Haustürgeschäft

Eon entrüstet über die Masche des eigenen Haustürwerbers

Eon versucht, an der Haustür  Strom-Verträge abzuschließen.

Eon versucht, an der Haustür Strom-Verträge abzuschließen.

Foto: Armin Weigel / picture alliance / dpa

Essen.  Eon wollte einem Essener einen Stromvertrag an der Haustür verkaufen. Mit welchem Trick der Werber vorging, verärgerte selbst den Auftraggeber.

Die von Eon angestrebte Fusion mit Innogy ist noch längst nicht in trockenen Tüchern. Und Eon-Chef Johannes Teyssen tut deshalb gerade alles dafür, Befürchtungen entgegenzutreten, dass dieser Zusammenschluss am Ende zu einer derartigen Marktmacht führen wird, dass die Strompreise für die Verbraucher steigen.

Was jedoch der Essener Horst Schmidt* vor kurzem an seiner Haustür erlebt hat, dürfte Teyssen - um es vorsichtig auszudrücken - eher nicht gefallen. Denn da klingelten zwei Männer bei Horst Schmidt und stellten sich als Vertreter von Eon vor. Mit dabei hatten sie einen ausgedruckten Presseartikel mit der Überschrift „Wir fürchten, dass die Endkundenpreise steigen werden“, den sie dem Rentner entgegenhielten. Bei dem Artikel handelte es sich um ein niedergeschriebenes Interview des Deutschlandfunks mit der Vorsitzenden des Bundes der Energieverbraucher, Leonora Holling, das da schon über ein Jahr alt war. Die erwähnte Überschrift gibt ein Zitat aus dem Gespräch wieder.

Laut Horst Schmidt hätten die Eon-Werber behauptet, sie würden eine Umfrage machen. Sie argumentierten dabei genau damit, was das Interview zum Inhalt hatte, nämlich dass die Strompreise steigen könnten.

Horst Schmidt erinnert sich aus dem Gesprächsverlauf, dass er eine Unterschrift leisten sollte. Wofür, das weiß er nicht. Denn er wurde schnell stutzig und unterschrieb nichts. Stattdessen ließ er sich das Blatt mit dem Presseartikel aushändigen. Er wolle es sich in Ruhe durchlesen, meinte er. Die beiden Haustürwerber zogen daraufhin unverrichteter Dinge wieder ab.

Eon-Handelsvertreter reagiert verständnislos

In einem Telefonat mit dieser Zeitung bestätigte später einer der beiden, dass er freier Handelsvertreter und derzeit im Auftrag von Eon unterwegs sei. Sie böten an der Haustür Stromverträge mit einer Preisgarantie bis Ende April 2021 an. Diese Art der Werbung sei doch nichts Ungewöhnliches, meinte er. Womit er grundsätzlich recht hat. Dass er allerdings mit seiner Argumentation an der Haustür seinem Auftraggeber gerade eher einen Bärendienst erweisen könnte, konnte er so nicht nachvollziehen. „Wir machen ja nichts Schlimmes und üben auch keinen Druck auf die Leute aus“, meinte er lediglich. Und außerdem betonten sie doch lediglich, dass die Preise steigen KÖNNTEN. Bei wie vielen Verbrauchern sie mit dieser Masche schon vor der Tür standen und sogar Erfolg hatten, ist nicht bekannt. Es ist aber fest davon auszugehen, dass Horst Schmidt nicht der Einzige war.

Eon: Aussagen sind irreführend

Als diese Zeitung den verantwortlichen Eon-Vertrieb in München mit diesem Sachverhalt konfrontierte, reagierte der alarmiert. Ein Sprecher erklärte: „Die angestrebte Übernahme von Innogy steht in keinem Zusammenhang mit der Entwicklung von Strompreisen für unsere Kunden. Die Aussagen des Handelsvertreters sind irreführend und vollkommen unzutreffend. Sie widersprechen in jedweder Form unserem Anspruch einer seriösen Kundenberatung.“ Alle Vertriebsmitarbeiter und Partner seien angehalten, ausschließlich mit den Produkt- und Tarif-Vorteilen zu argumentieren. Sie würden daraufhin auch intensiv geschult. „Wir nehmen diesen Vorfall zum Anlass, unsere Partner noch einmal ausdrücklich darauf hinzuweisen“, so der Sprecher abschließend.

Horst Schmidt ist die Konzernpolitik von Eon grundsätzlich egal. Er hat generell kein Verständnis dafür, dass Unternehmen ihre Werber an die Haustür schicken. Das Kuriose dabei: Horst Schmidt ist Innogy-Kunde – wie viele Verbraucher in Essen. Und wenn die Fusion zustande kommen sollte, ist er automatisch bei Eon unter Vertrag.

* Name geändert

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