Serientäter

Essener Polizei warnt Frauen: Stadtwald im Dunkeln meiden

Dirk Nelle, Bezirksbeamter von Bredeney, geht am Mittwochmorgen im Stadtwald Streife – nur wenige Hundert Meter entfernt von der Einmündung Berenberger Mark, wo der Sex-Täter Rosenmontag eine Frau vergewaltigen wollte.

Dirk Nelle, Bezirksbeamter von Bredeney, geht am Mittwochmorgen im Stadtwald Streife – nur wenige Hundert Meter entfernt von der Einmündung Berenberger Mark, wo der Sex-Täter Rosenmontag eine Frau vergewaltigen wollte.

Foto: Gerd Niewerth

Essen.   Auf dem Parkplatz im Stadtwald treffen sich Hundefreunde, Jogger und Spaziergänger. In der Nähe passierten die Sex-Taten. Frauen sind geschockt.

Drei brutale Sexualdelikte innerhalb von nur drei Monaten – im Stadtwald geht bei Frauen die Angst vor dem gefährlichen Sex-Gangster um. Drei Mal hat der Unbekannte im Schutze der Dunkelheit zugeschlagen, zuletzt in den Abendstunden des Rosenmontag. Während die Kollegen des Kriminalkommissariats mit Hochdruck ermitteln, zeigt Dirk Nelle, der Bezirksbeamte von Bredeney, am Mittwochmorgen demonstrativ Präsenz.

Der Polizist geht auf der Frankenstraße erneut Streife. „Am Dienstag war ich auch hier“, sagt er. Seine Anwesenheit soll beruhigend wirken, das „subjektive Sicherheitsgefühl“ der Menschen stärken. Nelle hat soeben den Tatort von Rosenmontag passiert – Frankenstraße/Ecke Berenberger Mark - und steuert nun am Denkmal Zweigertstein vorbei den Parkplatz Ägidiusstraße ein. Ein beliebter und stark frequentierter Treff für Jogger, Hundefreunde und Spaziergänger.

Über die brutale Messerattacke sagen die Frauen: „Das ist echt hart“

„Ich komme jeden Morgen hierhin“, sagt Helena Siebrecht aus Rüttenscheid. Die Rentnerin geht mit ihrem Riesenschnauzer Breston Gassi und trifft andere Frauen mit Hund. Die meisten kennen sich seit Jahren. „Früher bin ich hier alleine gejoggt“, sagt sie. Überhaupt sei sie vorsichtig geworden. „Dauernd begegnet man schrägen Typen.“ Ihre Freundin Susanne Seel pflichtet ihr bei. „Ich denke eigentlich nie an was Schlechtes, aber ich bin auch sehr vorsichtig geworden.“ Was die beiden Frauen regelrecht schockiert, ist die Tatsache, dass der Täter am Montag mit einem Messer bewaffnet war. „Das ist echt hart.“

Der Stadtwald ist ein Areal der Ruhe und Erholung im Essener Süden. „Das Jogging-Paradies“, nennen sie diese grüne Oase mit dem weit verzweigten Wegenetz. Die Kehrseite: Abends ist der Wald links und rechts der breiten und über hunderte Meter völlig unbebauten Frankenstraße menschenleer. Kommt der Sex-Täter deshalb hierher?

Für Dirk Nelle, den Bezirksbeamte, steht fest, dass der Unbekannte die etwa 40 Jahre alte Fußgängerin am Rosenmontag vergewaltigen wollte. Was rät er Frauen, die nun verunsichert sind? „Auf keinen Fall sollte eine Frau in der dunklen Jahreszeit abends nach neun Uhr durch den Wald laufen“, erwidert er. Und Pfefferspray? Zu diesem beliebten Selbstverteidigungsmittel hat die Polizei ein gespaltenes Verhältnis. „Aber in diesem Fall hat es genutzt“, fügt der Polizist hinzu.

„Der Mann, den wir suchen, kommt nicht von hier“

Schon seit 14 Jahren versieht er seinen Dienst im nahen Bredeney, auf dem Land würde man ihn „Dorfsheriff“ nennen. „Ich kenne gefühlt jeden hier“, sagt er. „Deshalb bin ich mir sicher: Der Mann, den wir suchen, kommt nicht von hier.“

Womöglich ist der Unbekannte nach der Tat zum Stadtwaldplatz gerannt und dort in ein öffentliches Verkehrsmittel gestiegen. Die Kundin eines Feinkostgeschäftes in der Nähe sagt: „Ich gehe nicht mehr allein in den Wald.“ Auch in ihrer Nachbarschaft in Bergerhausen habe es letztes Jahr eine versuchte Vergewaltigung gegeben.

„Ich meide einsame Orte, wo mich jemand ins Gebüsch ziehen könnte“, sagt die 60-Jährige – und berichtet von einem traumatischen Erlebnis vor 30 Jahren. Ein Mann habe sie damals verfolgt, worauf sie weggerannt sei und in einem Hauseingang Schutz gesucht habe. „Dieses beklemmende, unheimliche Gefühl, wenn jemand hinter mir hergeht, lässt mich nie mehr los.“

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