Segelmacherei

Frischer Wind in der Essener Segelmacherei

Sascha Gardy und die Näherinnen bzw. ehemaligen Mitarbeiterinnen der Segelmacherei Gudrun Strupat, Jutta Hansen und Sabine Weidner (v.l).

Sascha Gardy und die Näherinnen bzw. ehemaligen Mitarbeiterinnen der Segelmacherei Gudrun Strupat, Jutta Hansen und Sabine Weidner (v.l).

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Essen.  Der erfolgreiche Segelsportler Lars Hansen gründete 1980 in Essen eine Segelmacherei. Nun gibt es für das brachliegende Geschäft eine Nachfolge.

Eine Segelmacherei zu betreiben im Binnenland, mitten im Pott? Sascha Gardy muss sich gerade dieselbe Frage anhören wie schon Lars Hansen vor 40 Jahren. „Ja, das reizt mich“, antwortet Sascha Gardy dann. Und seine Antwort dürfte eine ähnliche sein, wie sie auch Lars Hansen damals gegeben hat. Hansen war Mitglied beim Etuf gewesen und ein begeisterter und erfolgreicher Drachensegler. Mehrfach gewann er den NRW-Cup. Er gründete 1980 in Essen eine Segelmacherei, die zunächst an der Schützenbahn saß und später an der Schederhofstraße, wo der Zweck der Unternehmung auch in den Fensterscheiben zu lesen war.

Schon damals kamen nicht nur Kunden, die über den Baldeneysee oder einen der anderen Ruhrseen schipperten, und die ihre Segel bei Hansen kauften und später auch reparieren ließen. Auch Sportler, die ihre Boote in Holland liegen hatten, nutzten im Herbst und Winter die Dienstleistungen der Essener Segelmacherei. „Das Geschäft wurde immer größer. Selbst bis nach Italien lieferten wir die Segel“, erinnert sich Jutta Hansen, Mitarbeiterin der ersten Stunde. Trotz des gleichen Nachnamens ist sie mit dem Gründer nicht verwandt.

Beilken Sails aus Bremen führte zuletzt die Essener Segelmacherei

Nun möchte der Essener Sascha Gardy das Erbe des 2010 verstorbenen Lars Hansen fortführen. Der 43-Jährige war übrigens als Schüler der erste Praktikant in Hansens Segelmacherei gewesen und half beim Maßnehmen oder beim Ausliefern. Später kam Gardy, der selbst Segelsportler ist, mit seinen Segeln regelmäßig in die Schederhofstraße.

„Doch nun wissen viele Segler nicht mehr, wohin sie ihre Segel zur Reparatur oder Wäsche hinbringen sollen“, sagt Gardy. Viele im Verein hätten ihn gefragt, ob er das nicht weiter machen will. Bis vor Kurzem nämlich hatte das Unternehmen Beilken Sails aus Bremen die Geschäfte an der Schederhofstraße noch fortgeführt. Doch seit einigen Monaten ist die Halle dort dicht, wie Sascha Gardy sagt. Die drei verbliebenen Näherinnen stehen seither auf der Straße. Und tatsächlich erreicht man dort unter der angegebenen Telefonnummer niemanden. Auch Anfragen dieser Zeitung bei der Beilken-Geschäftsführung in Bremen blieben unbeantwortet. Zuletzt sollen die Geschäfte an der Schederhofstraße nicht mehr so gut gelaufen sein, berichten ehemalige Mitarbeiter.

Sascha Gardy hat als Hauptstandbein eine Raumausstattung

Gardy möchte nun an die besseren Zeiten anknüpfen, als die Segler ihre Segel regelmäßig an die Schederhofstraße brachten. Das Unternehmen soll künftig unter dem Namen Segelmacherei.ruhr firmieren. Ganz bei Null startet Gardy dabei nicht. Denn er gründete 1997 seine Raumausstattung, die heute an der Sabinastraße sitzt. In seinem kleinen Betrieb hat er in der Vergangenheit schon Ausstattungen für Boote gefertigt und auch Sonnensegel sogenannte Persennings produziert er. Die Fertigung ähnelt der von Segeln. Deshalb bot auch die frühere Segelmacherei Hansen diese an.

Gardy will unterdessen künftig keine Segel mehr selbst produzieren sondern nur noch reparieren und waschen. Neue Segel wird er von den namhaften Firmen beziehen, die selbst meist nicht mehr in Deutschland Segel nähen. Dabei will er nicht mehr nur auf die Marke Beilken setzen, sondern auf mehrere. In den nächsten Wochen wird er neue Maschinen kaufen und zwei Näherinnen anstellen.

Allerdings gehört das Segeln in der Region nicht mehr zu den wachsenden Sportarten, wie Gardy berichtet. Früher habe man am Baldeneysee keinen Liegeplatz bekommen, heute dagegen seien viele frei. Allein von der Segelmacherei könnte er heute deshalb wohl nicht leben: „Hätte ich die Raumausstattung nicht, würde ich das nicht machen.“

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