Coronavirus

Hamsterkäufe: Nachtschwestern verzweifeln im Supermarkt

Coronavirus: "Als gäbe es eine atomare Bedrohung."

Klopapier, Nudeln, Milch - Seit Ausbruch des Coronavirus sind die Regale in deutschen Supermärkten teilweise wie leergefegt. In dieser Umfrage äußern sich die Menschen zu den Hamsterkäufen.

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Essen.  Wegen der Corona-Hamsterkäufe anderer Menschen stehen Nachtschwestern und Schichtarbeiter mitunter vor leeren Regalen und ungeahnten Problemen.

Einzeln werden die Kunden vielerorts nur noch in die Läden hereingelassen, die Ausgabe von Toilettenpapier und Küchenrollen, Nudeln und Mehl wird reglementiert, damit möglichst viele zumindest ein wenig der begehrten Ware bekommen können. Und doch zeigt die Erfahrung der vergangenen Tage, viele Supermarkt-Regale sind schon kurz nach Ladenöffnung leergeräumt. Deutschland hamstert trotz aller Mahnungen – nicht zuletzt auch der der Bundeskanzlerin. Dass das ausgerechnet diejenigen trifft, die einen großen Dienst an der Gesellschaft leisten, ist eine weitere Fußnote der Corona-Krise, die es Wert ist, aufgeschrieben zu werden.

Olga Bauer ist Krankenschwester im Essener Huyssenstift – „Nachtschwester“, sagt man allgemeinhin. Denn die 42-Jährige arbeitet nur nachts. Dienstbeginn ist 20.30 Uhr, „Feierabend“ um 6.30 Uhr. Danach geht es schnurstracks nach Hause und ins Bett. Gegen 14 Uhr steht Bauer wieder auf, macht ein paar Handgriffe im Haushalt, wie sie sagt, und geht dann für gewöhnlich alles Nötige einkaufen.

Nachts Patienten pflegen, tagsüber Toilettenpapier hinterherlaufen

Seit einigen Wochen jedoch werde das immer schwerer. „Wenn wir einkaufen gehen können, dann gibt es schon längst nirgendwo mehr alles, was wir brauchen“, berichtet Bauer. Neben dem inzwischen schon fast kultigem Mangel an Toilettenpapier und Nudeln, berichten Bauer und einige ihrer Kolleginnen auch vom unfreiwilligem Verzicht auf andere Lebensmittel, für die es in der Corona-Zeitrechnung nachmittags schlicht kaum mehr Nachschub gibt.

„Es ist natürlich nicht so, das wir zu verhungern drohen“, sagt Olga Bauer. Aber es strapaziere schon die Nerven, wenn man andauernd vor leeren Regalen stünde und auf die Hilfe von Freunden oder Nachbarn angewiesen sei, um überhaupt alles Notwendige zusammenzubekommen. „Es ist schon verrückt“, sagt die Krankenschwester und meint den derzeitigen Kontrast ihres Lebens; „Wir kümmern uns nachts um kranke und pflegebedürftige Menschen und laufen tagsüber einer Rolle Toilettenpapier hinterher.“

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