Klimaschutz

Essener CDU trifft Klimaschützer von „Fridays for Future“

Lasst euch umarmen, scheint CDU-Ratsherr Dirk Kalweit (re.) sagen zu wollen. Doch Moritz Rothe (stehend) guckt skeptisch drein. Die Klimaschützer von „Fridays for Future“ wollen sich nicht vereinnahmen lassen.

Lasst euch umarmen, scheint CDU-Ratsherr Dirk Kalweit (re.) sagen zu wollen. Doch Moritz Rothe (stehend) guckt skeptisch drein. Die Klimaschützer von „Fridays for Future“ wollen sich nicht vereinnahmen lassen.

Foto: Foto: STEFAN AREND

Essen.  Vegane Kost statt Würstchen vom Grill: Beim politischen Barbecue der CDU im Grugapark tauschten sich Christdemokraten und Klimaaktivisten aus.

CDU trifft „Fridays for Future“: Eigentlich hatten sie über das Thema Rente sprechen wollen am Freitagabend beim politischen Sommerbarbecue, zu dem der Evangelische Arbeitskreis, die Junge Union und die Ost- und Mitteldeutsche Vereinigung der Essener CDU alljährlich in den Grugapark einlädt. Aber irgendwie hängt ja alles miteinander zusammen. Die Rente ist für Moritz Rothe ganz weit weg. Und was aus der Erde geworden ist, wenn er erst einmal das Rentenalter erreicht hat? Der 19-Jährige, der gerade sein Abi auf der Frida-Levy-Gesamtschule gebaut hat, ist da nicht sonderlich optimistisch. Denn der Klimawandel ist da. Und die Politik tut viel zu wenig dagegen, allen voran die CDU, findet Moritz.

Die sucht immerhin das Gespräch. Und so waren die Klimaschutz-Aktivisten erst einmal basserstaunt, als der Kupferdreher CDU-Ratsherr Dirk Kalweit sie zu einem Meinungsaustausch zum politischen Sommerbarbecue einlud. Dem Dialog verschließen wollten sie sich nicht. „Man darf die Hoffnung ja nicht aufgeben“, sagt Ursula Heim, 31, die wie Moritz Rothe zum Orga-Team von „Fridays for Future“ gehört, das zu den Freitagsdemonstrationen in der Innenstadt aufruft.

Blogger Rezo und das Abschneiden bei der Europawahl haben die CDU nervös gemacht

Ja, die Christdemokraten sind nervös geworden. Nicht erst seit Blogger Rezo in einem Youtube-Video die „Zerstörung der CDU“ ausgerufen hat und die Partei kurz danach bei der Europawahl regelrecht abgeschmiert ist. Sogar seine Segler-Kameraden, sonst klassische CDU-Wähler, hätten ihm gesagt, dass sie ihre Stimme nicht mehr der CDU geben, berichtet Dirk Kalweit. Warum nicht? Einige hätten selbst Kinder im Alter derer, die bei „Fridays-for-Future“ mitmachen. Andere seien enttäuscht darüber, „dass es uns in zwanzig Jahren nicht gelungen ist, für eine vernünftige Radwegeverbindung vom Essener Süden in die Innenstadt zu sorgen.“ Es gibt genügend Baustellen. Und niemand in der CDU solle glauben, der „Hype“ um den Klimaschutz werde schon wieder vorübergehen, warnt Kalweit.

Moritz Rothe und seine Freunde haben längst den Eindruck gewonnen, dass „die Politik nichts macht, wenn wir keinen Druck machen“. Enttäuscht sind sie, weil der Essener Stadtrat sich einer Ausrufung des Klimanotstandes verweigert hat. Auch die CDU-Fraktion stimmte dagegen. Es sei weniger über Inhalte diskutiert worden als über die Frage, ob Klimanotstand das richtige Wort sei. Dem Ernst der Sache werde das nicht angemessen.

Den Klimaschützern von „Fridays for Future“ geht es um das große Ganze

In der Runde nicken einige verständnisvoll. Eine ältere Dame findet es „unmöglich“, dass die Jugendlichen, die sich bei „Fridays for Future“ engagieren, zuallererst als Schulschwänzer wahrgenommen worden seien. Wir nehmen euch und eure Sorgen ernst, lautet die Botschaft. Aber tritt die CDU nicht auf die Bremse, wenn es um die Einrichtung einer Umweltspur in der Innenstadt geht? Und hat ihr Kreisparteitag nicht gerade erst beschlossen, dass am Flughafen Essen/Mülheim weiter geflogen werden soll, möglicherweise auch über das Jahr 2034 hinaus, wenn dort eigentlich Schluss sein soll mit der Fliegerei? Es sind als widersprüchlich empfundene Signale einer Volkspartei, die bemüht ist, viele Interessen unter einen Hut zu bekommen.

Auch „Fridays for Future“ geht es um das große Ganze. Um die Verkehrswende, um CO2-Neutralität, um den Kohleausstieg, um weniger Flugbewegungen. „Wir fordern nichts anderes als die Wissenschaft“, sagt Moritz Rothe in Anspielung an die „Scientists for Future“, welche die Forderungen der Jugendlichen unterstützen. Die Diskussion, die sich daran entzündet“, erinnert zuweilen an ein Vorstellungsgespräch. Vereinnahmen lassen wollten die Klimaschützer sich nicht, darauf hatten sie großen Wert gelegt. Aber brav beantworten sie die von Dirk Kalweit moderierten Fragen. Nicht jeder in der Runde ist überzeugt: Schneller aus der Kohle aussteigen? Geht das überhaupt? Stand die Stromversorgung nicht schon ein paar Mal kurz vor dem Blackout?“, fragt eine in die Runde. Das Grillgut ist da längst gar. Es gibt weder Fleisch noch Würtchen, sondern vegane Kost und Gemüse am Spieß. Zumindest das Essen ist ganz nach dem Geschmack der jugendlichen Gäste.

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