Landgericht Essen

Geständnisse: Falsche Polizisten nahmen Senioren aus

Vor dem Landgericht Essen müssen sich jetzt zwei junge Männer verantworten, die zahlreiche Senioren betrogen haben.

Vor dem Landgericht Essen müssen sich jetzt zwei junge Männer verantworten, die zahlreiche Senioren betrogen haben.

Foto: Ulrich von Born / WAZ FotoPool

Essen/Bochum.   Sie gaben sich als Polizisten aus und brachten Senioren um ihre Ersparnisse. Seit Mittwoch stehen zwei Freunde aus Essen vor Gericht.

Die Opfer waren hochbetagt und hegten keinen Verdacht: Monatelang haben sich zwei Freunde aus Essen als Polizisten ausgegeben und Senioren um ihre Ersparnisse gebracht – vor allem in Bochum. Seit Mittwoch stehen sie in Essen vor Gericht.

Die Masche war immer die gleiche: Erst gab es einen Anruf, angeblich von der Polizei. So war es auch auf dem Display der Telefone zu sehen. Mal stand dort die Notrufnummer „110“, mal die Nummer der örtlichen Dienststelle. Tatsächlich saß der Anrufer jedoch in der Türkei, vermutlich in Izmir. Er gaukelte den Senioren vor, dass Bargeld und Schmuck in großer Gefahr seien oder von der Polizei überprüft werden müssten.

Und der Trick funktionierte: Zwischen Juni und November 2018 erbeutete die internationale Bande laut Anklage Bargeld und Schmuck im Wert von rund 330.000 Euro.

Anzeige lockte: „Geldverdienen durch Geldabholen“

Als Abholer fungierten die beiden Freunde aus Essen. Sie hatten bei Facebook eine Anzeige gesehen. „Geldverdienen durch Geldabholen.“ So oder so ähnlich soll der Text gelautet haben. „Wir haben uns dann darauf gemeldet“, sagte einer von ihnen zum Prozessauftakt vor dem Essener Landgericht. „Das hörte sich nach einer interessanten Sache an.“

Der 21-Jährige brauchte nicht lange, um auch seinen ein Jahr älteren Freund zu überreden.

„Dass die Sache nicht mit rechten Dingen zuging, war ihnen allerdings spätestens klar, als sie ihre Instruktionen bekamen. Sie mussten sich als Polizisten ausgeben, wenn sie bei den Senioren auftauchten. Ihr „Verdienst“ bestand aus zehn Prozent des Bargelds. Der Rest wurde an die sogenannten Logistiker der Bande weitgereicht. Meist an einer Tankstelle in Neuss. Zweimal durften die jungen Essener aber auch in die Türkei fliegen, um die Beute dort zu übergeben. Dafür gab es nochmal 500 Euro extra – plus die Tickets.

Seniorin händigte 76.000 Euro und ihren Schmuck aus

Laut Anklage haben die Senioren ihr Geld und ihren Schmuck oft aus Bankschließfächern geholt. Die größte Beute wurde bei einer 89-jährigen Frau aus der Bochumer Bindfadensiedlung gemacht. Sie übergab den geständigen Angeklagten, die sie für Polizisten hielt, alles, was sie hatte: 76.000 Euro plus Schmuck im Wert von rund 50.000 Euro. Die echte Polizei war den Tätern schließlich durch Ermittlungen in München auf die Spur gekommen. Von dort breitete sich die Fahndung immer weiter aus – bis nach Essen und Bochum. Ihren „Verdienst“ wollen die Angeklagten vor allem in Drogen investiert haben – in Marihuana und Kokain.

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