Gastronomie

Gastronomen in Essen sorgen sich um den Nachwuchs

Der neue Dehoga-Chef Reinhard Schriever vom Sengelmannshof in Kettwig

Der neue Dehoga-Chef Reinhard Schriever vom Sengelmannshof in Kettwig

Foto: Socrates Tassos

Essen.   „Der Mitarbeiter ist heute der König“, sagt Reinhard Schriever. Der Chef des Gastroverbandes Dehoga in Essen will das Nachwuchsproblem angehen.

Reinhard Schriever ist seit 33 Jahren Inhaber des Restaurants und Hotels Sengelmannshof in Kettwig. In den Jahrzehnten habe sich die Gastronomie deutlich verändert. „Früher war der Gast König, heute ist es auch der Mitarbeiter“, sagt der 62-Jährige und meint damit das wachsende Fachkräfteproblem, mit dem die Branche zu kämpfen hat und das die Unternehmen vor große Herausforderungen stellt. „Es ist schwieriger, Mitarbeiter zu bekommen. Die Bewerbungen werden weniger.“ Davon würden auch Kollegen unisono berichten.

Seit wenigen Wochen ist Schriever neben seiner Aufgabe im Sengelmannshof der neue Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Essen. Und als solcher hat er sich vor allem auf die Fahnen geschrieben, seine Branche attraktiver für den Nachwuchs zu machen. „Bislang haben unsere Bemühungen nicht so gezündet“, räumt Schriever ein. Aber wenn die Branche nicht auf eine massive Personalnot zusteuern will, muss sich etwas ändern.

Verschärft wird das Problem in Essen zusätzlich durch neue Anbieter, die vor allem auf den Hotelmarkt drängen. Mit den Neubauten in den nächsten Jahren wird Essen die 10 000er Marke bei den angebotenen Hotelbetten erstmals überschreiten. Hinzu kommen neue Gastronomien – zwei eröffnen in den nächsten Tagen allein in der Essener Innenstadt. Das schafft nicht nur mehr Konkurrenz um Gäste, sondern auch um das nötige Fachpersonal, weiß Schriever.

Ausbildungszahlen sinken

Allerdings sind die Ausbildungszahlen in der Gastronomie in den vergangenen fünf Jahren in Essen stetig gesunken. Zuletzt lagen sie zumindest auf Vorjahresniveau. „Und das liegt nicht daran, dass die Unternehmen weniger ausbilden wollen, sondern keine Azubis finden“, glaubt der Dehoga-Geschäftsführer Thomas Kolaric. Unter den Top-Ten der noch unbesetzten Ausbildungsplätze fanden sich Ende September noch 23 Stellen für die Restaurantfachfrau/-mann und für den Koch.

„Das Problem sind die unattraktiven Arbeitszeiten“, meint Reinhard Schriever. Daran ist in der Gastronomie zwar generell nichts zu ändern. Aber Schriever plädiert für neue Arbeitszeitmodelle und flexible Dienstpläne, die die Branche entwickeln müsse, um vermehrt auch Frauen für die Gastroberufe zu gewinnen. Genauso dazu gehörten aber auch Fortbildungen und ein neues Chefbild, meint Schriever. „Man ist heute Kollege und darf sich als Chef nicht so wichtig nehmen“, sagt Schriever. Früher sei er für solche Worte belächelt worden. Doch die Zeiten hätten sich eben geändert, wenn der Mitarbeiter mit Kusshand im nächsten Betrieb genommen werde.

Aber auch eine vernünftige Bezahlung gehöre zur Mitarbeiterbindung. Und dass eine gute Dienstleistung auch ihren Preis hat, dafür müssten Gastronomen auch bei den Gästen werben. „Wir sind nicht nur Tablett-Träger.“

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