Städtische Immobilien

Zwei alte Stahlhallen kosten Stadt Essen halbe Million Euro

Das Hallengrundstück im Gewerbegebiet am Hesselbruch wurde jahrzehntelang von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk genutzt. Nach deren Abschied wird’s nun teuer – und die Politik fragt sich, warum.

Das Hallengrundstück im Gewerbegebiet am Hesselbruch wurde jahrzehntelang von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk genutzt. Nach deren Abschied wird’s nun teuer – und die Politik fragt sich, warum.

Foto: Foto: Hans Blossey

Essen.   Eine halbe Million Euro Schadenersatz für zwei 39 Jahre alte Stahlhallen zahlt die Stadt Essen. Und es könnte noch deutlich mehr werden.

Wie man Brände löscht und eingeklemmte Autofahrer befreit, wie man Dutzende Verletzte auf einmal versorgt und zügig Unfallstellen räumt, das haben sie hier ein ums andere Mal geübt: Das weitläufige Gelände Im Hesselbruch in Bergeborbeck war für freiwillige Feuerwehr und Technisches Hilfswerk ein guter Tummelplatz, um den Umgang mit Katastrophen aller Art zu üben. Die finanzielle aber haben sie dabei nicht verhindern können.

Dies bekamen die mit Bau und Planung befassten Ausschüsse des Stadtrates dieser Tage in nichtöffentlicher Sitzung schriftlich: Um sich aus dem Mietvertrag für das 21.500 Quadratmeter große und längst geräumte Grundstück im Gewerbegebiet zu winden, muss die Stadt offenbar mehr als eine halbe Million Euro Entschädigung blechen – für ein Areal mit zwei Stahlbau-Hallen, die vor geschlagenen 39 Jahren errichtet wurden.

Ein Zeitwert von 520.000 Euro nach 39 Jahren

„Eine Sauerei“, sagt einer aus der staunenden Politikerschar, die am kommenden Mittwoch im Rat abschließend ihren Segen dazu geben soll. Dahinter steckt die Überlegung, dass doch eigentlich nur ein wahrer Prachtbau nach fast vier

Jahrzehnten noch einen Zeitwert von 520.000 Euro rechtfertigen kann und nicht zwei schlichte Stahlhallen.

Dabei liegt die Sache etwas komplizierter: Dem Vernehmen nach war der Stadt Essen zehn Jahre nach Beginn des Mietvertrags, also 1992, die Gelegenheit zum Kauf der Hallen eingeräumt worden. Man lehnte, so heißt es, dankend ab und zahlt seither munter eine beachtliche Miete – zuletzt in einer Größenordnung von knapp 85.000 Euro.

Einzelheiten? Da verweist die Stadt auf den Datenschutz

Dem technischen Hilfswerk wurden gut 9000 Euro mehr abgeknöpft, so steht es in der Verwaltungsvorlage, die ganz nebenbei noch dokumentiert, dass diese Stadt so klamm offenbar nicht sein kann, denn das THW wie auch die freiwillige Feuerwehr räumten das Areal bereits Ende 2017. Seither wird die Miete gezahlt, ohne dass ein erkennbarer Nutzen vorliegt.

Kein Wunder, dass die Stadt etwas einsilbig wird, wenn man nach Hintergründen fragt: Vertraglich vereinbart sei ein Rückkauf der Hallen, wenn diese nicht mehr benötigt würden. Warum da nach 39 Jahren noch so viel Geld fällig ist, darüber kein Wort, man verweist auf schützenswerte Daten der Vertragspartner. Zufrieden stellt das allein Beate Z., die Rechtsnachfolgerin des einstigen Bauherrn.

Baureif machen für bis zu 2,5 Millionen Euro

Immerhin hat die Essener Wirtschaftsförderung mittlerweile einen Folgenutzer an der Hand – ein mittelständisches Unternehmen aus der Nähe, dass sich erweitern und das Grundstück deshalb kaufen will. Als Kaufpreis steht ein Betrag von 1,6 Millionen Euro im Raum, der allerdings nur unter der Voraussetzung, dass das Areal auch baureif übergeben wird – das bedeutet: ohne Aufbauten, Gründungserschwernisse, Altlasten und Bodenverunreinigungen.

Die Kosten hierfür schätzt die Stadt überschlägig auf rund 500.000 Euro, wenn’s hart kommt sogar auf bis zu 2,5 Millionen.

Bei dieser Bilanz, so scheint’s, gibt es auch für Feuerwehr und THW nichts mehr zu retten.

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