit drei guten Kumpels unterwegs“, berichtet L., der im Unternehmen seiner Eltern als Monteur für Geldspielgeräte arbeitet.

Seine Freunde hätten die Kontrolle bereits passiert, da habe der Türsteher ihn mit einer abweisenden Handbewegung gestoppt und kopfschüttelnd auf Kreuz und Kette gezeigt. „Er bat mich, das Kreuz zu entfernen oder es nicht auffällig zu zeigen“, erinnert sich der 29-Jährige.

„Ich war schockiert und glaubte, der Türsteher würde mich auf den Arm nehmen“

Nicolai L. kann sich nicht daran erinnern, jemals wegen dieses Kreuzes zurückgewiesen worden zu sein. „Ich war in dem Moment schockiert und glaubte zuerst, der Türsteher würde mich auf den Arm nehmen.“ Der Gelsenkirchener sagt von sich selbst, dass er christlich geprägt sei. „Ich habe die Bischöfliche Schule in Stoppenberg besucht, bin jede Woche in die Kirche gegangen.“ Zum Eklat vor dem Club habe er es wegen des Kruzifix-Streits jedoch nicht kommen lassen – auch seinen Freunden zuliebe. „Der Türsteher hat das Kreuz unter mein T-Shirt gesteckt und mich reingelassen“, berichtet L. Erst später geht er zur Zeitung und macht den Fall publik.

„Lucy“-Gesellschafterin Eileen Kromberg nimmt Erik und Peter, ihre beiden Türsteher, demonstrativ in Schutz. Um die Reaktion des Türstehers nachvollziehbar zu machen, bekräftigt sie die Philosophie des Tanzclubs. „Uns geht es nicht um die Religion unserer Gäste, sondern um ein gepflegtes Auftreten.“

Angesagt sei das vor vier Jahren eröffnete Tanz- und Nachtlokal bei jungen Menschen, bevorzugt beim Publikum aus Bredeney, Kettwig und Rüttenscheid. „Wir haben ein tolles Publikum – hübsche Frauen und attraktive Männer.“ Ein Image, das die selbstbewusste Club-Besitzerin sehr offensiv propagiert. Ein Image, mit dem man sich bewusst von Mittelmäßigkeit abheben wolle. „Leider kleiden sich heute viele Menschen nicht schick, wenn sie ausgehen.“

Nacht- und Tanzlokal Lucy – ganz in Pink gehalten und „ein richtiger Mädchenladen“

Das ganz in Pink gehaltene Lokal werde ausschließlich von Frauen geführt und sei „ein richtiger Mädchenladen“, fügt Eileen Kromberg hinzu. Die Fokussierung auf ein „junges, nettes Publikum“ sei auch der Grund dafür, das das „Lucy“ das Lokal in der Stadt mit den wenigsten Handgreiflichkeiten sei.

Auch Nicolai L. sei mit einer „netten Truppe“ unterwegs gewesen. Lediglich wegen seiner „Riesenkette“ sei er gebeten worden, „sein Erscheinungsbild zu optimieren“. Während sich Eileen Kromberg bemüht, den Konflikt niedrig zu hängen, fühlt sich Nicolai L. nach wie vor diskriminiert.

In Gelsenkirchen steht der 29-Jährige für den A-Kreisligisten SV Preußen Sutum im Tor. Nur zwei Spieler seien Deutschstämmige, alle anderen Menschen hätten Migrationshintergrund, aber man respektiere sich und verstehe sich prima. Nicolai L. sagt: „Ich bin anderen Menschen gegenüber tolerant, dasselbe erwarte ich auch von ihnen.“

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