Nächtliche Attacke

Entsetzen über Brandanschlag auf türkisches Café in Essen

Der Tatort in der Nacht: Bis in die frühen Morgenstunden war die Hubertstraße nach dem Anschlag gesperrt.

Der Tatort in der Nacht: Bis in die frühen Morgenstunden war die Hubertstraße nach dem Anschlag gesperrt.

Foto: Stephan Witte

Essen.   Zwei junge Deutsche kurdischer Herkunft gelten als mutmaßliche Täter der Attacke von Freitag auf ein türkisches Café. OB hat „null Verständnis“.

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Die Spuren des Feuers im Lokal, sie sind vielleicht nicht groß der Rede Wert. Doch das Entsetzen wiegt umso schwerer, nachdem ein türkisches Café an der Hubertstraße im Krayer Norden am späten Freitagabend Ziel eines Brandanschlags geworden ist. Sieben Personen hielten sich gegen 22 Uhr dort auf, als erst Geschosse die Scheiben durchschlugen und dann laut Polizei „mindestens ein Molotow-Cocktail“ ins Innere geworfen wurde.

Die Sache ging glimpflich aus, nur ein Gast erlitt leichte Verletzungen bei dem Versuch, die Flammen zu löschen. Dass die Polizei bereits kurz nach der Tat zwei junge Deutsche kurdischer Abstimmung als mutmaßliche Täter festnahm, nährt bei Beobachtern die Vermutung, der Krayer Norden könne da unversehens über Nacht zum Austragungsort eines internationalen Konflikts geworden sein.

Für Linken-Ratsherr Yilmaz Gültekin keine Überraschung

Yilmaz Gültekin, Linken-Ratsherr aus Steele und selbst Kurde aus dem Südosten der Türkei, sieht das so, und für ihn war diese Form der Eskalation nur eine Frage der Zeit. Er weiß von Übergriffen radikaler Banden zu erzählen und davon, dass es auch in Essen längst gang und gäbe ist, in manchen Moscheen wie auf dem Großmarkt, vor dem Umgang mit Kurden zu warnen: „Es gibt regelrechte Namenslisten. Kauft nicht bei denen, heißt es dann“, so der 29-jährige Gültekin, der in den letzten Tagen selbst an einigen Demonstrationen teilnahm, um gegen die Welle der Verhaftungen von türkischen Oppositionellen mobil zu machen: In der Nacht zum Freitag marschierten sie zum Hauptbahnhof, tags darauf versammelten sie sich zur Mittagszeit am türkischen Generalkonsulat.

Ob die beiden mutmaßlichen Täter, ein 19- und ein 23-Jähriger, aus ihrer Mitte stammen, weiß Gültekin an diesem Sonntagnachmittag noch nicht. Mindestens einer von ihnen stammt aus Essen, so viel ist klar, aber es gibt rund 7000 bis 8000 Kurden in der Stadt.

„Wer sich so verhält, der kann keinen Integrationskurs bestehen“

Für Oberbürgermeister Thomas Kufen ist nur so viel klar: „Wer sich so verhält, der kann keinen Integrationskurs bestehen.“ Er habe, so der OB auf Anfrage, „null Verständnis dafür, wenn auf unseren Straßen in Essen Konflikte aus anderen Ländern ausgetragen werden.“ Umso dankbarer zeigte sich das Stadtoberhaupt, dass es der Polizei und dem eingeschalteten Landeskriminalamt offenbar sehr schnell gelang, die mutmaßlichen Täter dingfest zu machen: „Das war gute Arbeit.“

Wie man ihnen auf die Spur kam, darüber hüllte sich die Polizei gestern in Schweigen: Auf einem Kita-Gelände soll der Anschlag in der Dunkelheit vorbereitet worden sein, die „Antreffsituation und widersprüchliche Aussagen“ machten das Duo nach der Tat verdächtig. Den beiden jungen Leuten wird nun schwere Brandstiftung und versuchter Totschlag vorgeworfen.

Dass damit Ruhe einkehrt, mag der kurdische Ratsherr Gültekin gleichwohl nicht glauben: Er warnt vor Nachahmern, die Stimmung sei danach, auch wenn er und seine Polit-Mitstreiter mahnen, gewaltfrei zu bleiben: „Gewalttätig zu werden ist unschön, wir sollten das hier alles friedlich lösen können.“

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