Syrien-Offensive

Empfang bei türkischem Generalkonsul: Awo-Chef Essen sagt ab

Kann sich im Moment nicht vorstellen, mit Repräsentanten des türkischen Staates zu feiern: Der Chef der Essener Arbeiterwohlfahrt (Awo) Oliver Kern.

Kann sich im Moment nicht vorstellen, mit Repräsentanten des türkischen Staates zu feiern: Der Chef der Essener Arbeiterwohlfahrt (Awo) Oliver Kern.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen.  Essens Awo-Chef boykottiert den Empfang des türkischen Generalkonsuls. Grund: die Syrien-Offensive und die „autokratische“ Regierung der Türkei.

Wegen der türkischen Militäroffensive in Syrien nimmt der Geschäftsführer der Essener Arbeiterwohlfahrt (Awo), Oliver Kern, nicht am Empfang des türkischen Generalkonsuls am 29. Oktober teil. Der Generalkonsul hatte anlässlich des 96. Jahrestages der Ausrufung der Republik Türkei eingeladen. Doch Kern, der auch Oberbürgermeister-Kandidat der SPD ist, sieht derzeit keinen Grund zum Feiern. „Der gegen das Völkerrecht verstoßende Angriff auf die kurdischen Gebiete in Syrien ist nicht der einzige Grund, warum ich nicht mit Repräsentanten des türkischen Staates feiern kann“, erklärt Kern.

Vielmehr seien die demokratischen Rechte in der Türkei in den vergangenen Jahren so „drastisch eingeschränkt“ worden, dass „von einer freiheitlichen Grundordnung nicht mehr die Rede sein kann“. Nicht zuletzt mache es ihm die Lage der vielen politischen Gefangenen unmöglich, „gemeinsam mit Repräsentanten dieses Systems an die Gründung der türkischen Republik zu erinnern“, begründet Kern seine Absage.

Awo-Chef: „Die Türkei wird von Präsident Recep Tayyip Erdoğan autokratisch regiert“

Kern betont in seiner Stellungnahme, dass er große Sympathie für das türkische Volk hege. Aber: „Gerade als Vertreter der Awo, die sich auf freiheitliche und demokratische Grundwerte beruft, sehe ich die Entwicklung des Landes, das von Präsident Recep Tayyip Erdoğan autokratisch regiert wird, äußerst kritisch.“ Es sei bedauerlich, dass sich das türkische Staatswesen in den letzten Jahren so weit von dem entfernt habe, was Mustafa Kemal Atatürk mit der Gründung der türkischen Republik 1923 angestoßen habe: „Seine Idee war es, die Türkei zu einem modernen, säkularen und an Europa orientierten Staat zu entwickeln. Unter einer Regierung, die die Grundlagen der Menschenrechte nicht respektiert, ist eine solche Entwicklung nicht möglich!“

Es ist nicht Kerns erste Absage an den Generalkonsul. Schon vor zwei Jahren hatte er sich wegen des Demokratieabbaus in dem Land entschlossen, dem Empfang anlässlich des Nationalfeiertags fern zu bleiben. Damals sagten auch andere prominente Gäste ab: Vom Leiter der Alten Synagoge, Uri Kaufmann, über den Essener CDU-Chef Matthias Hauer bis zum Grünen Ratsherrn Walter Wandtke.

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