Freibäder

Angriff auf Bademeister: Essener Bad verdoppelt Security

Mitarbeiter der Sicherheitsfirma „IHS Security“ aus Essen patrouillieren am vergangenen Sonntag durch das Grugabad. Das Unternehmen sorgt auch in den anderen städtischen Freibädern für Sicherheit.

Mitarbeiter der Sicherheitsfirma „IHS Security“ aus Essen patrouillieren am vergangenen Sonntag durch das Grugabad. Das Unternehmen sorgt auch in den anderen städtischen Freibädern für Sicherheit.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Eine Gruppe junger Männer provoziert und schlägt im Essener Oststadtbad einen Schwimmmeister. An Hitzetagen sorgt Security-Firma für Sicherheit.

Tatort Freibad: Nach den Prügelszenen im Essener Oststadtbad steht das Thema Sicherheit wieder auf der Tagesordnung. „Ohne Sicherheitsleute geht an heißen Tagen nichts“, sagt ein Essener Schwimmmeister und fügt hinzu: „Bei bestimmten Leuten ist der Respekt gegenüber dem Aufsichtspersonal zu 100 Prozent weg.“

Das Oststadtbad Montag gegen 18.30 Uhr: Etwa acht junge Männer hätten nach Polizeiangaben die Bademeister provoziert, indem sie sie aus dem Becken heraus mit Wasser bespritzten. Als der jüngere Bademeister (22) sie aufforderte damit aufzuhören, seien sie aus dem Wasser gestiegen. Einer von ihnen schlug dem Bademeister aufs Ohr. Der ältere Schwimmmeister (31) wurde ebenfalls körperlich angegangen. Als schließlich der dritte Schwimmmeister die Polizei rufen wollte, türmte die Gruppe. Dabei soll einer von ihnen einem Mädchen (12) in den Bauch geboxt haben. Das Mädchen und einer der beiden Schwimmmeister wurden ins Krankenhaus gebracht. „Über die Respektlosigkeit der Täter bin ich empört“, sagte OB Thomas Kufen. „Neben einer strafrechtlichen Anzeige wird gegen die Angreifer auch ein Hausverbot ausgesprochen.“

Je höher die Temperaturen, desto höher der Sicherheitsaufwand: Das Grugabad, eines der größten Freibäder in Deutschland, fährt seit Jahren eine Null-Toleranz-Strategie. An Hitzetagen, wenn 7000 Badegäste und mehr hier Abkühlung suchen, wird die Zahl des Sicherheitspersonals deutlich erhöht. Am vergangenen Sonntag sorgten acht Männer von IHS-Security für Ruhe und Ordnung. Sie haben Hausrecht: Wer sich nicht an die Regeln hält, fängt sich ein Hausverbot ein, das auch für die anderen Freibäder der Stadt gilt.

„Leute, die auf Krawall gebürstet sind, lasse ich erst gar nicht ins Bad“, betont Sven Conrads. Der Leiter des Hesse-Bads übernimmt regelmäßig auch den Dienst an der Kasse. „Um Ruhe im Bad zu haben, verzichte ich gerne auf 50 verkaufte Eintrittskarten.“ Ein kleiner Erfolg: Die kleineren, vereinsgeführten Bäder Hesse (Ruwa Dellwig) und „Steele 11“ kommen noch ohne Security aus.

Zwei Jugendliche beschimpfen Schwimmmeister als „Scheiß-Nazis“

Respektlosigkeiten seien an Hitzetagen auch im eher familiären Dellwiger Bad an der Tagesordnung. Zum Beispiel Montag um 19.30 Uhr am Ende der Badezeit. „Als die Kollegen zwei Jugendliche freundlich aufforderten, die Becken zu verlassen, wurde sie als ‘Scheißnazis’ beschimpft“, berichtet Conrads. Die Situation eskalierte, als die renitenten Badegäste das Becken verließen, um sofort wieder ins Wasser zu springen. Als der Badleiter die Jugendlichen daraufhin mit einem 14-tägigen Hausverbot belegen wollte, hätten sie angegeben, gar keine Personaldokumente bei sich zu haben. „Erst als ich damit drohte, die Polizei zu rufen, holten sie ihre Papiere plötzlich doch hervor.“

Ahmad Tamiz ist Geschäftsführer von IHS-Security, dem Unternehmen, das das private Sicherheitspersonal in den Essener Freibädern stellt. Seinen Angaben zufolge hätten sich Montagabend im Oststadtbad zwölf junge Libanesen zusammengetan. „Die Situation war verdammt gefährlich“, sagt er. Die Leute würden bandenmäßig auftreten. „Sie fühlen sich stark und machen, was sie wollen.“ Montag hätten sich nur drei IHS-Securityleute im Oststadtbad aufgehalten. Nach der Prügelattacke habe der Betriebsleiter Dienstagmorgen um Verstärkung gebeten. „Heute sind sechs Sicherheitsleute im Dienst“, sagt Tamiz.

Respektlosigkeiten und Rüpeleien, Provokationen und Übergriffe: „80 Prozent dieser Vorkommnisse gehen auf das Konto von Menschen mit Migrationshintergrund“, schätzt Hesse-Badleiter Conrads. „Keine Flüchtlinge, sondern solche, die hier geboren und aufgewachsen sind.“

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