Musikpreis

Essen Jazz Orchestra bekommt „Jazz Pott“ als Team-Trophäe

Jazz-Komponist Tobias Schütte, Leiter des „Essen Jazz Orchestra (re.), erhält von Berthold Klostermann (li.) den „22. Jazz Pott" für sein Ensemble.

Jazz-Komponist Tobias Schütte, Leiter des „Essen Jazz Orchestra (re.), erhält von Berthold Klostermann (li.) den „22. Jazz Pott" für sein Ensemble.

Foto: Sven Thielmann, Essen

Essen.  Ein Preis, 19 glückliche Musiker: Mit dem Essen Jazz Orchestra erhält erstmals ein ganzes Ensemble den „Jazz Pott“. Preisgeld fließt in Debüt-CD

Es ist mittlerweile eine schöne Tradition, dass die neue Saison von „Jazz in Essen“, der von Berthold Klostermann kuratierten Konzertreihe im Grillo-Theater, stets mit der Verleihung des renommierten „Jazz Pott“ eröffnet wird. Auch das Kuratorium der die Reihe fördernden Krupp-Stiftung findet sich zu diesem Ereignis ein, um gemeinsam mit Familienangehörigen des Jazzfans Berthold Beitz zu gedenken. Der hätte an dem 22. Preisträger gewiss seine ganz besondere Freude gehabt.

Denn erstmals wurde mit dem vom inzwischen verstorbenen Plakat-Kunsthof-Chef Viktor Seroneit und dem Schweizer Grafiker Niklaus Troxler initiierten Preis nicht ein einzelner Musiker für wegweisende Leistungen geehrt. In diesem Jahr freuten sich gleich 19 Jazzer in Gestalt des „Essen Jazz Orchestra“(EJO) über die begehrte Trophäe.

Was sogar logistische Probleme aufwarf, schließlich konnte der Laudator nicht allen Künstlern ein Exemplar des von Troxler gestalteten, stählernen „Jazz Pott 2019“ verleihen. Den bekam folglich nur der gerührte EJO-Leiter Tobias Schütte von Berthold Klostermann überreicht, während seine Musiker mit coolen „Jazz Pott“-T-Shirts beglückt wurden. Das von Hagen Rether gestiftete Preisgeld in Höhe von 2000 Euro hatte das EJO schon vorab klug angelegt. Nämlich in die Produktion ihrer Debüt-CD „Roadworks“ (umlandrecords.de), mit deren orchestraler Pracht sich die Big Band-Jazzer für den Preis mehr als nur artig bedankten.

Die Bläser glänzen mit feinen Soli

Faszinierend, wie delikat die Komponisten Tobias Wember und Alex Morsey, aber auch Tobias Schütte opulente Klangfarben schichteten, die mit raffinierten Reibungen und subtilen Stimmführungen spielten. Dem famosen Ruhrpott-Schwaben Andreas Wahl fiel mit seiner packenden E-Gitarre in dem geschmeidig agierenden Ensemble dabei häufig die tragende Rolle zu. Während die Bläser reihum mit feinen Soli glänzten.

Ein abwechslungsreiches erstes Set fächerte die Bandbreite des EJO auf – von einer Kenny Wheeler-Hommage bis hin zu „The Painkiller“, eine musikalische Verneigung vor dem studierten Jazzer und Pharmazeuten Veit Lange. Das zweite Set geriet allerdings noch besser. Denn Tobias Wembers opulente Suite „Roadworks“ bot rhythmisch vertrackt, melodisch attraktiv und hochdynamisch im Flow einen perfekten Auftritt für den fabelhaften Trompeter John-Dennis Renken. Der ließ sein oft gewitzt elektronisch aufgepepptes Horn bis in höchste Lagen strahlen. Packend akzentuiert von Wahls E-Gitarre und Hajo Wiesemann am flirrenden Rhodes, bewies das „Essen Jazz Orchestra“ hier endgültig, warum es ein würdiger „Jazz Pott“-Preisträger ist und zurecht von den Zuhörern bejubelt wurde.

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