Landespolitik

Der Essener Hendrik Schulte ist Verkehrs-Staatssekretär

Verkehrs-Staatssekretär Hendrik Schulte aus Essen erhält die Ernennungsurkunde von Ministerpräsident Armin Laschet.

Verkehrs-Staatssekretär Hendrik Schulte aus Essen erhält die Ernennungsurkunde von Ministerpräsident Armin Laschet.

Foto: dpa Picture-Alliance / Rolf Vennenbernd

Essen.   Hendrik Schulte, der neue Verkehrs-Staatssekretär, genießt als Leiter großer Infrastrukturprojekte einen Ruf als Macher. Was er über Essen sagt.

Als neuer Staatssekretär im Düsseldorfer Verkehrsministerium bekleidet der Essener Hendrik Schulte ein hochpolitisches Amt. Er ist Mitglied der Landesregierung Laschet und als Amtschef ständiger Vertreter seines Ministers, des CDU-Mannes Hendrik Wüst. Ziemlich unüblich für den deutschen Politbetrieb fehlt dem Kettwiger der richtige Stallgeruch. „Ich bin kein Parteimitglied“, gibt er beim Gespräch im Düsseldorfer Büro unumwunden zu. Fügt aber sogleich an, dass seine „Schnittmenge mit den Wertvorstellungen dieser Landesregierung schon relativ groß“ sei.

Eine weitere Besonderheit dieser Personalie: Es war nicht Schulte, der die Hand fürs hohe Amt gehoben hat. „Die Initiative ging von der Landesregierung aus.“ Beim Blick auf seinen Lebenslauf wird schnell deutlich, warum sie ihn gefragt haben dürften.

Denn der 58 Jahre alte Ingenieur hat sich über Jahre hinweg einen ausgezeichneten Ruf als Chefmanager großer Infrastrukturprojekten erworben – lange für die Hochtief AG und zuletzt für das Bauunternehmen Porr Deutschland. Männern wie ihm traut man zu, das Stauland NRW vom quälenden Stillstand zu befreien.

Wechsel von Top-Posten in der Wirtschaft auf solche in der Politik sind selten in Deutschland

Auf seiner Referenzliste stehen Prestigeprojekte wie die A 7 in Hamburg, die A 8 Augsburg – Ulm, die A 1/A 6 bei Amsterdam und zuletzt die Frankfurter U-Bahnerweiterung. Aus ihm spricht eine gehörige Portion Selbstbewusstsein, wenn er von sich sagt: „Ich habe gelernt, solche Projekte sehr effizient, termingerecht und innerhalb des Kostenrahmens durchzuführen.“

Wechsel von Top-Posten in der Wirtschaft auf solche in der Politik sind eher selten. Hendrik Schulte sieht den Seitenwechsel als große Herausforderung und zitiert den Koalitionsvertrag, der NRW zum Land mit den „schnellsten Genehmigungen“ machen will. Verwundert habe er sich in all den Jahren als Projektleiter und Technischer Geschäftsführer die Augen gerieben, wenn Behörden ein Vierteljahrhundert brauchten, um eine Autobahn zu planen. „In diesen 25 Jahren steckt mehr Potenzial für Beschleunigung“, sagt der Staatssekretär. Ihm ist anzumerken, dass er es ernst meint. Seine zupackende Art legt er auch in seinen auffallend kräftigen Händedruck.

Der Zug, betont er, solle in Zukunft nicht mehr so oft angehalten und zurückgeschoben werden. „Die Mehrheit der Menschen will, dass etwas geschieht, dass die Infrastruktur verbessert, ausgebaut und saniert wird.“

Kritik an der schlechten Nord-Süd-Verbindung in Essen

Nachholbedarf sieht er reichlich im ganzen Land, natürlich auch in seiner eigenen Stadt. Als Essener tue man sich schwer, wenn man mit dem Auto von Nord nach Süd fahren wolle. Aber wie Abhilfe schaffen? „Bestimmt nicht dadurch, dass man neue Schilder aufstellt.“ Es müsse substanziell etwas geschehen.

Meint er etwa die höchst umstrittene A-52-Verlängerung bis zur A 40? Jetzt weicht Schulte geschickt aus und sagt nur: „Lösungen gibt’s viele, aber für solche, die man durch Bauen erreichen kann, muss man auch bereit sein, Geld auszugeben.“ Das Prestigeprojekt Radschnellweg RS 1 wolle er konsequent angehen, dazu gehöre auch der Lückenschluss in Essen. „Denn sonst haben wir einen zweiten Ruhrschleichweg.“

„Mich faszinieren die Monumente der Montanzeit“

In Essen lebt der Verkehrs-Staatssekretär seit gut 25 Jahren. „Ich wollte nicht wieder weg, auch meine Frau und die Söhne fühlen sich in Essen zuhause.“ Die zentrale Lage im Ruhrgebiet sage ihm ebenso zu wie das hochwertige kulturelle Angebot. Zu seinen Lieblingsorten gehöre Zollverein. „Mich faszinieren die Monumente der Montanzeit, die ja auch Zeugnisse der Ingenieurskunst sind.“

Aus seiner leidenschaftlichen Technikbegeisterung macht er kein Hehl. „Ich bin in meiner Denkweise durch und durch Ingenieur, also pragmatisch und zielorientiert“, gesteht er. Dazu gehört auch eine große Portion Zuversicht. Schulte will die Menschen wieder fürs Bauen und für Baustellen begeistern. Und ist vom Gelingen überzeugt. „Wer Menschen mitnehmen möchte, muss es ihnen gut erklären.“

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Hendrik Schulte ist in Wattenscheid aufgewachsen. Er studierte Bauingenieurwesen an der RWTH Aachen und promovierte 1989.

Berufliche Stationen seit 1984: Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft RWTH Aachen; Softwarehaus IEZ AG, Bensheim. Ab 1994: Tätigkeiten bei Firmen des Hoch- und Ingenieurbaus u. a. Porr Dtld und Hochtief AG Essen.

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