Kriminalität

Essener Gericht verurteilt Serienräuber zu 13 Jahren Haft

Der Angeklagte (links) neben seinem Verteidiger Ulrich Endres.

Der Angeklagte (links) neben seinem Verteidiger Ulrich Endres.

Foto: Jörn Hartwich

Essen.   Seine Spezialität waren Spielhallenüberfälle auch in Essen, Pfefferspray und Brecheisen seine Waffen. Jetzt muss ein 35-Jähriger lange in Haft.

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Er war der Mann mit der Glatze und dem Brecheisen. Sein Foto war in vielen Spielhallen zur Warnung verteilt worden. Trotzdem ist es einem Vater aus Frankfurt immer wieder gelungen, neue Überfälle zu begehen - auch in Essen. Am Mittwoch ist der 35-Jährige zu 13 Jahren Haft verurteilt worden.

Zielfahnder hatten den Angeklagten Ende 2016 in Brüssel auf offener Straße festgenommen. Sie hatten herausgefunden, dass dort eine Tante wohnte und sie offenbar heimlich beschattet. Als der 35-Jährige sie schließlich besuchte, schlugen sie zu.

Juristische Spur des Spielhallenräubers zieht sich durch ganz NRW

Was folgte war eine Odyssee durch die Gerichte. Erst war das Landgericht Aachen am Zug, dann Düsseldorf, Köln und nun Essen. Überall wurden einzelne Überfälle verhandelt, die immer nach demselben Muster abliefen. Die Strafe wurde dabei immer höher. Bis die Richter am Landgericht Essen nun einen Schlussstrich gezogen haben. Elf Überfälle stehen nun im Urteil. Das soll jetzt endgültig alles gewesen sein.

In Essen hat der Angeklagte zwei Spielhallen überfallen. Die erste im Juni 2015 an der Hindenburgstraße, die zweite im Februar 2016 an der Steeler Straße. Er bedrohte die Kassierer, sprühte ihnen Pfefferspray ins Gesicht, hebelte die Geldautomaten mit einem Brecheisen auf. Die Beute belief sich auf mehrere tausend Euro.

Ein 60-jähriger Mann, der in einer Spielhalle in Essen Aufsicht führte, leidet noch heute unter dem Überfall

Eines der Opfer, ein 60-jähriger Mann, der damals an der Hindenburgstraße Aufsicht führte, ist danach nie wieder auf die Beine gekommen. „Er kann nicht mehr arbeiten, kämpft vor dem Sozialgericht um Verletztenrente und um die Genehmigung weiterer therapeutischer Maßnahmen“, sagte sein Anwalt Tobias Degener im Prozess.

Der Angeklagte hatte sich darüber offenbar keine Gedanken gemacht. „Er war in einer desolaten persönlichen Situation“, sagte sein Verteidiger Ulrich Endres.

Schwarzes Schaf einer marokkanischen Gastarbeiterfamilie

Der 35-Jährige war das schwarze Schaf einer marokkanischen Gastarbeiterfamilie, die schon seit den 1970er Jahren in Deutschland ist. Eltern und Geschwister haben immer gearbeitet, nur der Angeklagte machte lieber die Nacht zum Tag. Bis ihn der Vater rausschmiss. Es folgten Straftaten, Kokain-Exzesse und ein Leben in Hotels und bei Freunden. Das Geld besorgte er sich durch die Überfälle. In vielen Spielhallen waren schon Warnfotos aufgehängt. Weil der Angeklagte nie maskiert war. Trotzdem ging die Serie immer weiter.

Wegen seiner Drogensucht kann er einen Teil der Haft allerdings in einer geschlossenen Therapieeinrichtung verbringen. „Er war hochgradig kokainsüchtig“, sagte Richterin Gabriele Jürgensen. „Dadurch hatte er einen Finanzbedarf, der auch die Möglichkeiten gut verdienender Personen überstiegen hat. “

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