Kino und Corona

Essener Kinos öffnen trotz Corona: ein Neustart mit Känguru

Wissen, wo’s langgeht. Christiane Hüls, Mitarbeiterin der Lichtburg, präsentiert die Schilder mit Hinweisen, an die sich Kinobesucher in nächster Zeit halten müssen.

Wissen, wo’s langgeht. Christiane Hüls, Mitarbeiterin der Lichtburg, präsentiert die Schilder mit Hinweisen, an die sich Kinobesucher in nächster Zeit halten müssen.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Lichtburg und Eulenspiegel öffnen ab 30. Mai wieder die Säle. Auch das Cinemaxx bietet Kinounterhaltung mit Abstandsgebot. Klassiker im Programm.

Ein Kinowesen hat die Corona-Krise einigermaßen schadlos durchhoppelt. Das Beuteltier aus Dani Levis Buchverfilmung „Känguru-Chroniken“ war vor dem Shutdown auf der Leinwand. Und es wird auch am Samstag wieder seine frechen Sprüche machen, wenn die erste Kinovorstellung nach Wochen in der Lichtburg startet. Auch das Eulenspiegel-Kino gehört zu den Kinos, die ab dem 30. Mai wieder fürs Publikum öffnen. Ebenso das Essener Cinemaxx, das sein Publikum ab dem Pfingstwochenende neben den Känguru-Chroniken auch mit Klassikern wie „Dirty Dancing“ zurückerobern möchte.

In der Lichtburg werden vorerst etwa zehn Prozent der Sitze zur Verfügung stehen

Wie viele Kinogäste kommen werden? Lichtburg-Chefin Marianne Menze mag das nicht abschätzen. Aber seit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet vor einiger Zeit Lockerungen vom Lockdown für Kinos und Theater Ende Mai in Aussicht gestellt hat, laufen in den Essener Filmkunsttheatern die Vorbereitungen, um die beiden Kinos nach allen geltenden Schutz- und Hygiene-Auflagen wieder öffnen zu können. So werden in Deutschlands größtem Filmpalast, der Lichtburg, vorerst etwa zehn Prozent der insgesamt 1250 Sitze zur Verfügung stehen. Dort werden die Sitze mit ausreichend Lücken über das Buchungssystem vergeben.

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m Eulenspiegel-Kino werden Platzanweiser darüber wachen, dass sich die zwischen 40 und 50 zugelassenen Zuschauer nach den vorgegebenen Abstandsregeln im Saal verteilen. Im Cinemaxx am Berliner Platz will man die Abstandsregeleinhaltung auch durch einen zeitversetzten Filmstart und Auslass unterstützen. Beim Betreten und Verlassen der Kinosäle sowie bei Toilettenbesuchen während der Vorstellungen gilt in den Häusern eine Maskenpflicht. Jeder Besucher muss seine Kontaktdaten hinterlassen.

Marianne Menze jedenfalls ist trotz aller Beschränkungen und der erwartbaren Mindereinnahmen froh, dass es wieder losgeht. Auch wenn es zum coronakrise- lichtburg-chefin bangt um die essener kinoszeneregulären Kinobetrieb noch ein weiter Weg ist. Denn die großen, zugkräftigen Filmstarts werden zunächst einmal fehlen. Der Lichtspielhaus-Verband AG Kino hatte sogar für einen bundesweit einheitlichen Start erst Anfang Juli geworben, wenn wieder mehr neue Filme auf dem Markt sind und einheitlich beworben werden können. Doch Menze will nach der überwältigenden Resonanz der Essener Kinofreunde, die in den vergangenen Wochen über 100.000 Euro für den Erhalt der Essener Filmkunsttheater gespendet haben, nicht länger warten.

Lieblingsfilme von „La Dolce Vita“ bis „Matrix“ sind zu sehen

Und so präsentiert sie in der Lichtburg in den kommenden Wochen einen Repertoire-Mix, der in dieser Form einzigartig bleiben dürfte. Mit eigenen und Publikumsfavoriten von „Matrix“ bis „La Dolce Vita“, von „Singing in the Rain“ bis „Bohemian Rhapsody“. Im Cinemaxx bringt man Oscar-Erfolge wie „Joker“ ebenso auf die Leinwand wie die Neuverfilmung von „Lassie“. Auch im Eulenspiegel wird es erste Previews und Kinoklassiker geben, ebenso wie Dokumentationen und Kinderfilme

Der „kleine Ritt durch die Filmgeschichte“, so Menze, soll die Zeit überbrücken, bis wieder aktuelle Kinohits auf dem Markt sind. Doch das wird seine Zeit brauchen. „Internationale Filme brauchen auch den internationalen Markt“, weiß die Kinochefin. So bleibt erst mal die Hoffnung, dass James Bond der Pandemie möglicht ebenso rasch die Stirn bietet wie andere Blockbuster-Helden. Schon im Juni könnte die Romanverfilmung von „Berlin Alexanderplatz“ für den ersten größeren Filmstart sorgen, hofft Menze. Bis dahin bleibt das kommunistische Känguru der Kinoheld der Corona-Krise.

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